“Fahrrad mit Hilfsmotor” frei interpretiert: Daniel Düsentrieb konnte trotzdem gefasst werden

23. Mai 2018 um 12:15 Uhr

"Fahrrad mit Hilfsmotor" frei interpretiert: Daniel Düsentrieb konnte trotzdem gefasst werden

Bild: Polizei Dortmund

Viele kennen sicher noch das Mofa, welches sie vielleicht selbst einmal ihr Eigen nannten. Mofa heißt eigentlich “Fahrrad mit Hilfsmotor“, auch wenn an den Mofas mehr Hilfsmotor als Fahrrad zu erkennen ist. Ein junger Bastler sah diese Bezeichnung wohl als Herausforderung an und unsere Kollegen meinten dazu: Challenge accepted.

Am Montagabend trauten die Kollegen der Polizei Dortmund (Nordrhein-Westfalen) ihren Augen nicht, als ein “Fahrrad” mit der Geräuschentwicklung eines Phantomabfangjägers und der Geschwindigkeit eines Düsenschlittens (analog Modell 74 Z “Starwars”) an ihrem Streifenwagen “vorbeiflog”.

Da der junge sehr kreative Bastler eine rote Ampel überfuhr war ihm die volle Aufmerksamkeit der Polizisten garantiert. Die Kollegen nahmen daraufhin die Verfolgung auf. An der Bergpassage der Stockumerstraße zeigte der Tacho des Streifenwagens satte 80 km/h an, womit der junge Mann auch noch zu schnell unterwegs war.

Bergauf schaffte es Daniel Düsenantrieb mit seinem besonderen Vehikel auf immerhin noch 50 km/h, ohne jedoch in die Pedale zu treten und dies noch ohne Helm. An einer Kreuzung konnte er dann von den Polizisten gestoppt werden.

Sein Düsenantrieb stellte sich dann als Zweitaktmotor heraus, den er an seinem Gefährt angebracht hatte. Was sich aber dann noch als lebensgefährlich herausgestellt hat, die Reifen hatten nahezu kein Profil mehr. Zudem konnte mit gezogener Vorderrad- und Hinterradbremse das “Fahrrad mit Hilfsmotor” mühelos geschoben werden. Die Bremsen hatten keinerlei Bremswirkung.

Daniel Düsenantrieb, ein 19-Jähriger aus Witten, gab an, er habe sich über das Internet ein “Tuning-Paket” bestellt. Dieses beinhaltete den 80-Kubik-Motor, Kupplung, Auspuff, Ritzel und eine Kette. Getunt hatte er sein Vehikel selbst. Von einem 19-jährigen Kumpel lieh er ein Versicherungskennzeichen um dem ganzen einen offiziellen Charakter zu verleihen. Jedoch besaß der junge Mann noch keinen Führerschein.

Dass das alles so nicht zulässig sei, habe er sich schon gedacht, so der Konstrukteur. Trotzdem wollte er den Düsenschlitten in den kommenden Tagen dem TÜV vorstellen. Daraus wird wahrscheinlich nichts, denn die Erfindung wurde sichergestellt.

Gegen den 19-Jährigen wird auf Grund des Verdachts des Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz, Kennzeichenmissbrauch und Kraftfahrzeugsteuergesetz ermittelt. Der Polizeibericht schließt mit der Feststellung:

“Demnach wird jetzt noch für einige Zeit bergan beim echten Tritt in die Pedale geschwitzt.”

Gut das die Kollegen den jungen Mann und sein abenteuerliches Gefährt aus dem Verkehr gezogen haben. Mit Null Bremswirkung und abgefahrenen Reifen ein Gefälle mit 80 km/h runter zu donnern ist schon lebensgefährlich. Nicht nur für ihn sondern auch für die anderen Verkehrsteilnehmer.