Besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Messerangriffe auf Polizisten

24. März 2018 um 17:39 Uhr

Besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Messerangriffe auf PolizistenNicht viele Bundesländer führen eine genaue Statistik zu diesem Thema, oftmals werden nur Angriffe mit Schusswaffen registriert, so dass es hier kein bundesweites Lagebild gibt. Genau dieser Umstand muss geändert werden, auch muss endlich auf diese steigende Zahl von Messerangriffen reagiert werden.

Auch bei den Polizeigewerkschaften ist dies mittlerweile ein heiß diskutiertes Thema, bei denen die Polizeivertreter Konsequenzen fordern. So sagte Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der GdP: “Es ist höchste Zeit, diesem Deliktphänomen auf den Grund zu gehen. Dazu gehört auch, mit Messern begangene Straftaten bundesweit zu erfassen und Täterkategorien zu bilden.” Des Weiteren fordert er eine Prüfung der Strafverschärfung für Messerangriffe.

Der Bundesvorsitzende der DPolG, Rainer Wendt, lehnt dies jedoch ab und sagte dazu: “Das Waffenrecht ist hinsichtlich Messer und Stichwerkzeugen schon recht scharf, eine weitere Verschärfung wäre sinnlos.”

Das Problem ist, dass in jedem Haushalt Messer zu finden sind und diese potentiell als tödliche Waffe genutzt werden können. Die Bundesländer, die zu den Messerattacken eine Statistik führen, bemerken deutlich einen Anstieg von Angriffen mit Stichwaffen.

In Berlin wurden 2016 2.625 Angriffe registriert. Leider liegen die Zahlen für 2017 noch nicht vor, wir gehen jedoch davon aus, dass diese nicht gesunken sind, sondern eher gleichbleibend oder gar gestiegen sind.

Auch Hessen verzeichnete seit 2012 einen stetigen Anstieg. In 2012 waren es noch rund 970 Fälle, so stieg die Zahl in 2017 auf bereits 1.194 Fälle. 93 Prozent der Taten konnten aufgeklärt werden. 52 Prozent waren deutsche Tatverdächtige, danach folgten Türken und Afghanen mit jeweils rund 7 Prozent. Man kann hier also nicht behaupten, dass Messerattacken überwiegend durch Migranten begangen würden, wie manche gerne behaupten.

Hessen reagierte auf diesen Fallanstieg, indem sie 10.000 Schnittschutzschals für die Beamten orderte. Aber ist das die Lösung dieses Problems? Polizisten immer mehr aufrüsten so das wir irgendwann in Ganzkörperschutzkleidung auf die Straße können?

Was ist mit dem Bürger? Es muss eindeutig etwas passieren.

Alleine in NRW gab es seit September 2017 bis März 2018 2.075 Angriffe, davon 570 mit Stichwaffen. Den traurigen Spitzenplatz nimmt hier Duisburg mit 44 Angriffen ein. Gefolgt von Köln (39), Essen (34) und Bonn (33).

Das Angriffe mit Stichwaffen äußerst brutal und gefährlich sind muss man nicht erwähnen. Wir Polizisten werden darauf trainiert, bei Angriffen mit Stichwaffen auf den Torso zu schießen, wenn der Angreifer zumindest noch 3 Meter entfernt ist. Unter 3 Meter wird es zudem sehr schwer auf Extremitäten zu schießen. Hier geht es um das eigene Überleben.

Wir müssen in Sekundenbruchteilen die schwerwiegende Entscheidung treffen, ob wir die Schusswaffe einsetzen. Schon für das Zielen braucht man eine Sekunde. Auch machen solche Zufallstreffer nicht zwangsläufig angriffsunfähig. Bei einem Beindurchschuss ohne Knochentreffer merkt der Angreifer gar nichts – wegen des Adrenalinstoßes. Die Beeinträchtigung des polizeilichen Gegenübers ist bei einem Durchschuss geringer als die eines Faustschlags. Zudem kann auch ein Beinschuss tödlich enden. Jedoch kommt bei einem Messerangriff kein Faustschlag als Abwehrreaktion in Frage.

Hartmut Ganzke, innenpolitischer Sprecher der SPD sagte : “Wenn es belastbare Zahlen gebe, könne auch bei der Ausbildung junger Polizisten ein Schwerpunkt auf Messerangriffe gelegt und die Ausrüstung verbessert werden.”
Des weiteren müssen Konzepte erarbeitet werden um Messerangriffen entgegenzuwirken.

Eines ist sicher, es muss definitiv was passieren! Diese Entwicklung kann und darf nicht einfach schulterzuckend hingenommen werden, denn ein Schusswaffengebrauch hat auch immer eine weitere Seite, nämlich die er psychischen Belastung bei uns Polizisten, wenn jemand dadurch verletzt oder sogar getötet wird.