Gedanken eines Polizisten: Warum ich mit 24 mein Testament schrieb

13. März 2018 um 21:04 Uhr

Gedanken eines Polizisten: Warum ich mit 24 mein Testament schrieb

“Ein einschneidendes Erlebnis im Dienst hat mich dazu gebracht. Ich wollte, dass meine damalige Frau abgesichert ist, falls mir jemals etwas passiert.

Wir Polizisten erleben Einsätze die uns vermutlich ein Leben lang begleiten werden. Sie rücken in den Hintergrund, aber sind dann doch immer wieder präsent. Gerade wenn man wieder einen ähnlich gelagerten Einsatz bekommt, dann kommen unweigerlich Bilder hoch.

Kollegen werden verletzt oder gar getötet. Dies alles lässt einen nicht kalt, nein, es zeigt uns, dass es jeden von uns jederzeit erwischen kann.

Nun ja, das Ereignis, das mich dazu bewogen hat, war nach einem Angriff von hinten, als ich ins Koma geprügelt wurde. Meine Frau, meine Freunde und Kollegen saßen einige Tage an meinem Bett und haben gehofft und gebangt.

Das ich diese Zeilen schreiben kann zeigt, dass ich den Angriff überlebt und körperlich gut überstanden habe. Psychisch bin ich auch wieder voll auf der Höhe, aber es kommen eben immer wieder diese Bilder hoch und diese prägen einen.

Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde und die Reha erfolgreich hinter mich gebracht hatte, hatte ich nur diesen einen Gedanken im Kopf: “Du musst deine Frau absichern!”

Sie war damals das wichtigste in meinem Leben, wir hatten Pläne, hatten gerade ein Haus gekauft und wollten Kinder. Doch nach dem Angriff kam alles anders. Klar hatte ich mich verändert. Wie soll man auch wie vorher weitermachen können?

Jedenfalls schrieb ich deswegen mit 24 mein Testament. Legte alles fest, wie die restlichen Schulden am Haus getilgt werden, wer mein Motorrad oder mein Auto bekommt…. Einfach alles.

Nun ja, nach der Scheidung zerriss ich das Testament, verkaufte das Haus und gründete eine WG mit meinem besten Freund und Kollegen.

Das alles hat mich verändert.

Ich mache keine Pläne mehr, sondern genieße jeden Tag so gut es geht. Uns Polizisten ist immer bewusst, dass jeder Einsatz der letzte sein kann. Aber dieser Gedanke ist nicht ständig präsent, darf er auch nicht sein. Man hat keine Angst, aber Respekt, wenn man auf die Straße geht.

Aber eins ist gewiss… Ich liebe meinen Beruf!”

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Der Kollege ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.