Katholische Polizeiseelsorge berät über neue Entwicklung: Wie kann man Polizisten helfen, die einen Menschen töten mussten?

27. Mai 2018 um 11:25 Uhr

Katholische Polizeiseelsorge berät über neue Entwicklung: Wie kann man Polizisten helfen, die einen Menschen töten mussten?Polizisten sind grundsätzlich zum Schutz der Menschen da, dazu gehört auch das Leben selbst zu schützen. Hin und wieder kommt es aber vor, dass die Beamten zur Dienstwaffe greifen müssen, um ihr eigenes Leben oder das von anderen zu schützen. Doch das ist zum Glück die Ausnahme. So wurden laut Deutscher Hochschule der Polizei in Münster 2016 deutschlandweit elf Menschen im Einsatz erschossen.

Doch die Zeiten haben sich geändert und es gibt weitere Bedrohungen, auf die Polizisten notfalls mit der Waffe reagieren müssen. Dazu gehören zum Beispiel Amoklagen oder ganz allgemein lebensbedrohliche Einsatzlagen und auch die Terrorgefahr. Hier werden Polizisten in ganz Deutschland daran ausgebildet, gezielt einen Menschen mit der Waffe nieder zu strecken – notfalls auch zu töten.

Das ist nicht nur für die älteren Polizisten eine neue Situation, denn sie verstehen sich noch als Freund und Helfer. Auch die Polizeiseelsorge muss sich auf einen solchen Fall vorbereiten, wie sie einem Beamten adäquat helfen können, der sich in einer solchen Lage befand, einen anderen Menschen töten zu müssen.

Hierzu fand vergangene Woche eine Tagung in Mainz (Rheinland-Pfalz) statt, zu der katholische Polizeiseelsorger aus ganz Deutschland zusammen kamen und darüber berieten. Markus Reuter, Polizeiseelsorger im Bistum Mainz und Teilnehmer der Tagung, erklärt: “Die (dienstälteren Polizisten, Anm. von uns) haben, vereinfacht gesagt, noch das Bild des Schutzmannes, des Freund und Helfers vor Augen. Und jetzt geht es um ein aktives, fast militärisches Vorgehen zum Beispiel in einem Terrorfall.”

Reuter hat bereits mit Polizisten darüber gesprochen und auch ein Antiterrortraining besucht, um einen Eindruck davon zu bekommen und berichtet: “Wenn ein Beamter kommt und sagt: Ich musste da jetzt einen Attentäter erschießen, wie gehe ich jetzt damit um? Dann macht das auch uns Seelsorger erst einmal sprachlos. Wir versuchen im Moment, Antworten dafür zu entwickeln.”

Dass man die Polizisten damit nicht alleine lassen darf, ihnen mit Empathie begegnet und im akuten Fall beiseite steht, das ist für die Polizeiseelsorger unfraglich. “Ich denke, in einem solchen Fall würde es erst einmal darum gehen, einen Kollegen oder eine Kollegin zu beruhigen, wieder handlungsfähig zu machen”, steht für Reuter fest.

Doch das betrifft nicht nur Antiterrorlagen, der Bedarf an Polizeiseelsorgern ist laut Reuter gestiegen. Auch wenn er seine Behauptung nicht mit Zahlen belegen kann, hat er doch das Empfinden, dass angesichts abnehmenden Respekts gegenüber Polizisten, zunehmender Gewaltanwendung und Überstunden der Bedarf nach seelischem Beistand angestiegen sei. “Das sind die Standardsachen, und die haben zum Teil schon massive Auswirkungen bis ins Privatleben hinein”, so Theologe Reuter.

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf nahm an der Tagung teil. Ihm war es ein persönliches Bedürfnis sich bei allen Polizisten für ihren Schutz zu bedanken. Während der Beisetzung seines Vorgängers Kardinal Lehmann und seiner eigenen Bischofsweihe wurden diese Veranstaltungen von Polizisten geschützt, so dass er hier einen persönlichen Bezug zur Sache herstellen konnte.

Bischof Kohlgraf betonte, dass die Kirche an der Seite derer stehen möchte, die “dafür arbeiten, dass wir sicher leben können, und die dabei mehr leisten als einen Job. Dafür darf ich heute einmal von Herzen Danke sagen”.