Polizist privat niedergeschlagen und getreten: Für “potentiell lebensgefährliche Behandlung” bekommt einschlägig Vorbestrafter anderthalb Jahre – auf Bewährung

23. Juli 2018 um 15:36 Uhr

Polizist privat niedergeschlagen und getreten: Für "potentiell lebensgefährliche Behandlung" bekommt einschlägig Vorbestrafter anderthalb Jahre - auf BewährungFür die Tat selbst spielt es gar keine Rolle, dass das Opfer ein Polizist ist. Jedoch wurden durch die Tat die Zukunftspläne des jungen Beamten zerstört und er leidet auch heute noch an den Folgen.

Es war der März 2017, als ein Polizist privat in der Regensburger Altstadt unterwegs war. Er ging zwei Männern völlig zufällig hinterher, als sich einer plötzlich umdrehte und dem Polizisten einen Fausthieb ins Gesicht versetzte. Nun mischte sich auch der Begleiter des Angreifers ein und schlug vier mal mit der Faust auf den mittlerweile schon benommenen Polizisten ein.

Doch das war noch nicht alles. Der Beamte ging zu Boden und selbst hier hörten die beiden Angreifer nicht auf. Sie schlugen und traten in Richtung Kopf und Nacken des am Boden liegenden jungen Mannes ein. “Ich sah nur noch, wie ein brauner Schuh auf mich zukommt. Dann weiß ich nichts mehr” erzählt der 23-jährige Polizist vor dem Amtsgericht Regensburg, wo der Fall nun verhandelt wurde.

Schwer verletzt musste sich der blutüberströmte Beamte in ärztliche Behandlung begeben. Er erlitt Prellungen, einen Cut über der Augenbraue, Abschürfungen und schlimmen Kopf- und Nackenschmerzen. Sechs Wochen war er dienstunfähig. Die körperlichen Wunden heilen, doch die seelischen sitzen tief.

“Ich habe immer noch Panikattacken und muss mich dann zusammenreißen, dass ich nicht durchdrehe”, gestand der Polizist vor Gericht. Dies hat seine Zukunftspläne bei der Polizei zunichte gemacht. Er hatte sich für das Unterstützungskommando (USK) der bayerischen Bereitschaftspolizei beworben und war sogar schon angenommen worden.

Für fünf Jahre hatte er sich beim USK verpflichtet, doch daraus wird nun nichts mehr. Eine zweite Chance gibt es nicht. Der medizinische Sachverständige Prof Dr. Peter Betz sprach vor Gericht von einer “potenziell lebensgefährlichen Behandlung”, die der Angeklagte mit seinem Begleiter dem Polizisten angetan habe.

Als der Angeklagte den Gerichtssaal betrat, polterte er direkt los. Der 37-jährige Ex-Türsteher, der Lokalbesitzer ist, schimpfte, dass “alles erstunken und erlogen” sei. Nach einem Gespräch mit seinem Anwalt ließ er wissen, dass er die Tat gestehe.

Hierbei sei erwähnt, dass er als Tatverdächtiger gefasst werden konnte und bei ihm auch noch Kokain gefunden wurde, was zur Anklage hinzu kam. Sein Begleiter war inzwischen untergetaucht und konnte bislang nicht gefasst werden.

Während der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte bei dem Beamten und bot ihm 500 Euro als Täter-Opfer-Ausgleich an. Er rechtfertigte sich erfolgreich damit, dass er unter einer “polymorphen psychotischen Störung” leide, ständig denke, er werde verfolgt. “Er glaubt, er werde durch Strahlung belastet”, erklärte sein Anwalt.

Der angeklagte Ex-Türsteher hat bereits sieben Vorstrafen, darunter zwei einschlägige, die allerdings ein paar Jahre zurück liegen. Er versprach in Therapie zu gehen und Medikamente zu nehmen. Die Anklagevertretung forderte im Plädoyer ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung, die Verteidigung stellte keinen konkreten Antrag.

Das Urteil

Der Gewalttäter wird zu einer anderthalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die auf Bewährung ausgesetzt wird. Er bekommt einen Bewährungshelfer und muss die Finger von den Drogen weglassen. Regelmäßige Screenings wurden angeordnet. Zudem muss er eine Wiedergutmachung von 3.000 Euro an den Polizisten zahlen.

Laut Gericht habe sich die Erkrankung des Täters, sein Geständnis, die Entschuldigung und die Einwilligung in den Täter-Opfer-Ausgleich strafmildernd ausgewirkt.

Manchmal hat man das Gefühl, dass man sich alles herausnehmen kann, wenn man sich vor Gericht reuig zeigt. Wie die Entschuldigung vor seinem anfänglichen Auftritt zu werten ist, kann sich jeder selbst ausdenken.

So bekommt der Gewalttäter abermals eine neue Chance, nach den vormaligen sieben anderen, und für den Kollegen ergibt sich beim USK keine neue Chance mehr.

Wir wünschen ihm auf diesem Wege alles Gute und dass er irgendwann nicht mehr unter der Tat zu leiden hat!