Digitale Polizeiarbeit: Polizei Niederlande macht’s vor

15. Februar 2018 um 21:12 Uhr

Digitale Polizeiarbeit: Polizei Niederlande macht's vorUnter dem Begriff digitale Polizeiarbeit versteht man alle Aktivitäten, die die Polizei als Behörde oder Polizisten im öffentlichen Auftrag im Internet tun. Dies umfasst die Kommunikation und Interaktion mit Bürgern (Hilfestellung, Ratgebung und Vertrauensbildung (community policing) und Kriminalitätsbekämpfung (cybercrime) und -prävention.

Diese digitale Polizeiarbeit, die sich nicht nur, aber auch insbesondere auf die sozialen Medien bezieht, wird teils sehr unterschiedlich wahrgenommen. Und dies vor dem Hintergrund, dass Menschen im Internetzeitalter viele Aktivitäten nicht nur offline, sondern eben auch online tätigen. Es wäre also wichtig, wenn die Polizei das Internet als eine Möglichkeit anerkennt und entsprechend ihr Personal aufrüstet und schult, mit den Bürgern in Kontakt zu kommen oder eben Respression und Prävention zu betreiben, was ja auch offline ihr hauptsächlicher Auftrag ist.

Die Polizei in den Niederlanden macht es vor, was wir bereits mehrfach zum Thema hatten. Dort ist es selbstverständlich, dass die Polizei als Behörde in den sozialen Medien vertreten ist, um zu informieren, aber auch um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken oder einfach nur transparent die Polizeiarbeit darzustellen und Vertrauen zu gewinnen.

So betreiben 3.400 Polizisten in den Niederlanden etwa 2.200 Twitteraccounts. Hinzu kommen noch unzählige Accounts bei Instagram, teils von der Behörde, teils von Polizisten persönlich betrieben. Hier finden sich nicht nur Beiträge zur Verbrechensverhütung und Informationen zu Veranstaltungen, hier zeigen die Beamten auch ganz ungezwungene Selfies oder dokumentieren Einsätze.

Alles für jeden jederzeit abrufbar. Bürgerpolizei online.

Und nicht nur das. In den Niederlanden wird die digitale Polizeiarbeit nicht nur als eine Möglichkeit, als eine Notwendigkeit, gesehen. Der digitale Auftritt gilt hier, so scheint es, als eine Chance und oft scheinen die Kollegen ihren Spaß daran zu haben. Gut möglich, dass hier die Ausstattung und das Behördendenken eine wichtige Rolle spielt.

Die Polizisten sind persönlich mit aktuellen Smartphones ausgestattet, die sie auch mit nach Hause nehmen dürfen. Darauf befinden sich allerlei Apps, die die Polizeiarbeit offline und auch online erleichtern. Neben Zugang zu internen Polizeisystemen befinden sich hier auch Apps, um die Accounts bei Twitter und Instagram mit neuen Informationen und Bildern zu füttern, auch per WhatsApp sind die Jugendsachbearbeiter jederzeit erreichbar. Und ein Onlineauftritt kann sich günstig für eine Beförderung auswirken.

Nun geht die Polizei in den Niederlanden einen Schritt weiter. Es gibt nun die ersten Polizisten, die online Streife gehen. Joaquin Diez Requejo von der Polizei in Roosendaal ist so ein Onlinepolizist, wobei er auch noch offline seine Streife geht. Als lokaler Polizeibeamter überwacht er die lokalen Seiten in den sozialen Medien, dient als Ansprechpartner und greift ein, wenn Falschinformationen (fakenews) die Runde machen.

Noch ist diese Form der digitalen Polizeiarbeit neu und Erfahrungen fehlen, was aber gerade im Bereich der Prävention nicht neu ist. Ein verhindertes Verbrechen kann oft nicht nachvollziehbar belegt werden. Dennoch ist es die Königsdisziplin der Polizei. Joaquin erklärt dazu: “Ob wir Probleme vermeiden, indem wir in sozialen Medien aktiv sind, ist schwer zu sagen, aber wir können zumindest schneller handeln.”

Doch wer meint, dass die Onlinestreifen eine Art Überwachung durchführen, liegt falsch. Denn die digitale Polizeiarbeit umfasst viel mehr, als das Widerlegen von Fakenews. So betrachtet sich zum Beispiel Kollege Joaguin auf seinen regelmäßigen Onlinestreifengänge Bilder aus der Umgebung bei Instagram. Manchmal verraten Bilder mehr, als sie sollte. Seien es öffentlich sichtbare Kennzeichen an Fahrzeugen oder Bilder, die auf eine Notsituation hindeuten könnten.

Noch ist der Onlinestreifengang neu und fast schon revolutionär. Doch Kollegen Joaquin von der Polizei Roosendaal hofft, dass dies irgendwann selbstverständlich sein wird: “Es wäre am besten, wenn jeder Agent auch ein Web-Agent wäre und neben seiner Patrouille auf der Straße auch einmal eine Stunde im Internet verbringt. Aber wir müssen wohl auf eine neue Agentengeneration warten, denn im Moment fällt mir auf, dass nicht jeder fähig ist, dies zu leisten.”

Thomas-Gabriel Rüdiger, Kriminologe bei der Fachhochschule der Polizei Brandenburg und Mitherausgeber des Buches “Digitale Polizeiarbeit, Herausforderungen und Chancen” hat dies mit Deutschland verglichen, was wir gerne zitieren möchten:

“Die Niederlande hat demnach alleine 3400 Polizisten -sog. #Cybercops (#wijkpolitie) – die Socialmedia Accounts (insgesamt ca. 2400 Accounts alleine über 2000 bei Twitter) bedienen. Bei in etwa 64.000 Polizisten absolut. Nun sollen diese Beamten auch aktiv auf Onlinestreife gehen. Wohl gemerkt hier sind noch keine Polizeiangehörigen eingerechnet die klassisch #Cybercrime bekämpfen.

Deutschland hat ggw. ca. 300.000 Polizeiangehörige, dabei haben wir in etwa nur 300 Social Media Accounts (letzte offizielle Zählung lag bei 216), bundesweit sind laut Spiegel nur in etwa 1.800 Cybercops zuständig. Man kann es auch so darstellen: insgesamt 4,6 Prozent der ndl. Polizei ist online auf Streife bzw. unterhält #Socialmedia Accounts. In Deutschland sind dies in etwa 0,6 Prozent.

Wenn Deutschland also auch 4,6 Prozent erreichen wollen würde, müssten wir in etwa 13.500 Polizisten für #digitalepolizeiarbeit einsetzen.”

Wir meinen, dass dies ein Aufwand wäre, der sich lohnen würde. Sei es zur Strafverfolgung, zur Verbrechensverhütung oder zur Vertrauensgewinnung bei den Bürgern.