Belastender Einsatz: Schreie einer Mutter

21. April 2018 um 20:35 Uhr

Belastender Einsatz: Schreie einer Mutter

“Diesen Einsatz werde ich, glaube ich, mein Leben lang nicht mehr vergessen. Auch während ich schreibe laufen mir die Tränen. Weder schäme ich mich dafür, noch will ich sie unterdrücken.

Wir wurden zu einem Einsatz geschickt, bei dem wir nicht wussten was auf uns zukommt. Denn die Frau am Notruf ließ sich weder beruhigen, noch bekamen die Kollegen heraus was passiert war. Sie war nur am weinen und schreien.

Also los, so schnell wie möglich zum Einsatzort. Dort angekommen hörten wir nur die Schreie, die Schreie einer Frau. Ganz ehrlich, die gingen durchs Mark und ich höre sie jetzt noch… Auch Wochen nach diesem Einsatz. Gleichzeitig mit uns kamen der Rettungsdienst und die Feuerwehr an. Alles war mobilisiert worden von unserer Einsatzzentrale.

Wir klingelten und klopfen, dann öffnete uns eine Frau. Sie zitterte, weinte und schrie nur einen Namen… Marie* und zeigte nach oben in den ersten Stock.

Wir nach oben, mit dem Rettungsdienst und der Feuerwehr im Schlepptau. Um die Frau kümmerte sich sofort der Notarzt

Da lag sie, in ihrem Bett… Ein junges Mädchen mit aufgeschnittenen Pulsadern, eine leere Packung Schlaftabletten lag auf ihrem Nachttisch. Leider konnten die Rettungskräfte nur noch ihren Tod feststellen. Sie muss schon einige Stunden dort gelegen haben, das Blut war teilweise schon getrocknet.

Auf ihrem Schreibtisch fanden wir eine kurze Nachricht, warum sie diesen Weg gewählt hatte.

Wir informierten die Kollegen, die sofort alles in die Wege leiteten. Wir gingen schockiert und mit Tränen in den Augen nach unten und da waren sie wieder:

Die Schreie der Mutter.

Die Mutter wurde von den Kollegen der Rettung mit ins Krankenhaus genommen, wo sie von einem Seelsorger betreut wurde. Auch wir bekamen einen Seelsorger an die Seite gestellt, der uns auch die nächsten Tage noch begleitete.

Ein 14-jähriges Mädchen hat diesen radikalen Schritt gewählt, weil sie mit einer Situation nicht klar kam. Fassungslos, voller Trauer und Schmerz bleiben die Verwandten zurück.

Leider ist der Suizid der letzte Ausweg für so manchen. Es ist auch für uns teilweise unerträglich, den Schmerz der Angehörigen mitzuerleben. Aus eigener Erfahrung im persönlichen Umfeld kann ich den Schmerz der Hinterbliebenen sehr gut nachvollziehen.

Diese Schreie werden wir alle nie vergessen.”

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* Name das Mädchens zum Schutz der Familie geändert

Der Kollege, der uns dieses belastende Erlebnis zusandte, ist uns namentlich bekannt.