25. Juli 2007, gegen 22:30 Uhr: Mir bleibt nur immer wieder ein mit Tränen versehenes Danke zu sagen

19. Mai 2018 um 20:28 Uhr

25. Juli 2007, gegen 22:30 Uhr: Mir bleibt nur immer wieder ein mit Tränen versehenes Danke zu sagenZum Gedenktag haben wir die folgende Zusendung erhalten. Auch wenn der Autor keine Details nennt, möchten wir doch darauf hinweisen, dass die Schilderung dieses Vorfalles nichts für schwache Nerven ist!

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“25. Juli 2007, gegen 22:30 Uhr.

Ich ging nach meinen Dienst noch mit meinem Hund Jerry Gassi. Meine Frau begleitete mich. Wie sonst auch immer gingen wir angrenzenden Weg, der direkt neben der Bahnstrecke entlang läuft. Es war eine klare Vollmondnacht.

Mein Hund blieb stehen und schaute in Richtung Bahngleis. Als ich auch schaute, erkannte ich eine Person auf den Gleisen stehen. Sie versuchte sich ein wenig hinter dem Gebüsch zu verstecken. Wir gingen ein wenig weiter, bevor ich den Notruf wählte. Kurz erklärte ich den Sacherhalt und es wurde eine Streife geschickt.

Es ist mir bis heute nicht möglich zu sagen, wie viel Zeit vergangen ist bis die ZEGler bei uns eintrafen. Einer der beiden Beamten sprach mit uns…. fast schon, als würde man sich kennen. Wir lachten noch über unseren Hund. Auch erzählte er, dass seiner heute operiert wurde. Nun setzten meine Frau und ich unseren Weg fort.

Daheim angekommen, blickte ich nochmal in Richtung Bahndamm. Die beiden Polizisten standen auf den Gleisen und leuchteten mit ihren Taschenlampen das angrenzende Weizenfeld ab. Im gleichen Moment fuhr ein ICE heran….. sehr langsam. Und wie aus dem nichts kam eine S-Bahn…… das Warnsignal ertönte……. man konnte einen Aufprall hören……. eine Taschenlampe flog durch die Luft mitten in das Feld.

Nun herrschte Ruhe.

Ich schrie meiner Frau, dass sie auf den Hund aufpassen soll und rannte in Richtung Taschenlampe los. Nebenher rief ich die 110. Ich erklärte was passiert war…… noch während des Telefonierens konnte ich das Funkgerät erkennen. Ich rannte weiter.

Als ich bei der Taschenlampe angekommen war, konnte ich noch immer niemanden erkennen. Ich ging weiter in Richtung Bahndamm. Dort war alles mit Büschen und Brennnesseln zugewuchert. Ich riss etwas von dem Gestrüpp weg und erkannte ein T-Shirt. Es war der Beamte mit dem wir uns nur Minuten vorher so nett unterhalten hatten.

Wie im Wahn entfernte ich das Gestrüpp und begann mit der Erstversorgung. Nochmals rief ich die 110 und suchte nach der zweiten Person. Nur wenige Meter entfernt entdeckte ich nun auch ihn. Auch dort leistete ich Erste Hilfe.

Nach gefühlten 30 Minuten trafen die ersten Polizeibeamten bei mir ein. Nun ging es schlag auf schlag. Immer mehr Rettungskräfte waren vor Ort. Ich zog mich unbemerkt zurück.

Einer der beiden Beamten verstarb noch an der Unfallstelle, der Zweite wurde schwerst verletzt. Er verrichtet heute wieder seinen Dienst.

Der Beamte am Telefon redete, nein, er begleitete mich, bis das von ihm im Hintergrund informierte Kriseninterventionsteam (KIT) bei mir eintraf.

Ich machte mir vor diesem Unglück niemals darüber Gedanken, dass die Polizei für uns selbst ihr Leben gibt. Mir bleibt nur immer wieder ein mit Tränen versehenes Danke zu sagen.”

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Der Autor ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben. Er verriet uns auch, dass er nach diesem schrecklichen Unglück von der Polizeiseelsorge betreut wurde und danach eine Therapie absolvierte. Das angehängte Bild zeigt die Gedenkstelle, die der Autor persönlich an der Unglücksstelle errichtet hat und auch weiterhin pflegt.