Angriff mit einer Spritze: Endloses warten…

25. August 2018 um 20:45 Uhr

Angriff mit einer Spritze: Endloses warten...

“Oft werden wir zu Einsätzen gerufen, die alles andere als einfach zu meistern sind. Gerade wenn unser Gegenüber uns nur böses will, nicht für seinen Fehler einstehen will.

Vor einiger Zeit wurden wir zu einer Schlägerei gerufen. Eigentlich schon Routine, aber man darf trotzdem nicht unvorsichtig werden. Hellwach muss man sein…

Wie immer versuchten wir die Kontrahenten zu trennen, doch dieses Mal sollte etwas anders sein als sonst.

Ich griff mir einen der Schläger von hinten und zog ihn weg. Was ich nicht wahrnahm war die Spritze in seiner Hand… Plötzlich richtete sich seine Aggression gegen mich. Er trat und schlug um sich.

Ich wehrte die Angriffe ab.. Und da steckte sie, die Spritze, plötzlich in meinem Arm!

Den Einsatz hatten wir erfolgreich beendet. Der Delinquent, die Spritze und auch ich wurden untersucht. Aber was dann kam, war eine extreme Belastung. Der Schläger hatte Aids und Hepatitis C ….

Also hieß es für mich warten, warten und warten… Im Dienst konnte ich es verdrängen, denn es war immer was los. Aber zuhause, gerade wenn man einfach nur so da liegt und sich eigentlich erholen sollte, kommen die Gedanken… Und so etwas kann man nicht im Dienst lassen, das nimmt man unweigerlich mit nach Hause.

Die Gedanken, die einen fast in den Wahnsinn treiben.

Man weiß nicht was kommt, wie es weitergeht. Man überlegt, was ist, wenn man sich angesteckt hat? Ist es das Aus im Job? Natürlich wäre es das.

Wie reagieren die Kollegen, Familie oder Freunde? Ziehen Sie sich zurück? Stehen Sie an deiner Seite?

Werde ich sehr leiden müssen? Wie verläuft die Krankheit? So viele Fragen im Kopf, die einen nicht ruhen lassen. Aber diese Ruhe benötigt man eigentlich dringend zwischen den Diensten und dann im Dienst…

Man hat zwar Abwechslung und vergisst es im Stress, aber am Ende der Schicht denkt man: “Mein Gott haben die Leute da draußen teilweise dumme Probleme und du musst mit ihnen darüber auch noch diskutieren, dabei ist dein eigenes Problem doch das, was dich innerlich fast zerstört.”

Aber klar, das sehen die anderen nicht. Die sehen nur einen unentspannten Cop vor sich und meckern über ihn auch noch.

Und dann, nach 13 Wochen Warten die erlösende Nachricht: Ich wurde NICHT angesteckt.

Es fallen einem nicht nur Steine von der Seele, nein, es sind wahrlich Felsbrocken.

Leider leben wir täglich mit diesen Gefahren… Angesteckt zu werden, verletzt zu werden oder gar getötet zu werden. Dieser Vorfall lässt mich noch wacher und noch vorsichtiger werden….”

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Der Kollege ist uns persönlich bekannt, zu seinem Schutz bleibt er anonym.