Wir sind sauer: Video landet im Netz und erntet zahlreiche Kritik

31. Januar 2018 at 20:34

Wir sind sauer: Video landet im Netz und erntet zahlreiche Kritik

Screenshot des Videos

Wir sind sauer, richtig sauer. Warum das so ist werden wir euch gleich erklären und wenn ihr weiter lest, bitten wir euch, bis zum Ende zu lesen, damit ihr versteht, aus welchen Gründen wir sauer sind.

Worum gehts?

Gerade macht ein Video in den sozialen Netzwerken die Runde. Wahrscheinlich ist es bei Orkantief Friederike entstanden und dem Funkrufnamen nach stammt es aus Nordrhein-Westfalen (näheres dazu ersparen wir uns und überlassen das der Polizeiführung).

Das Video dauert etwas über eine Minute und man sieht, wie eine Streife eine Straße absichert, auf der mehrere Lkw mit dem Seitenwind zu kämpfen haben, bis der Lkw im Vordergrund tatsächlich vom Orkan umgeworfen wird. Was man sieht ist nicht das, was die Gemüter zurecht erhitzt, sondern das, was man hört.

Der Dialog der Kollegen erweckt den Eindruck, als wären wir Polizisten völlig empathielose Wesen, die sich über die Not der Menschen auch noch lustig machen.

Wir möchten hierzu folgende anmerken:

Wir Polizisten entwickeln im Laufe unseres Dienstes zuweilen einen schwarzen Humor, der von außen betrachtet nur Unverständnis ernten würde. Es ist unsere Art, mit gewissen Situation umzugehen, eine Schublade zu finden, wo man es hinein stecken und verarbeiten kann. Das muss kein Außenstehender verstehen und sollte deshalb auch unter uns bleiben.

Den Kameraden von Rettungsdienst und Feuerwehr geht es da nicht anders. Es ist nur allzu menschlich, wenn wir auf verschiedene Art und Weise versuchen, mit einer Situation, mit Erlebtem, klar zu kommen, es nicht zu nah an uns heran zu lassen, damit wir auch weiter unseren Job erledigen können, funktionieren.

Genau deswegen sollte das, was in einem Streifenwagen geschieht auch im Streifenwagen bleiben!

Nicht das, was man in dem Video sieht und hört, ist aus unserer Sicht zu beanstanden, sondern die Tatsache, dass das Video im Netz gelandet ist. Das ist auch der Grund, warum wir das Video bewusst nicht teilen werden. Es ist einfach es im Netz zu finden, da es ja auch fleißig geteilt wird.

Dies lässt nur zwei Möglichkeiten zu: Entweder haben die Kollegen es selbst ins Netz gestellt, was an Dummheit nicht zu überbieten wäre. Oder sie haben es Bekannten geschickt – was wahrscheinlicher ist – und die haben dafür gesorgt, dass das Video online ging. Auch das ist dumm.

Diese beiden Kollegen sorgen dafür, dass die tägliche Arbeit der vielen Social Media Teams der Polizei und auch unsere Arbeit hier auf Polizist=Mensch, zunichte gemacht wird. Wir alle möchten die Polizei bürgernah zeigen, Polizisten menschlicher machen. Wir möchten, dass wir nicht auf unsere Uniform reduziert werden und dass wir nicht nur die niemals lächelnden Cops sind, die mit aller Härte gegen einen Gurtmuffel vorgehen.

Denn abgesehen davon, was natürlich auch vorkommt, hat unser Dienst so viel mehr zu bieten, was kaum bekannt ist und auch selten in der Presse landet. Aus diesem Grunde gibt es diese Seite, um das gesamte Bild des polizeilichen Alltags zu zeichnen und wiederzugeben.

Es gibt bei den Polizeien der Länder und des Bundes teils Vorschriften, wie sich Polizisten in sozialen Netzwerken zu verhalten haben. Das Bild der Polizei darf nicht beschädigt werden. Aus unserer Sicht eigentlich unnötig diese Vorschriften, denn das allgemeine Beamtenrecht regelt dieses Verhalten sowieso, on- wie offline. In manchen Vorschriften ist auch das Anfertigen von Bildmaterial während des Einsatzes untersagt.

Letzteres halten wir für ebenfalls nicht unbedingt zwingend erforderlich, denn schon so manches Bild aus dem Einsatz hat auf unserer Seite oder den Polizeiseiten im Netz für Erheiterung gesorgt, die Polizisten menschlicher gemacht. Diese Bilder wären nicht möglich, wären Einsatzbilder gänzlich verboten.

Doch der deutschsprachige Raum ist, was die Außendarstellung der Polizei und das sogenannte “community policing” angeht (Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Polizei, die auf Vertrauen und Bürgernähe basiert) noch nahezu Entwicklungsland. Andere Länder machen uns vor, wie so etwas tatsächlich sehr gut funktioniert und für ein vertrauensvolles Miteinander sorgt. Daher hoffen wir, dass das Video beim Bürger das Bild von der Polizei nicht allzu sehr eintrübt.

Deswegen kann man froh sein, wenn die Vorschriften nicht wörtlich ausgelegt werden und den Kollegen ein gewisser Spielraum eingeräumt wird, auch im Einsatz mit Bildwerken für mehr Vertrauen, für Menschlichkeit in der Uniform, zu sorgen.

Daher hoffen wir inständig, dass zwar die Kollegen, die leicht zu ermitteln sein werden, ihre Rüge erhalten. Nicht wegen des Videoinhalts, sondern wegen der Verbreitung. Und wir hoffen ebenso, dass das Video für alle anderen Kollegen folgenlos bleibt. Denn niemand hätte etwas davon, wenn die Vorschriftenschraube angezogen würde…