Damals wie heute: “Linke Politiker und Medien machten Täter zum Opfer”

26. Juni 2018 um 21:50 Uhr

Morgen jährt sich zum 25. Mal der Antiterroreinsatz gegen die dritte Generation der Rote Armee Fraktion (RAF) im mecklenburgischen Bad Kleinen. Jene Terrortruppe, die dutzende Menschen zur Geisel genommen oder umgebracht hat, um dem eigenen Weltbild Vergeltung zu verschaffen, eine Ideologie mit Waffengewalt durchzusetzen.

Und damals wie heute sind und waren es linke Politiker, Medien und linke Szene insgesamt, die Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern machten. Die Polizisten zu gewissenlosen Mitgliedern eines “Schweinesystems” machten und machen und Terroristen zu Opfern dieses Systems. Das Gerücht, der RAF-Terrorist Wolfgang Grams sei von einem Polizisten hingerichtet worden, hält sich in diesen Kreisen bis heute.

Doch es war alles anders, wie von der linken Szene dargestellt. Und was noch schlimmer ist: Die Familie des ermordeten Polizisten musste schwer darunter leiden.

Es war der 27. Juni 1993, als man einen entscheidenden Schlag gegen die RAF erwirken wollte. Die Terroristen Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams, beide Teil der Kommandoebene der dritten Generation der RAF, sollten durch den V-Mann Klaus in Bad Kleinen überführt und durch Spezialkräfte festgenommen werden.

Gegen 15:15 Uhr begann der Großeinsatz am Bahnhof von Bad Kleinen, als die drei anwesenden, der V-Mann und die beiden Terroristen, aufbrechen wollten. Bereits seit 48 Stunden waren am Bahnhof 54 Einsatzkräfte vor Ort, elf Polizisten der Grenzschutzgruppe 9 (GSG9) des damaligen Bundesgrenzschutzes und des Bundeskriminalamtes (BKA) waren zur Festnahme eingeteilt.

Als die Polizisten “Halt Polizei!” rufen, können V-Mann Klaus und Hogefeld widerstandslos festgenommen werden. Grams tritt die Flucht an und fängt sofort auf seine Verfolger mit seiner Pistole Brenner 75 Standard 9 Millimeter Parabellum an zu schießen. Er erschießt den 25-jährigen GSG9-Beamten Michael Newrzella und verletzt einen Kollegen schwer.

Sofort nach diesem Einsatzdrama macht das Gerücht die Runde, Grams sei von Polizisten als Rache für ihren erschossenen Kollegen hingerichtet worden. Insbesondere soll das Gerücht von Sympathisanten der Baader-Meinhof-Bande in Politik und Medien dieses Gerücht gestreut worden sein und hält sich teils hartnäckig bis heute.

Grams erlitt, das zeigte später die minutiöse Darstellung der Geschehnisse von Bad Kleinen durch Staatsanwaltschaft und Polizei, vier Schusstreffer, darunter zwei Steckschüsse im Bauch, einen Streifschuss am Bauch und einen Schuss in die rechte Schläfe, so das Gutachten der Gerichtsmedizin in Lübeck.

Der Kopfschuss war letzten Endes tödlich und dieser wurde den eingesetzten Polizisten angedichtet. Einer von ihnen soll seine Dienstwaffe an Grams Kopf gehalten und abgedrückt haben, aus Rache für den erschossenen GSG9-Kollegen Newrzella. Doch der Kopfschuss stammte nachweislich aus der Waffe von Grams. Wie seine Ideologiegenossen in den 1970er Jahren in Stuttgart Stammheim wählte er in auswegloser Situation den Freitod – und die linke Szene dichtete alles den Vertretern des von ihnen verhassten Staates, den Polizisten, an.

Zwar konnte das falsche Gerücht widerlegt werden, doch hält sich das Gerücht in diesen Kreisen bis heute hartnäckig und viele Medien, von den öffentlich rechtlichen Sendern bis hin zu Zeitungen wie “Der Spiegel” oder “Zeit” berichteten über dieses angebliche “Staatsversagen”.

Josef Nyary, Autor für diesen Artikel im Hamburger Abendblatt, kommt daher zu folgendem Schluss: “Der angebliche Polizei- ist in Wirklichkeit ein Medienskandal” und “Linke Politiker und Medien machten Täter zum Opfer.”

Und die Folgen dieses Skandals sind folgende: Eine Familie muss ihren Ehemann und Sohn zu Grabe tragen und die anschließende Schlammschlacht der Medien, die fortan das falsche Gerücht streuen, ertragen. Bundesinnenminister Rudolf Seiters tritt zurück, Generalbundesanwalt Alexander von Stahl wird entlassen. Und “Anwälte, Schriftsteller, Filmemacher und Punkrocker halten den Mythos am Leben, wärmen die alten Lügen immer wieder auf.”

Und weil sich dieses Gerücht zunächst hält und überall darüber berichtet wird, ist die Situation für Susanne, die Ehefrau des ermordeten Polizisten Newrzella, und dessen Eltern unerträglich. “Ihr habt die Drecksau zwar begraben, aber wir buddeln sie wieder aus und schmeißen sie auf den Müll!”, heißt es von einem RAF-Sympathisanten im Hinblick auf das Begräbnis des ermordeten Polizisten.

Die bösen Blicke verfolgen die Familie des getöteten GSG9-Beamten bis nach Hause. Eine Friseurin sagte zur Mutter: “Sie können ja nichts für Ihren Sohn”. Was muss das mit den Angehörigen angestellt haben?!

Der Vater geht in den vorzeitigen Ruhestand. Die Familie zieht sich zurück. Noch Jahre später sagt die Mutter: “Wir haben nur noch wenige Kontakte. Wir stören hier die Ruhe.” Und besonders hart hat sie getroffen, dass ihr Sohn, der Polizist, mit seinem Mörder gleichgesetzt wurde, als ob beide Opfer des gleichen System seien.

Zu damals hat sich bis heute nichts geändert. Linke Politiker und Vertreter der linksextremen Szene sind sehr bemüht, Polizisten zu drangsalieren, zu verfolgen und für etwas verantwortlich zu machen, was sie nicht zu verantworten haben.

Wer die Berichterstattung zum Beispiel einer bestimmen Tageszeitung, die der linken Szene nahe steht, zum G20-Einsatz in Hamburg verfolgt, die Anfragen und Äußerungen linker Politiker der Hamburger Bürgerschaft liest, dem wird auffallen, dass das Vorgehen dasselbe ist wie damals bei der RAF.

Die Druckerschwärze scheint nicht ausgehen zu wollen, wenn es hinsichtlich des G20-Einsatzes darum geht, Polizisten der Polizeigewalt zu bezichtigen und der Justiz Versagen vorzuwerfen, weil noch kein Polizist wegen der aus linken Kreisen vorgeworfenen Taten verantwortlich gemacht wurde. Umgekehrt ist die Berichterstattung hinsichtlich der Taten der Autonomen und Linksextremisten entweder gar nicht vorhanden, oder wortkarg.

Es hat sich also nichts geändert und wir Polizisten sind weiterhin ACAT (All Cops Are Targets, Alle Polizisten sind Ziele). Um ein krudes Weltbild zu verteidigen, eine verquere Ideologie, die einer sachlichen Argumentation nicht zugänglich ist, aufrecht zu erhalten.

Geschichte wiederholt sich, weil man die Agierenden lässt: Wie zu RAF-Zeiten ist die linke Gewalt erstarkt. Wir erinnern hier an die Worte von Hans-Georg Maaßen, dem Präsidenten des Bundesverfasschungsschutzamtes, der erst vor wenigen Tagen konstatierte:

“Das derzeitige Niveau der Gewalt und Aggression von Linksextremisten sowohl gegen Polizeibeamte als auch gegen zivile Personen und Einrichtungen ist besorgniserregend.”