In memoriam: Vor 30 Jahren von Amokläufer auf Wache erschossen

4. März 2018 um 21:21 Uhr

In memoriam: Vor 30 Jahren von Amokläufer auf Wache erschossenHeute vor 30 Jahren, am 4. März 1988, wurden im bayerischen Dorfen drei Polizisten auf ihrer Wache von einem Amokläufer erschossen. Dabei waren die Waffen, um die es ging, am selben Tag morgens von den beteiligten Polizisten sichergestellt worden. Der Täter litt scheinbar an einer psychischen Krankheit und womöglich wäre das Attentat vermeidbar gewesen.

Der Morgen des 4. März begann für die Polizisten der Dorfener Wache wie jeder andere. Ein Routineeinsatz wartete auf sie. Der 37-jährige Jugoslaw Slobodan S., der bereits seit 15 Jahren in Deutschland lebte, hatte einen Waffenschein beantragt. Da es aber Zweifel an der Eignung gab, wurde der Antrag durch den Landkreis abgelehnt. S. war aber schon im Besitz von Waffen, diese sollten durch die Polizisten beschlagnahmt werden.

Gegen 07:45 Uhr suchten die Beamten S. auf und stellten alle Waffen sicher, die sie bei ihm finden konnten. Und das waren nicht gerade wenige: unter anderem waren es ein Revolver, eine Pistole, fünf Langwaffen und 39 Pistolenmagazine, sowie über 2000 Schuss Munition. Die Polizisten brachten die Waffen auf die Wache und trugen S. auf, später vorbei zu kommen. Denn ein paar Waffen befanden sich in Reparatur und den Nachweis hierzu sollte er später auf der Wache erbringen.

S. kam tatsächlich auf die Wache. Gegen 10:12 Uhr, so die spätere Rekonstruktion der Kriminalpolizei, betrat er das Gebäude. Die Wache befand sich zu diesem Zeitpunkt im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich Polizeikommissar Robert Gebler (27) und Polizeihauptmeister Karlheinz Loibl (47) in Zimmer 8 und listeten die beschlagnahmten Waffen und Waffenteile auf.

Dorthin wollte auch S. Bis heute ist ungeklärt, ob Polizeihauptmeister Franz Klarl, der sich zu dem Zeitpunkt, als S. dieses passiert, den Eindringling bemerkte. Klarl war gerade mit Funken beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt ist es 10:16 Uhr. Nun nahm das Drama seinen Lauf.

Da alle Beteiligten im kurze Zeit später stattfindenden Kugelhagel sterben, ist der weitere Verlauf nicht vollständig geklärt. Was aber feststeht, ist die Tatsache, dass S. Zimmer 8 betrat und irgendwie mindestens zwei seiner Waffen an sich reißen konnte. Dann eröffnete er das Feuer auf PK Gebler und PHM Loibl.

Teilweis soll S. sogar mit zwei Waffen gleichzeitig auf die Beamten geschossen haben. Beide brachen blutend und schwer getroffen zusammen und starben noch in Zimmer 8. 10:18 Uhr, stellvertretender Inspektionsleiter Polizeihauptkommissar Alfred Maier (46), an diesem Tage Chef im Hause, hörte die Schüsse und die Schreie der Kollegen. Er informierte zunächst Kollegen, die im östlichen Landkreis Erding auf Streife unterwegs waren, dann ging er mit der eigenen Waffe im Anschlag auf den Flur.

S. richtete sofort seine Waffe auf Maier und drückte ab. Nun ist es 10:19 Uhr, PHM Klarl eilte Maier vom Wachzimmer aus zu Hilfe. Doch nun gerät auch er in den Kugelhagel. Mit Treffern an Knie, Rücken und Hand wurde Klarl lebensgefährlich verletzt. S. konnte einem der Polizisten noch die Dienstwaffe entreißen, doch feuerte er damit nicht.

Mit seinen eigenen Waffen hatte S. in der Wache 45 mal geschossen, sie viele Projektile zählte die Kripo später. PHK Maier, der stellvertretende Chef, konnte sich trotz schwerster Schussverletzung aus der Wache hinaus zu einem Nachbarn schleppen. Bei dem klingelte Maier Sturm und dem Nachbarn sagte er: “Erwin, ruf’ Verstärkung. Im Revier schießt ein Jugoslawe wie ein Irrer um sich. Alles ist voller Blut.”

Der Nachbar versuchte noch die Blutungen zu stoppen, doch die Hilfe war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr möglich. Maier starb.

Um 10:29 Uhr raste ein Streifenwagen vor die Dorfener Wache. S. rannte sofort auf die Straße und eröffnete das Feuer auf den Streifenwagen. Im anschließenden Schusswechsel wurde S. schwer verletzt und brach zusammen. Wenige Tage später starb auch er im Krankenhaus.

PHM Franz Klarl, der lebensgefährlich verletzt wurde, konnte gerettet werden und befand sich nach einer Operation nicht mehr in Lebensgefahr. Er starb 2009 im Alter von 72 Jahren.

Für die erschossenen Polizisten Alfred Maier, Robert Gebler und Karlheinz Loibl fand am 9. März 1988 ein Staatsakt statt. In Anwesenheit des damaligen Innenminister August Lang, weiteren Vertretern aus der Politik und 700 Polizisten wurde den drei Kollegen die letzte Ehre erwiesen. Zwei der getöteten Polizisten hinterließen Kinder. Der Sohn von Alfred Maier, Christian, ist heute selbst Polizist am Flughafen.

Wie später bekannt wurde, hatte S. den Waffenschein beantragt, um sich gegen “Rote Armee Fraktion (RAF) und dunklen Mächten” wehren zu können. Dies war wohl auch der Grund, warum der Antrag abgelehnt wurde. Die Schizophrenie von S. war zuvor bereits bekannt, ein Gefährdungspotential in anderer Gelegenheit wurde vom Amtsgericht Erding festgestellt. Das Gesundheitsamt lehnte eine Unterbringung S. jedoch wegen “fehlender Fakten” ab.

In zwei Veranstaltungen gedenken die bayerischen Kollegen zum 30. Todestag den drei getöteten Polizisten. Am 2. März fand bereits ein Benefizkonzert vom Polizeiorchester Bayern statt, am kommenden Dienstag, 6. März 2018 , findet um 17 Uhr ein Gedenkgottesdienst der Bayerischen Polizei in Maria Dorfen statt.

Wir gedenken der drei getöteten Kollegen zum 30. Todestag und erheben die Hand zum Ehrensalut.

Ruht in Frieden, liebe Kollegen! Ihr seid unvergessen und auch heute noch Teil der Polizeifamilie. ⚫⚫