Nachwuchsprobleme bei der Polizei: Zehn Prozent fallen durch oder brechen ab

4. April 2018 um 16:05 Uhr

Nachwuchsprobleme bei der Polizei: Zehn Prozent fallen durch oder brechen abDer Polizei fehlt es an Personal. Darüber haben wir bereits mehrfach berichtet, es ist also keine neue Entwicklung. Die Sparpolitik der vergangenen Jahre hat dafür gesorgt, dass die Reihen gelichtet wurden. Als man erkannte, dass man mehr Polizisten braucht, da sehr viele Beamte in den nächsten Jahren in Pension gehen werden, hat man in den meisten Bundesländern und beim Bund die Nachwuchsgewinnung angepasst.

Das Einstellungsverfahren wurden gelockert, Mindestgrößen mussten nach entsprechenden Klagen aufgegeben werden, in den Diktaten wurden mehr Fehler zugelassen, die Ausbildung für Migranten ohne deutschen Pass geöffnet. Die Liste ließe sich fortsetzen, auch darüber hatten wir schon berichtet. Und selbst wenn die Polizeien ihren Mehrbedarf an Personal in die Ausbildung oder das Studium bringen können, heißt das noch lange nicht, dass drei Jahre später ein Personalplus zu verzeichnen wäre.

Denn zehn Prozent der Polizeischüler geben während der Ausbildung den Polizeiberuf auf und brechen ab oder fallen am Ende in den Prüfungen durch. Zwei Beispiele zeigen deutlich, dass Mehreinstellungen nicht gleichzeitig bedeutet, dass die Polizei am Ende mehr Polizisten bekommt. Dabei sind die Gründe hüben wie drüben dieselben.

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hatte das Ziel ausgerufen 1.500 Polizisten einzustellen. Diese Zahl wurde errechnet, um die ausgedünnten Reihen der Polizei aufzufüllen. Doch dieses Ziel wird verfehlt, denn zehn Prozent der Polizeischüler hat die Ausbildung abgebrochen. In 2017 waren es sogar noch mehr, von den 900 Polizeischülern brachen rund 150 ab.

Es fehle an Ausbildungspersonal und die Rahmenbedingungen machten den Polizeiberuf nicht attraktiv genug. Wegen fehlender Kapazitäten seien die Polizeischüler teils in Wohncontainern mit Mehrfachbelegung untergebracht. Auch möchten die Azubis die teils weiten Strecken zwischen Heimatort und Ausbildungsstätte nicht mehr zurück legen.

Auch heißt es von den Ausbildern, dass die Polizeischüler eine zunehmend mangelnde Leistungsbereitschaft an den Tag legten. Um dennoch mehr Polizisten am Ende der Ausbildung zu haben wurden die Einstellungszahlen nach oben korrigiert. Für 2018 und 2019 sollen nun jeweils 1.800 Polizeischüler eingestellt werden. Der benötigte Ausbildungspersonalbedarf für die Standorte Herrenberg, Wertheim, Biberach und Lahr wird derzeit ermittelt.

Doch nicht nur in Baden-Württemberg, auch in Rheinland-Pfalz sehen die Ausbildungszahlen ähnlich aus. Hier klagt die Polizei zwar nicht über so viele Ausbildungsabbrecher, sondern über diejenigen, die am Ende durchfallen. Rund zehn Prozent der Studierenden an der Hochschule der Polizei schaffen das Studium nicht.

Warum es im Gegensatz zu Baden-Württemberg hier genauso viele Durchfaller gibt wie dort Abbrecher? Ganz einfach: In Rheinland-Pfalz muss ein Abbrecher Gebühren zahlen, die dann, wenn derjenige durchfällt, nicht anfallen.

Die Zahlen in Rheinland-Pfalz sind, wenn auch auf anderer Grundlage, dennoch völlig ähnlich. 440 Polizisten wurden eingestellt, von denen 60 das Studium nicht geschafft haben. Dabei wollte die Landesregierung mindestens 400 neue Polizisten am Ende des Studiums in den Polizeidienst entlassen. Wer rechnen kann wird erkennen, dass das unmöglich ist.

Die Probleme hier: Sehr ähnlich zu denen in Baden-Württemberg. Fehlendes Ausbildungspersonal, zu wenig Wohnkapazitäten am Campus, unattraktive Bezahlung. Um die hohe Durchfallquote auszugleichen, soll gegen gesteuert werden und zukünftig anstatt 440 sollen 560 Anwärter eingestellt werden. Woher das Ausbildungsperson kommen soll und wo die Anwärter untergebracht werden sollen, das wurde nicht verraten. Ebenso, wie eine Anpassung des Gehalts den Polizeiberuf attraktiver machen könnte.