Aufrichtigkeit ist gut und schlecht: Bezirksdienstbeamter wird nach öffentlicher Kritik in den Streifendienst zurück versetzt

18. Februar 2018 um 19:00 Uhr

Wie zuweilen mit Kritikern in der Polizei umgegangen wird, zeigt der folgende Vorfall in Nordrhein-Westfalen. Ein Polizist, der sich auf eine frei gewordene Stelle beworben hatte und hierzu über eine erstklassige Qualifzierung verfügte. Eigenschaften, die ihm hier zugute gehalten wurden, wurden ihm plötzlich zum Verhängnis.

Holger Wirtz ist eine gestandener Polizist. 1990 hatte er sich der heute 50-Jährige für den Polizeiberuf entschieden und diente auch auf verschiedenen Wachen, bis er dann in seine Heimatgemeinde Waldbröl zurück kehrte. Ihm werden die Eigenschaften bescheinigt, bodenständig und aufrichtig zu sein, seit Kindesbeinen an verwurzelt mit seiner Heimatgemeinde, familiär und sportlich im Verein aktiv.

Als sein Kollege Uli Manz in Pension ging, wurde die Stelle des Bezirks- und Schwerpunktbeamten frei und Kollege Wirtz bewarb sich auf diese Stelle. “Bei der Polizei muss man Chancen nutzen, wenn sie sich einem bieten. Wer weiß, ob sie jemals wiederkommen”, sagte Wirtz. Am 1. Oktober 2017 trat er dann die neue Funktion an und übte diese Tätigkeit bereits ein paar Monate aus, als er im Januar 2018 öffentlich in sein neues Amt eingeführt wurde.

In Anwesenheit von Polizeidirektor Ralf Schmitz, Landrat Jochen Hagt, Bürgermeister Peter Koester und Waldbröls Wachstellenleiter Freddy Müller wurde Holger Wirtz der Presse als neuer Ansprechpartner für Waldbröl vorgestellt. Und auch hier ist man voll des Lobes über den neuen Bezirksbeamten.

Die Aufrichtigkeit, die Kollege Wirtz zuvor als positive Eigenschaft hervor gehoben wurde, soll ihm nun zum Verhängnis werden. Er sprach aus, was sehr wahrscheinlich intern auf keinen fruchtbaren Boden fiel, und so nutzte er die öffentliche Runde, um möglichst eine Verbesserung zu erreichen. Doch sein Ansinnen ging nach hinten los.

Er monierte Missstände bei der Ausstattung der Bezirksbeamten, so müssten sich mehrere Beamte einen PC teilen und für wichtige Einsätze stünde kein Dienstfahrzeug bereit. Polizeidirektor Ralf Schmidt reagierte prompt, erklärte, dass Probleme nicht in diese Runde gehörten und drohte sogleich mit Konsequenzen, “dass das noch ein Nachspiel” haben werde.

“Dabei habe ich niemanden persönlich angegriffen oder gar herabgesetzt”, wundert sich Wirtz über diese barsche Äußerung seines Dienstherrn. Doch das änderte nichts. Wirtz wurde von seiner Stelle als Bezirksbeamter wieder in den Streifendienst zurück versetzt.

Holger Wirtz bleibt sich jedoch selbst treu: “Ich stehe zu dem, was ich bei der Pressekonferenz im Rathaus gesagt habe.”

Lieber Kollege Wirtz,

richtig so, bleib dir selbst treu, nur so kannst du noch in den Spiegel schauen! Wir wissen doch, wie es ist. Ausstattungsdinge werden meist ganz oben entschieden und wenn man Kritik übt, bleibt die oft unbeantwortet. Du hast eine Gelegenheit genutzt, nicht um Kritik zu üben, sondern eine Verbesserung zu erreichen. Eine Verbesserung, die euch zusteht, damit ihr euren Dienst besser erledigen könnt!
Darauf kann man als Dienstherr so oder so reagieren. Diese Reaktion zu beurteilen überlassen wir jedem selbst.

Wir hoffen allerdings, dass dein gewünschter Wechsel in den Bezirksdienst nichts mit gesundheitlichen Gründen zu tun hatte. Wenn dem so sein sollte, würde dein Dienstherr gesundheitliche Nachteile bei dir in Kauf nehmen, nur weil du berechtigte Kritik geübt hast.

Wir wünschen dir alles Gute, bleib so wie du bist!