Beharrlichkeit, Manpower und neue Möglichkeiten: Soko Altfälle klärt Kindsmord nach 26 Jahren und nimmt Täter fest

13. März 2018 um 15:28 Uhr

Ordner 67, Spur 4.3.1 und Kollegin Claudia Becker, diese drei haben gemeinsam einen Erfolg zu verbuchen, der nach 26 Jahren kaum für möglich gehalten wurde. Hierbei spielten sowohl Beharrlichkeit, genügend Personal, als auch der “richtigen Riecher” eine entscheidende Rolle.

Die Polizei in Jena hatte drei ungeklärte Kindsmorde, die zwischen 1991 und 1996 geschahen und bislang nicht geklärt werden konnten. Die Soko (Sonderkommission) Altfälle wurde 2016 gegründet und mit 20 Polizisten besetzt, die all diese Fälle noch einmal neu aufrollen sollten. Alle Akten wurden digitalisiert, das waren immerhin 300 Ordner, von denen 20 Ordner per Hand abgetippt werden mussten, weil das Papier sich nicht zum einscannen eignete.

Alle Beweise wurden noch einmal gesichtet, geprüft und bewertet. Es geht um Stephanie Drews (10 Jahre alt, verschwunden am 24.08.1991, tot aufgefunden am 26.08.1991), Bernd Beckmann (10 Jahre alt, verschwunden am 06.07.1993, 18.07.1993 an der Saale in Jena tot aufgefunden) und Ramona Kraus (9 Jahre alt, 15.08.1996 verschwunden, 13.01.1997 im Wald bei Eisenach tot aufgefunden).

Der Fall Stephanie Drews konnte nun, 26 Jahre später, geklärt werden und der Täter festgenommen werden. Hierbei spielt Kollegin Claudia Becker, natürlich neben ihren anderen Kollegen im Team, eine besondere Rolle. Sie sollte die drei Fälle als Soko-Leiterin im Überblick haben, nach Gemeinsamkeiten suchen. Und die fand sie, in Ordner 67, Spur 4.3.1. Sie entdeckte ein Muster, welches zum Fahndungserfolg führte.

Auf den schrecklichen Tatablauf möchten wir nicht näher eingehen, zumal aus ermittlungstaktischen Gründen hierüber kaum etwas öffentlich bekannt ist. Nur so viel: Stephanie wurde vermutlich missbraucht und der Täter warf sie, um die Tat zu vertuschen, von der Teufelstalbrücke. Todesursächlich soll dieser Sturz bzw. die hieraus resultierenden Verletzungen gewesen sein. Stephanie könnte also beim Sturz noch gelebt haben.

Spur 4.3.1 führte zu einem nunmehr 65-jährigen Lkw-Fahrer, der in Berlin lebt. Was genau Claudia Becker zur Überzeugung brachte, dass es sich hier um den Tatverdächtigen im Fall Stephanie handelte, bleibt vorerst unter Verschluss. Jedoch war sich Becker sicher: das musste er sein. Der Mann hatte zwar für den Mord an Bernd Beckmann ein Alibi, nicht jedoch für den an Stephanie. Und der Tatverdächtige ist polizeibekannt, hatte zuvor bereits wegen Kindesmissbrauchs in Haft gesessen.

Anfang März 2018 erfolgte dann die Festnahme. Das Spezialeinsatzkommando rückte an der Berliner Wohnung des Tatverdächtigen an, sägte die Wohnungstür auf und wurde von dem 65-Jährigen mit einer Eisenstange in den Händen empfangen. Es folgte ein kurzes Handgemenge und dann klickten die Handschellen.

Noch in seiner Wohnung gab der Tatverdächtige die Tat zu, lange genug hatte er diese Last mit sich herum getragen. Als Kollegin Becker von dem Geständnis erfuhr, sagte sie: “Ich wusste, dass wir doch auf der richtigen Spur waren, dass ich meinem Bauchgefühl vertrauen kann.”

Sie und ihr Team freuen sich, dass sie hier nach vielen Jahren noch einen Ermittlungserfolg erzielen konnte. Doch ihre Arbeit ist noch nicht zu Ende, denn die Fälle von Bernd Beckmann und Ramona Kraus warten ebenfalls auf ihre Aufklärung und Kollegen Becker und ihr Team sind entschlossen, auch hier erfolgreich zu sein.

Vielen Dank an Claudia Becker und ihr Team, die unermüdlich und unnachgiebig weiter ermitteln und so dafür sorgen, dass der Täter seine gerechte Strafe erhält. Mord verjährt nie und das ist auch gut so. Vielleicht ist dieser Ermittlungserfolg für die Hinterbliebenen ein wichtiger Schritt bei der Verarbeitung, so dass sie Gewissheit erhalten, was genau geschehen war und dass der Täter hierfür auch bestraft wird.