Antwort von Fiona auf “Ich, der Polizist”

12. August 2018 um 21:44 Uhr

Antwort von Fiona auf "Ich, der Polizist"Neulich hatten wir euch die Zeilen eines Kollegen zu lesen gegeben. In Ich der Polizist – Das notwendige Übel zeigte er auf, wie er sich fühlt, wenn sein Gegenüber auf ihn oder seine Maßnahmen reagiert. Fiona hat ein Antwortschreiben aufgesetzt, welches wir euch nicht vorenthalten möchten:

———————-

Lieber Herr Polizist,

ich kenne Sie, ich lasse schließlich kaum eine Gelegenheit aus, daran zu denken, dass Ihre Tätigkeit kaum in Geld aufzuwiegen ist und Sie und Ihre Familie unmittelbaren Gefahren ausgehändigt sind.

Sie passen in keine Schublade. Sie sind nie gleich und nie typisch. Und genauso wenig sind es die Menschen, denen Sie jeden Tag begegnen – nein, Sie wissen nie, wer vor Ihnen steht.

Sollte ich eines Tages Kinder haben, lehre ich Ihnen, dass Sie ein Held sind und die Welt ein bisschen besser machen, weil Sie zu den Guten gehören, indem sie die Bösen hinter Gitter bringen. Ich werde froh sein, sollten Sie andere Jugendliche und mein Kind später im Streifenwagen Nachts nach Hause bringen und mit einer Verwarnung davonkommen lassen, weil es das erste Mal ist.

Ich werde mich aufregen, wenn mir jemand den Weg abschneidet und, wenn ich dafür ertappt werde, jedoch nicht über Sie, sondern über die allgemeine Situation und über mich, denn ich kenne ja schließlich die Verkehrsregeln und muss nunmal mit einem Strafzettel leben.

Wenn Sie mit hoher Geschwindigkeit zu einem Tatort fahren, weiß ich, dass Sie genauso schnell versuchen werden, bei mir zu sein, sollte ich Sie einmal brauchen. Sie müssen täglich mit Gewalt rechnen und umgehen und müssen Sie eigene Gewalt anwenden, dann zu Ihrem Schutz und dem der Bevölkerung.

Ich gönne Ihnen Ihre Mittagspause, Ihre 5 Minuten zum Durchatmen und Hinsetzen, während sie mal wieder einen 12-Stunden Dienst absolvieren und jederzeit mit dem nächsten Einsatz rechnen müssen.

Mir würde nie in den Sinn kommen, Ihnen zu erklären, wie Sie Ihren Job zu machen haben und rechtliche Tipps können Sie bestimmt wunderbar nachlesen, wenn Ihnen danach ist, das muss ich Ihnen nicht sagen. Ich rede mit Ihnen respektvoll, wie mit jedem Menschen und ich weiß, dass Sie das zu schätzen wissen und ebenso respektvoll mit mir reden. Ich schreie nicht, ich weiß, Sie tun Ihr Allermöglichstes, um etwas gegen die Kriminalität zu unternehmen und schreiten ein, wenn ich belästigt werde.

Ich habe eine gute Meinung von Ihnen, denn Sie helfen nicht nur bei Kriminalität, sondern auch beim Reifenwechsel, Entbindungen, medizinischen Notfällen und wenn mein Kind vermisst wird. Sie sind ein Alltagsheld, der freiwillig viel zu viele Überstunden macht, weil Ihr Beruf für Sie Berufung ist.

Ich mag Sie und denke, Sie brauchen dringend Unterstützung und mehr Kollegen.

Lieber Herr Polizist, lassen Sie uns auf Augenhöhe stehen und Ihnen den Respekt und die Anerkennung zollen, die Sie verdienen und viel zu wenig erfahren. Ich schüttel den Kopf, wenn Sie jemand beleidigt und Ihnen vorwirft auch noch ‘ordentlich Geld einzusacken’. Unsere Sicherheit kann nicht in Gehalt gezahlt werden. Ihr Gehalt sichert Ihnen Ihr Eigentum, Ihre Gesundheit und Ihr Leben neben Ihrem Beruf.

Sie sind ein Mensch, mit Familie, Kindern und Freunden, die Sie nach Ihrer anstrengenden Schicht wohlverdient in die Arme nehmen wollen.

Sie sind ein Held in Uniform. Sie verdienen Anerkennung, Wertschätzung und Respekt, bei jeder Begegnung.

Ich, der Steuerzahler – danke Ihnen aus tiefstem Herzen und ziehe meinen Hut vor Ihnen. Jeden Tag.”

——————–

Die Autorin ist uns namentlich bekannt.

Liebe Fiona, vielen Dank für diese lieben Zeilen!