Polizistinnen und Polizisten gesucht: G20-Einsatz soll wissenschaftlich aufgearbeitet werden

3. März 2018 um 16:18 Uhr

Während und auch nach dem G20-Gipfel in Hamburg haben wir regelmäßig über die Ausschreitungen und die Gewalt berichtet, die wir alle nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen konnten. Viele Kollegen wurden verletzt, die ersten Gerichtsurteile wurden gesprochen. Unsere gesamte Berichterstattung und die Leserbriefe zum Thema könnte ihr hier nachlesen.

Doch das alles lässt uns immer noch ratlos zurück. Von Stephanie Schmidt, Kulturanthropologin, Doktorandin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Betreuerin des Teilprojektes Polizei, wurden wir gebeten, auf das folgende Projekt aufmerksam zu machen, welches versucht, den Gewaltausbruch beim G20-Gipfel wissenschaftlich aufzuarbeiten. Da auch uns daran gelegen ist, dass hier neutral Forschung betrieben wird, um aus dem Geschehen möglichst Lehren ziehen zu können, unterstützen wir dieses Projekt sehr gerne.

Das Projekt Mapping#nog20 wird durchgeführt von einem Netzwerk von WissenschaftlerInnen aus den Themenbereichen soziale Bewegungen, Protest und politische Gewalt, sowie der Polizeiforschung unter dem Dach des unabhängigen Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) und des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS), sowie in Kooperation mit ForscherInnen der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol), der Polizeiakademie Niedersachsen und der ZEIT ONLINE.

Auf der Homepage des Projektes heißt:

“Die Gewalteskalation im Kontext der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg 2017 ist in ihrer Komplexität nur schwer zu erfassen. Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, müssen nicht nur die Handlungslogiken und Interaktionen einer Reihe heterogener Akteursgruppen rekonstruiert werden, sondern auch die raum-zeitliche Entwicklung des Geschehens. Das Projekt Mapping #NoG20 nimmt eine detaillierte, datengesättigte Dokumentation der Ereignisse zur Grundlage, um exemplarisch zu analysieren, welche Bedingungen zur Gewalt führten und wie diese gerahmt und in konkurrierende Narrative eingewoben wurde.”

Stephanie Schmidt erklärt uns zum Teilprojekt Polizei:

“Neben der Perspektive der Protestierenden möchten wir vor allem auch die Perspektive der PolizeibeamtInnen vor Ort berücksichtigen und suchen daher das Gespräch mit denjenigen, die in Hamburg da waren und über ihre persönlichen Eindrücke berichten können.

Die Interviews werden selbstverständlich anonymisiert und die erhobenen Daten geschützt gespeichert. Außerdem gibt es ebenfalls die Möglichkeit, dass Beamte uns anonyme Erlebnisberichte zusenden können.”

Weitere Informationen über das Projekt und wie man als Polizist/in Kontakt mit Stephanie Schmidt aufnehmen kann, könnte ihr dort auf der Homepage nachlesen.

Vielen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen, die an diesem Projekt teilnehmen!