Gedanken eines Polizisten: “Ich bin doch Polizist, ich muss das abkönnen”

13. April 2018 at 22:07

Gedanken eines Polizisten: "Ich bin doch Polizist, ich muss das abkönnen"Manchmal erleben wir Polizisten im Einsatz Dinge, die uns nicht mehr loslassen. Ganz abgesehen von einer körperlichen Beeinträchtigung wirken die seelischen Schäden länger, der Heilungsprozess ist schwieriger. Einige von uns denken: “Das schaff ich schon alleine, ich bin ja Polizist” – und werden dann doch nicht fertig mit dem Erlebten.

So wie der Kollege, der uns die folgenden Zeilen hat zukommen lassen und dafür plädiert, in einem solchen Fall alle Hilfe anzunehmen, die sich einem bietet. Und er weiß, wovon er spricht:

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“Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen

Ich bin Polizeikommissaranwärter aus Nordrhein-Westfalen und habe im Rahmen meines Praktikums ein traumatisches Ereignis mit Todesfolge erlebt, bei dem ich selber schwer verletzt wurde.

Dieses Ereignis hat viel in mir ausgelöst. Ich schlafe seit dem schlecht, habe Probleme bei bestimmten Geräuschen und die Situation spielt sich bei bestimmten “Triggern” wieder vor meinen Augen ab.
Meine Familie litt unter Verlustängsten und es wird sich gesorgt, sollte ich wieder ins Praktikum kommen.

Solche ein Ereignis schlägt vorerst medial ein wie eine Bombe, ist aber schnell von vielen vergessen. Kaum jemand versteht, wie viel an solch etwas dran hängt und dass es für viele eben etwas ist, was nie vergessen werden kann.

Um so wichtiger ist es die richtige Hilfe zu bekommen. Die Polizei ist mit einem großartiges Konzept für die Traumabewältigung ausgestattet. Dazu gehören Gespräche mit dem PSU-Team, Vermittlungen in Traumakliniken und Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen.

Ich möchte jedem Polizeibeamten ans Herz legen, mit seinen Erfahrungen im Dienst nicht nach dem Motto umzugehen “Ich bin doch Polizist, ich muss das abkönnen”.

Hilfe, die einem angeboten wird, die man annimmt, ist kein Eingeständnis für Schwäche, sondern ein Anerkenntnis von Mut und Einsicht!”

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Der Kollege ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben. Auch sein traumatisches Erlebnis ist uns bekannt. Aus Rücksicht auf den Autor und alle Beteiligten bleibt es jedoch unerwähnt, da es für die Absicht des Leserbriefs ohne Belang ist.