Belobigung: Polizist klärt in seiner Freizeit Vergewaltigung auf

16. Februar 2018 um 20:43 Uhr

Belobigung: Polizist klärt in seiner Freizeit Vergewaltigung aufSo schlimm die Erfahrungen der Frau sind, die in diesem Fall Opfer roher und erniedrigender Gewalt wurde, so kann man doch auch ein positives Fazit ziehen: Ohne das Engagement des jungen Polizisten wäre der Fall vielleicht nie aufgeklärt und der Täter zur Rechenschaft gezogen worden. Polizist ist eben nicht nur ein Beruf, er ist eine Einstellung und eine Berufung.

Was war geschehen?

Am 7. August 2017 wurde eine Frau in Erfurt (Thüringen) Opfer einer Vergewaltigung. Zunächst wurde sie offenbar mit einem Stock niedergeschlagen, dann verging sich der Täter an ihr. Zudem nahm der Gewalttäter das Handy des Opfers mit, ein Raub stand im Raume. Nach seiner schändlichen Tat flüchtete der Täter und es fehlt von ihm jede Spur.

Spaziergänger fanden die Frau und alarmierten die Polizei. Diese rückte mit einem Großaufgebot, unterstützt von der Bereitschaftspolizei aus, um Spuren der Tat zu finden und so auf die Schliche des Gewalttäters zu kommen. Doch die Suche blieb erfolglos, obwohl ein Polizeihubschrauber und Diensthunde noch zusätzlich zum Einsatz kamen.

Es war frustrierend. Vielleicht war es dieser Frust über fehlende Ermittlungsergebnisse, zusammen mit Willen, dem Vergewaltigungsopfer zu helfen und den Täter aus der Anonymität zu reißen und vor Gericht zu stellen, die einen jungen Polizisten dazu veranlasste, nach dem Einsatz noch einmal privat der Sache auf den Grund zu gehen.

Er kennt sich im Bereich des Tatortes gut aus, wie es heißt. Diese Ortskenntnis, zusammen mit dem Aufklärungsdrang, sollte letztendlich zum Erfolg führen. Der Polizist suchte mit seinem Bruder zusammen ein Waldstück ab, wo die Kollegen der Bereitschaftspolizei nicht gesucht hatten.

Hier fand der junge Beamte Teile eines Handys und einen angebrannten Ausweis. Er alarmierte seine diensthabenden Kollegen, die die Gegenstände sicherstellten und kriminaltechnisch untersuchen ließen. Tatsächlich, die Teile des Handys gehörten zu dem Mobilfunkgeräte, welches dem Opfer geraubt wurde.

Doch das war noch nicht alles: Die Ermittler konnte umfangreichen Spuren sicherstellen und auswerten. Dazu gehörte auch ein Fingerabdruck des mutmaßlichen Täters, zu dem die Polizisten in der Polizeidatenbank auch tatsächlich eine Person ausfindig machen konnten. Der Fingerabdruck gehörte einem 32-jährigen Iraker, der laut Staatsanwaltschaft Erfurt 2009 nach Deutschland einreiste und einen Asylantrag stellte.

Der Asylantrag wurde anerkannt und so lebte der Iraker fortan in Magdeburg. Die von den Ermittlern sichergestellten Beweise und Erkenntnisse waren nun so erdrückend, dass die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter beantragte.

Mit Hilfe der Zielfahndung beim Landeskriminalamt Thüringen konnte der Gewalttäter ein paar Tage später im Bereich Magdeburg (Sachsen-Anhalt) festgenommen werden. Bei seiner Festnahme leistete der 32-Jährige massiven Widerstand. In seiner ersten Vernehmung habe er den Ermittlern gegenüber eine Tatbeteiligung abgestritten.

Heute begann nun der Prozess vor dem Landgericht Erfurt. Ohne das private Engagement des Polizisten für eine Aufklärung des Falles und ohne die gespeicherten Fingerabdrücke des Täters wäre eine Aufklärung der Tat vermutlich nicht möglich gewesen.

Zu diesem Schluss kam auch die Chefin der Bereitschaftspolizei, Polizeidirektorin Heike Langguth, die den jungen Polizisten im vergangenen September zum Polizeiobermeister beförderte. Zudem ziert nun eine Belobigung seine Personalakte.

Auch von unserer Seite ein herzlicher Dank an den Kollegen für den Einsatz in seiner Freizeit. Wir hoffen, dass der Fall nun juristisch abgeschlossen werden kann, damit die Frau wieder zur Ruhe kommen und die schlimme Tat verarbeiten kann.