In Memoriam: Vier Polizisten zu Kriegsende der Homosexualität beschuldigt und hingerichtet

25. April 2018 um 20:12 Uhr

In Memoriam: Vier Polizisten zu Kriegsende der Homosexualität beschuldigt und hingerichtetÜber die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ist mittlerweile vieles bekannt, auch, dass das Regime und deren Nutznießer und Anhänger kein Gerichtsurteil benötigten, um eine standrechtliche Erschießung in die Tat umzusetzen. Die vier Berliner Polizisten, denen wir heute gedenken möchten, wurden gegen Kriegsende der Homosexualität beschuldigt und hingerichtet – drei von ihnen ohne eine Verurteilung.

Die Entscheidung zur Hinrichtung und damit zum Mord wurde polizeiintern beschlossen und geht auf den Erlass des Führers zur Reinhaltung von SS und Polizei zurück, in dem es hieß, dass derjenige mit dem Tode zu bestrafen sei, “der mit einem anderen Manne Unzucht treibt oder sich von ihm zur Unzucht missbrauchen lässt”.

Den vier Polizeibeamten Otto Jordan, Reinhold Höpfner, Willi Jenoch und Bautz (Vorname unbekannt) wurde ebendies vorgeworfen und sie wurden beschuldigt, homosexuell zu sein, so dass sie hingerichtet werden sollten. Sie befanden sich zusammen mit anderen Gefangenen, die wegen Fahnenflucht, Wehrkraftzersetzung oder Diebstahl von Lebensmittelkarten ebenfalls hingerichtet werden sollten, in der Polizeiarrestanstalt in der Spandauer Moritzstraße 10.

Alle Gefangenen wurden jedoch wieder freigelassen, für die sogenannte Frontbewährung. Sie sollten helfen, die sich der Stadtgrenze von Berlin nähernden Alliiertentruppen entgegen zu stellen. Kanonenfutter also. Nicht freigelassen wurden jedoch die vier Polizisten. Hier war man wenig nachgiebig, denn es sollten “SS und Polizei von gleichgeschlechtlich veranlagten Schädlingen reinzuhalten”.

Polizeimeister Alfred Wandelt war Leiter der Polizeiarrestanstalt und dieser erhielt von seinem Vorgesetzten, einem Major Adolph, am 24. April 1945 den ausdrücklichen Befehl, die vier angeblich homosexuellen Beamten hinrichten zu lassen. Wandelt sorgte dann dafür, dass eine Grube ausgehoben wurde und er fand auch einen Polizeiwachtmeister, der die Todesschüsse freiwillig abfeuerte.

So wurden die vier Polizisten noch am selben Tag per Genickschuss am Rande der Grube hingerichtet, obwohl nur einer von ihnen verurteilt war und die drei anderen nicht einmal dazu angehört worden waren. Einer der Polizisten war nicht sofort tot, so dass der Schütze in die Grube hinab steigen musste um den dann letztendlich tödlichen Schuss abzugeben.

Nach dem Ende der Nazizeit versuchte die Witwe von Polizist Otto Jordan als NS-Opfer anerkannt zu werden und Entschädigung beantragen zu können. Doch dies wurde abgelehnt. Der ehemalige Leiter der Polizeiarrestanstalt, Polizeimeister Alfred Wandelt, wurde vom Landgericht Berlin, bestätigt durch das Urteil des Kammergerichts, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

Das Grab der Polizisten wurden nie gefunden. Seit 2011 erinnert eine Gedenktafel an die vier mittels Polizeikugeln ermordeten Polizisten, die am Gebäude des heutigen Polizeiabschnitts 21, der ehemaligen Polizeiarrestanstalt, angebracht wurde.

#Unvergessen! ⚫⚫
Gib #Homophobie keine Chance!