“Was lange währt, wird endlich gut”: Entwendete Dienstmütze kehrt nach 37 Jahren nach Hause zurück

17. Mai 2018 um 15:05 Uhr

"Was lange währt, wird endlich gut": Entwendete Dienstmütze kehrt nach 37 Jahren nach Hause zurück

Bild: Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg

Das schlechte Gewissen ist ein eher flüchtiger Geisteszustand, der mal vorhanden ist und mal nicht. In einem Akt tätiger Reue, wie es so schön im Beamtendeutsch heißt, verschaffte seinem Gewissen ein Mann kürzlich Luft, als er eine Polizeidienstmütze, die er vor 37 Jahre gestohlen hatte, wieder an die Heimatdienststelle in Niedersachsen zurück gab.

Die Geschichte liest sich recht abenteuerlich, aber am Ende ist ja alles gut gegangen. Eine gewisser “Jeff” war Anfang der 1980er Jahre in Niedersachsen als britischer Soldat eingesetzt. In der Freizeit war er, wie es heißt, für jeden Spaß zu haben und so nutzte er die Gelegenheit während eines Polizeieinsatzes in einer Nienburger Bar die Dienstmütze eines eingesetzten Polizisten an sich zu nehmen, quasi als Souvenir.

Als “Jeff” mit seiner Dienstzeit in Deutschland fertig war und nach Großbritannien zurück kehrte, nahm er freilich die Dienstmütze mit, wo sie ihm jahrelang beim Karneval und beim Rugby als Fan-Kopfbedeckung diente, oder einfach auf der Hutablage in seinem englischen Auto ihr Dasein fristete.

Doch “Jeff” plagte nach Jahren das schlechte Gewissen und er hatte einen Plan. Auf seiner Bucket List, also jener Liste an Dingen, die man getan haben sollte, bevor man nicht mehr dazu kommt, stand auch der Punkt, die Dienstmütze wieder zurück in die Heimat zu geben.

Am Rande eines Rugby-Spiels im “Twickenham-Stadium” in London traf er sich mit Graham Morley, der als Army-Veteran in good old Germany verblieben war und freundschaftlichen Kontakt zur örtlichen Polizei pflegt. Bei dieser Gelegenheit übergab “Jeff” die Dienstmütze an Morley, der diesem zusichern musste, die Mütze an die Polizei Nienburg zurück zu geben und dies auch mit einem Foto zu belegen. Er wollte also auf Nummer Sicher gehen, nach all den Jahren der Gewissensplage.

Morley tat, wie ihm geheißen, und brachte die Polizeimütze zurück nach Nienburg, wo er sie feierlich vergangene Woche an Polizeihauptkommissar Balint übergab und dies mittels Foto festhielt. Da es sich hierbei noch um eine alte grüne Dienstmütze handelte, taugt sie zum täglichen Dienst natürlich nicht mehr.

So hält der Polizeibericht über diesen nach Jahrzehnten geklärten “Kriminalfall” abschließend fest:

“Aufgrund des musealen Zustandes der Mütze und ihres Alters musste diese jedoch umgehend in den sofortigen Ruhestand versetzt werden. “

Eine schöne Geschichte, die zeigt, dass man auch nach Jahren noch eine Sünde bereuen und Wiedergutmachung leisten kann. Im Gegensatz zu manchen Kapitaldelikten ist der Diebstahl natürlich schon lange verjährt, so dass “Jeff” keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten hat. Das erleichterte Gewissen dürfte ihm nun ein gutes Gefühl verschaffen.

Bild: Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg