So kann man Berlin auch kennen lernen! Muss es aber nicht!

12. Juni 2018 um 21:31 Uhr

So kann man Berlin auch kennen lernen! Muss es aber nicht!

“So kann man Berlin auch kennen lernen! Muss es aber nicht!

Es ist Dienstagabend, 19.50 Uhr, und wir haben gerade erst den EWA übernommen, da wartet schon der erste Einsatz auf uns! Der liegt schon eine halbe Stunde auf der Wache und sollte uns noch weitere drei Stunden beschäftigen.

Ein Tourist aus Norwegen hatte sein Auto irgendwo am Waldrand abgestellt, um eine Tour mit Fahrrad und Hund im Wald zu unternehmen. Nun suchte er selbst schon 4 Stunden vergeblich nach dessen Abstellort.

Das Auto hatte schon 16 Jahre auf dem Buckel, war ein Kombi mit Fahrradträger am Heck und also wohl kaum ein Objekt der Begierde für mögliche Langfinger. Umgesetzt wurde es auch nicht. Also musste es eigentlich noch irgendwo stehen. Aber wo?

Die Hinweise, die der Halter uns geben konnte, waren – nennen wir es mal – weniger als hilfreich.

Ok! Was hatten wir hier? Ein Tourist aus dem Ausland, der nur englisch konnte, mit Hund und Fahrrad am Waldrand stand, dessen Handy nur noch 2 % Akkuleistung aufwies und dessen Dokumente und Geld im gesuchten Auto lagen, welches ihm und dem Hund auch noch als Quartier diente.
Was sollten wir nun tun?

Der Wald, um den es ging, der Tegeler Forst, füllt halb Reinickendorf! Die Erfolgsaussichten waren, sagen wir mal, als äußerst gering einzuschätzen. Aber man konnte doch den Touristen nicht einfach am/im Wald stehen lassen, ohne Auto (und Quartier), ohne Dokumente und ohne Geld!

Also logisch überlegen und systematisch absuchen! Na denn mal los und immer am Waldrand entlang! Da der Hund nicht mit ins Auto wollte, mussten wir allein auf die Suche gehen. Der Halter musste mit Hund und Rad dort in Hermsdorf warten.

In dieser Situation half ein junges Paar spontan und selbstlos und nahm sich der Beiden an. Eben zwei echte „dufte Berliner“!

Wir fuhren also alle Straßen und Gassen ab, die an diesen großen Forst angrenzten. Schließlich sollten am Abstellort auf der einen Straßenseite der Wald und auf der anderen Seite Häuser sein.

Nach ca. 2 Stunden und vielen Kilometern hatten wir alles abgesucht. Wir fuhren in und durch Straßen, von denen wir beide bis dahin nicht mal wussten, dass es sie überhaupt gibt!

Aber irgendwann mussten wir resümieren, dass das Auto so nicht zu finden war. Also zurück zu dem „duften Berliner Paar“ mit den beiden ausländischen Gästen auf der Terrasse. Weiter nachgefragt, überlegt und Ideen gesucht, gefunden und wieder verworfen!
Mittlerweile war es schon dunkel geworden und das freundliche Paar bot dem Norweger schon einen Schlafplatz für die Nacht an.

Die Wache hatte schon Angst um uns, konnte dann aber beruhigt, und von der Notwendigkeit einer weiteren Suche überzeugt werden.
Wir entschieden uns, noch in einem anderen Bereich zu suchen, während der junge Mann mit ihm eine andere Gegend in Tegel absuchen wollte.

Zunächst also wieder am Waldrand entlang durch Heiligensee und Schulzendorf. Schließlich dann – als letzter Versuch -: „Wir fahren noch nach Konradshöhe, und dann ist Schluss!“

Gesagt, getan! In Konrdashöhe nach links abgebogen und …

„DA STEHT ER DOCH!!!“

Wir glaubten unseren eigenen Augen nicht! Da stand in der Waldkautzstr. auf einem Seitenstreifen, direkt am Waldrand, der gesuchte norwegische Pkw mit Fahrradträger am Heck und den richtigen Kennzeichen!

Also schnell das Handy raus, den jungen Mann angerufen, der mit dem Touristen im Bereich der Bernauer Str. unterwegs war, und diesen zum Standort gelotst!

Der Gast aus Norwegen stieg aus, sah sein Fahrzeug (und Heim auf Zeit) und umarmte uns beide herzlichst mit ein paar Tränen in den Augen!

Nachdem wir ihm noch ein oder zwei Tipps für die Zukunft mit auf den Weg gegeben hatten (Foto vom Standort mit Straßenbenennungsschild machen, oder Straße und Hausnummer aufschreiben) wurde dann noch ein schönes gemeinsames Foto gemacht.

Schließlich hat man so einen Einsatz nun wirklich nicht alle Tage! Und für den Touristen war es ja echt eine sehr wichtige Angelegenheit! Wie wäre er denn schließlich sonst nach Hause gekommen?

Ich glaube, der norwegische Tourist konnte Berlin, seine freundlichen und hilfsbereiten Bewohner und seine Polizisten nicht besser kennen lernen! Auch, wenn dies für ihn über 7 Stunden Bangen und Ungewissheit bedeutet hatten.

Alles hatte ja dann doch ein gutes Ende!
Und das ist gut so!

Gruß von Bünyamin und Detlef”