Polizist 2015 mitgeschleift, bis heute nicht dienstfähig: Autodieb zu hoher Haftstrafe wegen Mordversuchs verurteilt

19. März 2018 at 16:45

Polizist 2015 mitgeschleift, bis heute nicht dienstfähig: Autodieb zu hoher Haftstrafe wegen Mordversuchs verurteilt

Urteil liegt über Antrag der Staatsanwaltschaft

Ein Autodieb schleifte 2015 einen Polizisten 70 Meter weit mit, als dieser mit dem gestohlenen Auto flüchten wollte. Der Polizist wurde so schwer verletzt, dass er bis heute nicht dienstfähig ist und die gesamte Familie unter den Folgen leidet. Nun wurde der Autodieb zu einer hohen Haftstrafe verurteilt, wobei das Gericht noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus ging.

Es war der frühe Morgen des 7. August 2015, als ein polnisches Trio in Berlin Lichtenberg einen Audi A5 ausgesucht hatte, um ihn zu stehlen. Als sie das Sicherungssystem des Fahrzeugs überwunden hatten, standen plötzlich drei Polizisten am Fahrzeug, die die Autodiebe am Diebstahl hindern wollten. Die zwei Komplizen suchten sogleich das Weite, der dritte, der im Audi saß, startete das Fahrzeug und flüchtete.

Als der Autodieb zum Wenden kurz anhalten musste, griff ein Polizist durch das offene Fahrerfenster des Audi und hielt sich zunächst an der A-Säule fest. Der Autodieb schlug daraufhin die Tür zu und gab Gas. Er schleifte den Polizisten rund 70 Meter mit und um ihn los zu werden, machte er einen Schlenker nach links und touchierte ein geparktes Fahrzeug.

Der 54-jährige Polizist wurde dadurch schwer verletzt. Er erlitt schwere Verletzungen an Wirbelsäule, Rippen, Zeigefinger, Schädel, sowie viele Quetschungen und Abschürfungen. Der Beamte wurde in eine Klinik gebracht und ist bis zum heutigen Tag nicht dienstfähig.

Wie der Polizist vor Gericht angab, sei er erst nach 36 Stunden wieder im Krankenhaus zu sich gekommen. “Ich war mit Leib und Seele Polizist, 17 Jahre als Drogenfahnder, zuletzt als Funkwagenstreife. Ich habe alles verloren”, erklärt der 54-Jährige dem Gericht. Sein heutiger Alltag bestehe nur noch aus Sitzen, Liegen, Grübeln, Schlafen und Pillen schlucken.

Sogar seine Frau habe unter der Situation derart gelitten, dass sie daran zerbrochen sei. Der Polizist merkte zudem noch an, wenn er seine privat besorgte Schutzweste nicht getragen hätte, dann wäre er heute vermutlich nicht mehr am leben.

Der 29-jährige polnische Autodieb legte vor Gericht ein Geständnis ab und erklärte, dass er durch Drogeneinfluss einen Tunnelblick hatte. Er konnte nach dieser Tat zunächst nach Polen flüchten, ging dann aber wegen eines weiteren Autodiebstahls ins Netz der Polizei und konnte anhand einer Funkzellenauswertung der Mobilfunknetzes identifiziert werden.

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von 9 Jahren und 6 Monaten, die Verteidigung hatte keinen konkreten Strafantrag.

Das Urteil:

Das Landgericht Berlin verurteilte den überführten Autodieb nicht wegen versuchten Totschlags, sondern wegen versuchten Mordes, Bandendiebstahls, Verkehrsunfallflucht und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von 11 Jahren und 6 Monaten und ging damit noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus.

Zudem wurde dem Täter eine vierjährige Führerscheinsperre auferlegt und das Gericht ordnete seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach Verbüßung eines Teils der Strafe an

2017 hatten wir über einen ähnlichen Vorfall aus Nordrhein-Westfalen berichtet. In diesem Fall war der Täter lediglich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil das Gericht nicht von einem versuchten Totschlag ausging.

Wir hoffen und wünschen dem Kollegen, dass er irgendwann körperlich und seelisch über diesen Vorfall hinweg kommt, damit er wieder ein halbwegs normales Leben führen kann, auch wenn er vielleicht nicht mehr dienstfähig wird. Dazu gehen unsere allerbesten Wünsche nach Berlin!