Doppelter Polizistenmord in Brandenburg: Täter zu Höchststrafe verurteilt

2. Februar 2018 at 22:58

Doppelter Polizistenmord in Brandenburg: Täter zu Höchststrafe verurteiltFast genau vor einem Jahr hatte ein junger Mann zunächst seine Großmutter getötet und auf der anschließenden Flucht zwei Polizisten bei Müllrose überfahren und getötet. Für diesen Dreifachmord ist heute der Täter zu lebenslanger Haft verurteilt worden, zudem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Schon alleine die Taten, innerhalb weniger Stunden drei Menschen getötet zu haben, hatte damals für bundesweites Entsetzen gesorgt. Doch auch das Verfahren legte die Psyche des Täters offen, die schonungslos, unmenschlich und gefühlskalt ist. Das Gerichtsverfahren war eine Tortur für die Hinterbliebenen der drei Todesopfer.

Die schrecklichen Taten begannen mit einer voll gestellten Badewanne. Dadurch geriet der Täter Jan G. mit seiner Großmutter in Streit. Er misshandelte die 79-jährige Großmutter und tötete sie anschließend. Als diese Tat bekannt wurde, begab sich der Täter auf die Flucht. Auf der Flucht mit dem Auto durchbrach er eine der Kontrollstellen der Polizei, überfuhr zwei Polizisten im Alter von 49 und 52 Jahren, die auf der Stelle tot waren.

Der Täter stand, wie sich später zeigte, unter dem Einfluss von Drogen. Dennoch ging das Gericht davon aus, dass er voll schuldfähig war. Die Richterin sagte in der Urteilsbegründung: “Ihm war das Ausmaß seiner Handlungen in diesem Moment bewusst”. Hierbei stützte sich das Gericht auf ein psychiatrisches Gutachten des zur Tatzeit 24-Jährigen, der an keiner psychischen Erkrankung leide.

Der Täter gab während des Prozesses zu, die drei Menschen getötet zu haben. Ansonsten zeigte er allerdings keine Reue, ganz im Gegenteil verhöhnte er die Opfer. Der nun 25-Jährige war der Meinung, dass es wesentlich schlimmere Taten als seine gebe, die Großmutter sei sowieso schon alt gewesen und “zwei Jahre über der Lebenserwartung”.

Auch gegenüber den von ihm getötete Polizisten sparte er nicht mit Spott und Hohn. Der Täter war der Meinung, dass die Beamten ihren Selbstschutz sträflich vernachlässigt hätten. “Das waren doch keine kleinen Kinder, die nicht wissen, was sie tun. Aber ich hatte wohl den einzigen Polizisten Brandenburgs hinter mir, der nicht schießt”, soll er ausgesagt haben.

Im Verlaufe des Gerichtsverfahren kam auch die Witwe des getöteten Polizisten Torsten P. zu Wort, die als Nebenklägerin auftrat. Als sie mit ihrer Aussage beginnt, stellt sie ein Bild ihres Mannes auf den Tisch, dreht es zu Jan G. herüber und sagt: “Ich möchte Ihnen jemand vorstellen. Wir haben uns darauf gefreut, gemeinsam alt zu werden, waren glücklich und zufrieden. Sie aber haben unser Leben, unsere Zukunft, unsere Träume zerstört.”

Zum Gericht gewandt sagte die Witwe: “Es gibt für den Angeklagten keine gerechte Strafe. Aber ich bin überzeugt, dass Sie die richtige Strafe finden werden.” Dies erkannte die Richterin auch heute bei der Urteilsbegründung an: “Die Lücken, die in die Familien gerissen worden sind, kann auch dieses Urteil nicht mehr ändern. Die werden immer bleiben.”

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer lebenslange Haft wegen Mordes, sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Die Verteidigung wollte im Falle der Tötung der Großmutter lediglich Totschlag erkennen und im Falle der getöteten Polizisten lediglich einen Unglücksfall. “Es war ein simpler Verkehrsunfall, ein Fahrfehler”, sagte der Verteidiger. Seine Forderung, maximal 12 Jahre Haft.

Das Urteil

Der 25-jährige Jan G. wurde als voll schuldfähig gesehen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seine Großmutter mit einem Messer ermordet hatte und sah das Mordmerkmal des niederen Beweggrundes als erfüllt an. Im Falle der getöteten Polizisten erkannt das Gericht zudem das Mordmerkmal der Heimtücke, denn sie hätten nicht mit einem Angriff auf ihr Leben rechnen müssen und der Täter habe billigend in Kauf genommen, dass sich die Beamten nicht mehr retten können.

Jan G. wurde daher wegen dreifachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, so dass Jan G. nicht automatisch nach 15 Jahren entlassen werden kann.

Wir hoffen, dass die Angehörigen nun langsam zur Ruhe kommen können. Wir sind in Gedanken bei ihnen, da auch noch ein knappes Jahr nach dieser schrecklichen Tat der Verlust schmerzt.

Wir wünschen den Angehörigen der Getöteten, der Freunde und Kollegen weiterhin viel Kraft bei der Trauerbewältigung. Sie sind damit nicht alleine.