Polizeiakademie Berlin: Fehlende Lehrer, miese Unterbringung, untaugliches Einstellungsverfahren, Führung kritikunfähig

28. Juni 2018 um 20:05 Uhr

Polizeiakademie Berlin: Fehlende Lehrer, miese Unterbringung, untaugliches Einstellungsverfahren, Führung kritikunfähigIm vergangenen Jahr war die Polizeiakademie Berlin in die Schlagzeilen geraten, weil den Polizeischülern fehlende Deutschkenntnisse nachgesagt wurden und es an Respekt und Disziplin fehlen würde. Wir hatten darüber berichtet. Die Senatsinnenverwaltung hatte daraufhin einen Sonderermittler eingesetzt, der den Ist-Zustand der Akademie untersuchen sollte.

Josef Strobl, vormals leitender Polizist in Bayern, war dieser Sonderermittler und was er heraus fand, kommt einer Bankrotterklärung der Polizeiausbildung in Berlin sehr nahe. Er stellte seinen Bericht Anfang dieser Woche dem Berliner Senat vor und es gibt auch schon erste Konsequenzen.

So fehlten laut Strobls Bericht mindestens 30 Lehrer an der Akademie und wenn man die dauerkranken Lehrer hinzurechne, fehlten sogar 50 Lehrer. Dies hätte zur Folge, das rund 37 Prozent des Deutschunterrichts ausfalle und da die Deutschkenntnisse der Polizeischüler eher mäßig seien, müsse hier dringend nachgebessert werden.

Die Unterbringung der Polizeischüler sei mangelhaft und reiche im Schnitt nicht an das Niveau anderer Bundesländer heran. Hier wird nun überlegt, ob man den Polizeischülern günstigen Wohnraum verschaffen kann. Auch das Aufstellen von Wohncontainern wird überlegt, wie auch die Unterbringung in den sogenannten “Tempohomes”, in denen zurzeit auf dem Tempelhofer Feld Flüchtlinge untergebracht sind.

Das derzeitige Einstellungsverfahren bezeichnete Strobl als untauglich. Deswegen soll es zukünftig möglich sein, sich ganzjährig bei der Polizei Berlin bewerben zu können und nicht mehr nur in zwei Zeitfenstern. Zudem sei im Auswahlverfahren auch ein intensives Auswahlgespräch notwendig, welches bei der Einstellung als Kriterium mit berücksichtigt werden solle.

Den Vorwurf, dass die Polizeiakademie angeblich von arabischen Clans unterwandert werde, konnte Strobl nicht bestätigen. Jedoch war ihm aufgefallen, dass sich Schüler wie Lehrer mehr Respekt und Disziplin wünschten.

Hierzu gehöre es allerdings auch, dass die Führung der Akademie Kritik zulasse und Verbesserungsvorschläge annehme. Dies scheint offenbar nicht der Fall zu. Wie Strobl berichtet, hätten 90 Prozent derer, die er interviewte, angegeben, dass Kritik nicht erwünscht sei.

Für frischen Wind soll auch eine neue Leiterin der Polizeiakademie sorgen. Am 2. Juli übernehme Polizeidirektorin Tanja Knapp die Leitung, die zuvor Leiterin des Polizeiabschnittes 53 in Kreuzberg war.

Laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik werde nächste Woche ein neues Polizeiprogramm, genannt “Polizei 3.0”, vorgestellt, in dem es um die zukünftige Personalpolitik gehe. Dabei solle es nicht nur um die zukünftigen Polizeischüler und die Polizeiakademie gehen, sondern auch um die Frage, ob man bereits pensionierte Polizisten nicht als Kontaktbereichsbeamte einsetzen könne.

Man muss der Senatsinnenverwaltung dankbar sein, dass Sonderermittler Strobl die Chance bekam, all diese Dinge aufzudecken und offen anzusprechen. Nur so ist es möglich, die Zustände zu verbessern, die ganz offenbar dringend verbesserungswürdig sind. Jetzt kommt es nur darauf an, welche Konsequenzen gezogen werden, damit Auswahlverfahren und Polizeiausbildung wieder ein Niveau erreichen, das gut für die angehenden Polizisten und die Bürger ist, auf die die fertig ausgebildeten Beamten dann treffen werden.