Gedanken eines Polizisten: Sich zu öffnen ist kein Zeichen von Schwäche

22. Juli 2018 um 20:06 Uhr

Gedanken eines Polizisten: Sich zu öffnen ist kein Zeichen von Schwäche

“Vor einiger Zeit hat ein Kollege und Freund von mir Suizid begangen. Auch heute merke ich noch wie es mich immer wieder beschäftigt.

Er war ein guter Polizist und ein toller Mensch. Er war einer der wirklich Guten, er war immer für alle anderen da und hat sich selbst darüber vergessen. Das war zumindest immer mein Eindruck.

Wir sehen im Dienst oft schreckliche Bilder, die einen kaum los lassen. Er war immer einer, dem man sich öffnen konnte, der immer zugehört hat. Wir haben sehr oft versucht an ihn ran zu kommen. Aber er war eher einer der Kollegen, die kaum geredet haben über das was ihn beschäftigte.

Viele Menschen sehen es als Schwäche an, wenn man sich öffnet. Sie nennen es unter anderem auch Jammern, wenn man gerade Missstände anspricht oder eben auch einmal über seine Gefühle redet.

Jedoch muss man sehen, dass auch wir “nur” Menschen sind und keine Roboter, die Gefühle einfach auf Knopfdruck abstellen können.

Man muss als Polizist immer funktionieren. Im einen Moment hat man es vielleicht mit einem toten Kind zu tun und im nächsten mit einem Verkehrssünder. Den vorherigen Fall sollte man dann schnellstmöglich vergessen, um dann mit dem Sünder über sein Vergehen im Straßenverkehr zu diskutieren.

Wenn einem dann hierbei die Nerven durchgehen und man einen raueren Ton anschlägt, wird das als Arroganz oder einfach als unprofessionelles Verhalten des Polizisten gewertet.

Aber auch wir sind eben nur Menschen, mit denselben Problemen im privaten Leben wie jeder andere auch. Aber es kommen dann noch die Bilder im Dienst dazu. Man muss jedesmal nach dem Dienst versuchen, diese in Schubladen zu packen, damit man sich den Problemen im privaten stellen kann.

Dies schafft nicht immer jeder und wenn er sich anderen nicht anvertraut, frisst es einen irgendwann auf

Viele Menschen sind der Meinung, dass Polizisten dies aushalten müssen, sie wüssten ja was auf sie zukommt. Das mag schon stimmen, aber nur in der Theorie.

Liebe Kollegen, bitte öffnet euch, wenn euch etwas belastet. Dies ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Stärke. Ich denke jeder hat diesen einen Menschen, dem er alles anvertrauen kann, ich hoffe es zumindest.

Passt immer gut auf euch auf und kommt immer heile nach Hause.”

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Der Kollege ist uns persönlich bekannt, er möchte jedoch anonym bleiben.