Leserbrief von Andreas an die verletzte Kollegin von Flensburg: Diese Erfahrung mit 22 Jahren ist hart

2. Juni 2018 um 21:26 Uhr

Leserbrief von Andreas an die verletzte Kollegin von Flensburg: Diese Erfahrung mit 22 Jahren ist hartDie blaue Familie steht hinter Dir!

“Liebe Kollegin von Flensburg,

was Du gerade durchlebst kann ich mir wahrlich vorstellen, denn auch ich musste schon auf Menschen schießen… Leider.

Du wurdest von einem bewaffneten Mann angegriffen, ein Fahrgast kam Dir zu Hilfe… Beide wurdet Ihr verletzt bei der Attacke. Dir blieb keine andere Wahl, als die Waffe einzusetzen.

Aber ich weiß was es bedeutet, einen Menschen getötet zu haben. Viele werden jetzt sagen, dass Du durch den Gebrauch der Schusswaffe Menschenleben gerettet hast… Natürlich hast Du das, auch Dein eigenes Leben. Aber es ist auch ein Mensch durch Deine Hand gestorben. Auch wenn dieser ein Krimineller war, er war ein Mensch.

Und genau diese Tatsache macht uns nach dem Schusswaffengebrauch zu schaffen. Wir überlegen, ob wir keine andere Möglichkeit hatten. Wir schlafen schlecht, wir müssen damit klar kommen, dass wir auf einen Menschen geschossen haben.

Dass Du diese Erfahrung mit 22 Jahren, also im Grunde erst kurz nach der Ausbildung, machen musstest , ist sehr hart. Du hast den Worst Case in unserem Dienst sehr früh erleben müssen.

Ich hoffe, Du zerbrichst daran nicht. Ich wünsche Dir Menschen, die an Deiner Seite stehen, die Dir helfen diesen Einsatz zu verarbeiten. Hol Dir bitte auch professionelle Hilfe, sonst gehst du kaputt daran.

Wir, die blaue Familie, stehen bedingungslos hinter Dir. Wann immer du Hilfe brauchst, wir, Deine Familie, sind für Dich da.

Ich wünsche Dir gute Besserung und dass Deine Verletzungen physisch wie psychisch bald verheilen mögen.

Ich bin in Gedanken bei Dir und sende Dir meine ganze Kraft. Andreas”

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Der Autor ist uns persönlich bekannt. Der Leserbrief nimmt Bezug auf dieses Ereignis.