Im Einsatz angegriffen: Ordnungspolizist muss (bislang vergeblich) um Anerkennung der PTBS kämpfen und erhält Unterstützung durch Hilfe für Helfer e.V.

29. März 2018 um 20:34 Uhr

Im Einsatz angegriffen: Ordnungspolizist muss (bislang vergeblich) um Anerkennung der PTBS kämpfen und erhält Unterstützung durch Hilfe für Helfer e.V.

Bild: Präsidium für Technik, Logistik und Verwaltung der Polizei Hessen

Das Schicksal von Christian Rinker-Stenger (zweiter von rechts auf dem Bild) lässt sich eigentlich kaum mit Worten beschreiben. Wenn Polizisten zu Opfern werden und in den Mühlen der Bürokratie ein weiteres Mal in die Opferrolle gedrängt werden. Und das gilt nicht nur für die (verbeamteten) Polizisten, sondern auch für alle (angestellten) Wach-, Stadt- und Ordnungspolizisten.

Christian, dreifacher Familienvater, wurde 2004 zu einer häuslichen Gewalt gerufen. Bei der Feststellung der Identität wurde er unvermittelt von dem Beschuldigten angegriffen. Dabei ging Christian zu Boden und erlitt einen Genickbruch.

Im Jahr 2009 wechselte der Kollege zur Ordnungspolizei in Herborn (Hessen). Dort kam es leider zu einem erneuten Angriff auf ihn. Im Jahr 2017 führte er Geschwindigkeitskontrollen in der Ortschaft Sinn durch. Ein ertappter Fahrer war mit der Maßnahme nicht einverstanden, griff Christian an und versuchte ihn zu überfahren. Nur eine Rolle zur Seite hatte sein Leben retten können.

Diese Art der Angriffe hinterlassen nicht nur körperliche Spuren, oftmals überwiegen die psychischen mehr. Hier hilft kein Pflaster, hier müssen Profis ran um der Psyche zu helfen, den Vorfall zu verarbeiten.

Christian Rinker-Stenger begab sich in therapeutische Behandlung und bei ihm wurden eindeutige Anzeichen für eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) festgestellt.

Nun kommt aber leider das fatale, was leider zu oft passiert. Die UKH (Unfallkasse Hessen) sieht keinen Zusammenhang zum Angriff bei der Verkehrskontrolle und diagnostizierte deshalb keine PTBS. Die UKH stellte somit die Zahlung des Verletztengeldes ein, obwohl sie auf ihrer Internetseite explizit auf ihre Angebote der psychologischen Einsatznachsorge (Krisenintervention und Langzeit-/stationäre Therapie) hinweist.

Hier schlägt die Tatsache auf fatale Weise zu, dass Ordnungspolizisten im Gegensatz zu ihren Landes- und Bundeskollegen Angestellte sind und die Vorzüge ihrer verbeamteten Kollegen nicht teilen, dabei leisten diese Kollegen eben auch Polizeiarbeit. Eine völlig absurde Situation, wie man hier sieht.

Bei einem Alleinverdiener mit drei Kindern ist dann die finanzielle Lage mehr als nur angespannt, eine fatale Schieflage droht. Es kann und darf nicht sein, dass die Kollegen hier im Regen stehen gelassen werden! Aufgrund der Entscheidung der Unfallkasse musste Christian für die Behandlungskosten selbst aufkommen. Das dies oftmals nicht möglich ist, bleibt den Betroffenen oftmals nur eines:

Die Behandlung abbrechen. Aber was ist das für eine Lösung?

Durch den Hinweis des Personalratsvorsitzenden Holger Schmidt wurde der Verein Hilfe für Helfer e.V. auf das Schicksal von Kollege Christian aufmerksam.

Karl-Heinz Reinstädt, Präsident des Technikpräsidiums und Vorstandsmitglied des Vereins Hilfe für Helfer e. V., gegenüber Christian Stenger: “Ihnen gebührt unsere Anerkennung und Mitgefühl für Ihren Dienst an der Allgemeinheit zur Verkehrssicherheit. Es ist erschreckend, was Sie erleben mussten und wie die Gewalt und Respektlosigkeit insgesamt gegenüber Ordnungshütern und Rettungshelfern zunimmt“.

In ihrer Ansprache machte Hildegard Becker-Toussaint, 1. Vorsitzende des Vereins, deutlich, dass solche Vorfälle mehr in die Öffentlichkeit getragen werden müssten. Nur so könne man auch ein Bewusstsein dafür schaffen was Menschen wie Christian leisten, aber auch ertragen müssten.

“Der Verein freut sich darüber, zumindest symbolisch einen Beitrag zur Wiedergutmachung leisten zu können“, so Frau Becker-Toussaint und übergab 6.000 Euro an den Kollegen.

Der 2016 gegründete Verein Hilfe für Helfer e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, in Ausübung des Dienstes schwer verletzten Polizisten, Feuerwehrleuten, im weitesten Sinne BOS-Angehörigen und Soldaten, sowie deren Hinterbliebenen, zu helfen. Seit der Gründung konnten der Verein einer Vielzahl von Hinterbliebenen und schwerverletzten hessischen Polizeivollzugsbeamten finanzielle Unterstützung gewähren.

Christian, der uns auf diese Ungerechtigkeit, wie er das Ganze diplomatisch nennt, selbst aufmerksam gemacht und um Veröffentlichung gebeten hat, haben wir die Möglichkeit eingeräumt, selbst ein paar persönliche Wort an unsere Leser zu richten. Er verzichtete jedoch auf diese Möglichkeit, da ihn der ganze Vorgang immer noch sehr belastet. Dafür haben wir natürlich vollstes Verständnis!

Wir wünschen Christian alles Gute für die Zukunft und danken dem Verein “Hilfe für Helfer e.V” für die Hilfe und vor allem für ihre überaus wertvolle und wichtige Arbeit.

Lieber Christian,

hoffentlich fällt sehr bald eine andere Entscheidung, so dass Du die für Dich sehr wichtige Therapie fortsetzen kannst und irgendwann dem Punkt angelangt bist, an dem Du sagen kannst, dass Du den Vorfall zwar nicht vergessen kannst, aber damit wieder gut leben kannst!