Es gibt ihn noch: “Dorfsheriff” – Polizist, Seelsorger, Sozialarbeiter

14. Februar 2018 um 21:03 Uhr

Es ist schon lange her, dass sich in nahezu jedem Ort ein Polizist befand, der nach dem Rechten sieht. Die Polizisten wurden oftmals aus der Fläche abgezogen und in den Städten konzentriert. Vorteil: In der Stadt ist mehr los und dort braucht es auch mehr Polizisten. Nachteil: Der ländliche Raum bekommt die Uniformierten nur noch selten zu sehen und wenn etwas passiert, brauchen die Beamten länger für die Anfahrt.

Aber es gibt sie auch heute noch, die Polizisten, die sich oftmals ganz alleine um eine Gemeinde kümmern. Ganz früher waren es die Dorfgendarmen, dann wurden sie kumpelhaft “Dorfsheriff” genannt, auch wenn ihre Funktion nicht die eines Sheriffs ähnelt und sie selten in einem Dorf, eher in einer kleineren Stadt ihren Dienst versehen.

Kai Sonten, 54 Jahre, ist so ein “Dorfpolizist”. Er versieht in Teilzeit seinen Dienst in der Kleinstadt Riedenburg in Niederbayern. Montags, Mittwochs und Freitags sperrt er die Tür zur Ein-Mann-Wache im Rathaus, direkt neben der Touristinfo, auf und ist Ansprechpartner für die Bürger. Hier ist er zuständig für 6.000 Einwohner und 15 Kilometer im Radius.

Die übrige Zeit versieht er seinen Dienst in der 17 Kilometer entfernten Polizeiinspektion Kelheim, wo er Sachbearbeiter für Fälle der häuslichen Gewalt ist. Dort wird er auch hin und wieder wegen seiner Funktion als Dorfpolizist belächelt. “Wenn die Kollegen dann hören, was ich alles zu tun habe, will keiner mehr tauschen”, erzählt Sonten.

Man merkt ihm an, dass er diese Funktion gerne erfüllt. Er selbst wohnt in Riedenburg, man kennt sich also. Informationen finden den Weg schnell zu Sonten und man erzählt ihm auch mehr, weil man ihn kennt, weiß, dass er für die Bürger da ist. Umgekehrt kann er Falschinformationen, die in Umlauf sind, schnell entgegen wirken.

Denn die Einwohner vertrauen ihm und das sieht er als eine seiner Hauptaufgaben an: Vertrauen. Zudem sieht er sich als einen polizeilichen Service für den Bürger. Nicht immer muss er eine Anzeige aufnehmen oder einen Streit schlichten. Manchmal reden die Leute mit ihm übers Wetter oder wollen von ihm einen unabhängigen Rat.

Und so ist der Job des Dorfpolizisten, wohl noch mehr als im Streifendienst ohnehin, nicht nur die Aufgabe des Polizisten, sondern auch des Seelsorgers und Sozialarbeiters. Und Sonten hat, auch wenn bei ihm manchmal die Leute Schlange stehen, die Zeit dafür, sich um die Menschen der Gemeinde zu kümmern, auch wenn es mal etwas länger dauert oder die Bürger ihn auch nach Dienstschluss rufen.

Kai Sonten ist sich sicher, das ist ein Vorteil und kommt Bürgern und Polizei zugute.

Den ganzen Bericht könnt ihr hier nachlesen.

Danke an alle die Kollegen, die diese Ein-Mann-Wachen betreiben und noch direkt vor Ort für den Bürger da sind! Dorfpolizist zu sein ist nichts was man belächeln sollte, es ist eine ehrenvolle Aufgabe.