Flashback – Gedanken eines Polizisten: 7 Monate nach G20

18. Februar 2018 um 21:28 Uhr

Flashback - Gedanken eines Polizisten: 7 Monate nach G20

7 Monate nach G20

Auch heute bin ich noch fassungslos über das was in Hamburg passiert ist. Ich schaue mir die Bilder an und bin wieder dort… Dort in der Hölle.

Ich bin jetzt seit fast 20 Jahren Polizist, aber ich habe nie etwas ähnliches erlebt und hoffe ich muss es nie wieder. Viele lachen, wenn sie hören, dass es wie im Krieg war. Aber wer es nicht selbst erlebt hat, sollte einfach nur seine Fresse halten.

Wir waren zur Demo “Welcome to Hell” eingesetzt und ehrlich, die Gewaltbereitschaft hat mich erschaudern lassen. Einige Kollegen haben vor der Mauer gewarnt, aber wir wurden nicht gehört.

Nachdem die Demo gestartet war, wurden Vermummungen angelegt. Also wurde die Demo gestoppt und die Demonstranten aufgefordert sie abzulegen. Da flogen schon die ersten Flaschen, denen wir ausgewichen sind. Da nach über einer halben Stunde die Vermummungen nicht abgelegt wurden, sollte die Demonstration aufgelöst werden.

Und dann kam das Fatale, die Mauer wurde als Fluchtweg genutzt. Wir wussten dies, aber es hat keinen interessiert. Ein Hagel von Flaschen, Böllern und Steinen prasselte auf uns ein. Ich habe noch nie so eine Wut in mir aufkochen gespürt.

Wir können nur alleine von Glück reden, dass hier keine Kollegen gestorben sind!

Immer wieder erwische ich mich dabei, dass ich Bilder oder Videos von den Tagen in Hamburg anschaue und mich gedanklich wieder in der Hölle befinde.

Ich habe heute noch die Nachrichten meiner Kollegen auf meinem Handy gespeichert, die zuhause saßen und sich Sorgen gemacht haben. Einer schrieb mir: “Gott verdammt, pass auf dich auf. Ich brauche dich mein Bruder”…

Der junge Kollege wollte damals auf eigene Faust zu uns stoßen um uns zu helfen. Es war gut, dass er nicht gekommen ist. Nicht, weil wir ihn nicht gebraucht hätten, sondern weil ihm nichts passieren sollte.

Ich werde nie sein Gesicht vergessen als wir zurück kamen… Total am Ende mit dem Kräften, überall Kratzspuren, die Uniform verdreckt… Er musste nichts sagen, ich wusste, dass ich gealtert bin nach diesen Tagen.

Viele meiner Kollegen, die diese Hölle erlebt haben, schlafen heute noch schlecht. Aber unsere Jungs fangen uns auf, sie sind immer da wenn es uns mal wieder etwas schlechter geht.

Ich bin froh, solche Brüder und Schwestern zu haben. Heute mittag saß ich bei einem von meinen Brüdern und wir redeten und redeten. Er könnte vom Alter mein Sohn sein, aber er ist mein Freund, mein Bruder. Dafür möchte ich mich bedanken…

Danke an alle die uns zuhören, die uns zum Lachen bringen, wenn uns mal nicht danach ist!

Seither war ich auf keiner Demo mehr eingesetzt und bin froh darüber, denn ehrlich… Ich könnte für nichts garantieren wenn mir wieder so ein schwarz Vermummter eine Flasche ans Hirn donnern will.

An alle Brüder und Schwestern da draußen, passt auf euch auf…”

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Der Kollege ist uns persönlich bekannt, er möchte jedoch anonym bleiben.