Schusswaffengebrauch in der Schweiz auf Tiefststand, dafür mehr Taser-Einsätze

6. April 2018 at 12:31

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Bild: Junglecat via Wikipedia

Der Schusswaffeneinsatz ist immer das allerletzte Mittel, um eine Sitation zu bereinigen, die für die eingesetzten Polizisten oder Dritte eine akute Lebensgefahr darstellen. Doch ein solcher Schusswaffengebrauch hat auch schwerwiegende Folgen. Dies beginnt mit schweren Verletzungen bis hin zum Tod des Angreifers und reicht bis zu traumatischen Zuständen bei den Schützen, die unter Umständen therapeutisch behandelt werden müssen.

Alles in allem also eine Situation, die man sich als Polizist in keinem Fall wünscht. Gut ist es, wenn den Polizisten alternative Einsatzmittel zur Verfügung stehen, die so effektiv sind, dass der Griff zur Waffe nicht notwendig wird. Der Taser kann hier ein probates Mittel sein und dies zeigt sich nun auch anhand aktueller Zahlen aus der Schweiz.

Dort fand kürzlich die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) statt und hier wurde festgestellt, dass der Schusswaffengebrauch bei den Schweizerischen Polizeikorps auf einem Tiefststand angekommen ist. Nachdem in den Jahren 2015 und 2016 jeweils in 15 Fällen von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden musste, sank der Einsatz der Dienstwaffe in 2017 auf nur noch sieben Fälle.

Stefan Blättler, KKPKS-Präsident, sieht dieser Entwicklung positiv entgegen, denn: “Ist ein Schusswaffeneinsatz nötig, gibt es am Ende meist nur Verlierer. Denn sowohl der Einsatz gegen Menschen als auch das resultierende Strafverfahren sind eine grosse Belastung.”

Gestiegen hingegen ist der Einsatz der sogenannten Elektroimpulsdistanzgeräte, kurz Taser, die mittels gezielter Stromstöße einen Angreifer für mehrere Sekunden kampfunfähig machen und damit den Zugriff für die Polizeikräfte erlauben.

Nachdem 2015 und 2016 der Taser jeweils 29 mal eingesetzt wurde, war dies in 2017 40 Mal der Fall. Von diesen 40 Einsatzfällen wurde das polizeiliche Gegenüber jedoch nur 13 Mal tatsächlich den Stromstößen ausgesetzt.

Ob sinkender Schusswaffeneinsatz kausal mit dem steigenden Tasereinsatz zusammen hängt, kommentierte Stefan Blättler wie folgt:

“Vielfach können Polizistinnen und Polizisten dank umfassenden Schulungen im Umgang mit Konfliktsituationen deeskalierend wirken. Da ihnen zudem zahlreiche mildere Einsatzmittel zur Verfügung stehen, müssen sie weniger auf die Schusswaffe zurückgreifen. In der Mehrheit der Fälle, reichte es aus, den Einsatz der Elektroimpulspistole anzudrohen, um die Lage zu stabilisieren.”

Diese Entwicklung kann man als Polizist nur begrüßen. Schade, dass jede Polizei ihre eigenen Erfahrungen mit dem Taser machen möchte und nicht auf die Erfahrungen ihrer Kollegen zurück greifen – meist mit ungewissem Ausgang der jeweiligen Testphase.

Vielleicht dienen diese Erfahrungen der gesamten Schweizerischen Kollegenschaft anderen Polizeien und werden in ihren Entscheidungen berücksichtigt.