Trend oder Notwendigkeit? Immer mehr Polizisten gehen auf Streife, anstatt in Pension

4. März 2018 um 13:03 Uhr

Trend oder Notwendigkeit? Immer mehr Polizisten gehen auf Streife, anstatt in PensionDie große Pensionierungswelle rollt, viele Polizisten befinden sich im Pensionsalter oder kurz davor und das stellt die Polizei vor große Probleme. Sie muss nämlich genügend geeignete Bewerber finden, um die ausscheidenden Kollegen zu ersetzen. Doch das ist nicht so einfach, wie wir bereits berichtet haben.

Es zeichnet sich allerdings ein neuer Trend ab – oder ist es gar eine Notwendigkeit? Immer mehr Polizisten gehen nicht in den wohlverdienten Ruhestand, sondern gehen weiter auf Streife bzw. stellen ihr Wissen im Innen-/Bezirksdienst zur Verfügung.

Wir haben bei unseren Recherchen gleich aus zwei Bundesländern entsprechende Meldungen gefunden und in den anderen Bundesländern wird es vermutlich ähnlich sein. Die Beweggründe sind jedoch höchst unterschiedlich.

In Baden-Württemberg zum Beispiel befinden sich 550 Polizisten, obwohl im Pensionsalter, weiterhin im Dienst. Innenminister Strobl findet das auch nicht weiter schlimm, ganz im Gegenteil, habe die Polizei sogar Vorteile von dieser Entwicklung, wie er sagt: “Der Erfolg polizeilicher Arbeit beruht, wie bei kaum einem anderen Beruf, auf Erfahrung und einer guten Spürnase”.

Womöglich liegt es in Baden-Württemberg auch daran, dass man dort eine Zulage gezahlt bekommt, wenn man länger im Dienst bleibt. Im Schnitt liegt diese Zulage, über alle Laufbahngruppen hinweg, bei im Schnitt 400 Euro monatlich.

So lange man gesundheitlich so fit ist, dass man den Dienst noch weiter leisten kann, spricht nichts dagegen. Was anderes wäre es jedoch, wenn man den Dienst wegen dieser Zulage verlängert, obwohl man eigentlich den Ruhestand verdient hätte und aus gesundheitlichen Gründen auch bräuchte.

Andere Kollegen verlängern ihren Dienst, weil er ihnen einfach Spaß macht, andere wiederum haben eine Position inne, für die noch kein Nachfolger gefunden wurde oder wo der Nachfolger erst eingearbeitet werden muss. Wie dem auch sei, die Polizei braucht offenbar auch diese Kollegen, die ihren Dienst verlängern. Dieser Meinung ist man jedenfalls bei einer der Polizeigewerkschaften, die betont, dass die freiwillige Verlängerung notwendig sei – wegen der verfehlten Einstellungspolitik der vergangenen Jahre.

Weiteres Beispiel Brandenburg: Dort zeigt sich das Problem der Einstellungspolitik deutlich. 200 Stellen sind dort landesweit unbesetzt und die Zielgröße liegt bei 8.000 Polizisten (7.000 wurde als zu wenig erachtet und daher wurde die Zielgröße völlig richtig angehoben).

76 Beamte haben ihren Dienst mittlerweile verlängert und sind nicht in Pension gegangen. Auch in Brandenburg macht man den Pensionären die Verlängerung durch einen Zuschlag schmackhaft. Ganz ähnlich wie in Baden-Württemberg bekommt jeder Polizist, der länger Dienst schiebt, 400 Euro zusätzlich pro Monat.

Auch aus Brandenburg heißt es von einer der Gewerkschaften, dass ohne die freiwilligen Verlängerer noch mehr als die 200 Stellen unbesetzt wären und die Zielgröße von 8.000 Polizisten niemals erreicht werden könne.

Uns würde bei diesen sehr allgemeinen Zahlen interessieren, wie viele der Polizisten, die verlängert haben, tatsächlich noch im Pensionsalter tatsächlich im Schichtdienst auf Streife gehen bzw. sich im Innendienst befinden.