Bei Verfolgungsfahrt Polizist angefahren und schwer verletzt: Täter zu Bewährungsstrafe verurteilt

24. August 2018 um 16:37 Uhr

Bei Verfolgungsfahrt Polizist angefahren und schwer verletzt: Täter zu Bewährungsstrafe verurteiltIm Mai 2017 berichteten wir über einen Vorfall aus Wiesbaden, wo ein Polizist von einem Autofahrer angefahren und schwer verletzt wurde. Der Fall wurde nun vor Gericht verhandelt.

Der Smart war einer Streife der Polizeiautobahnstation (PASt) Wiesbaden nachts gegen 00:50 Uhr aufgefallen und die Polizisten entschlossen sich zu einer Kontrolle des Fahrers. Dieser ignorierte jedoch die Anweisungen und flüchtete.

Im Rahmen der anschließenden Verfolgungsfahrt fuhr der Smart in Wiesbaden in eine Sackgasse, wo er von der ihn verfolgenden Streife kontrolliert werden sollte. Der Fahrer ignorierte wiederum alle Weisungen der Polizisten, gab Gas und fuhr einen Polizisten um, der schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden musste.

Der Fahrer konnten später in seinem Wohnort angetroffen und in Gewahrsam genommen werden. Er war alkoholisiert, so dass sein Führerschein sichergestellt wurde. Dies Sache wurde nun vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Wiesbaden verhandelt.

Die Beweisaufnahme erbrachte, dass der Fahrer nicht nur durch den Konsum von Jägermeister alkoholisiert war, er hatte auch Kokain zu sich genommen. Deswegen wollte er unter allen Umständen eine Kontrolle vermeiden und nahm auf seiner Flucht in Kauf, dass andere zumindest verletzt werden.

Mit maximal 27 km/h soll der 37-jährige Autofahrer den Polizisten angefahren haben, der vergeblich versuchte auszuweichen. Der Beamte wurde auf die Motorhaube aufgeladen und zu Boden geschleudert. Der Polizeioberkommissar erlitt eine Unterarmfraktur und verschiedene Prellungen. Doch die Traumatisierung wog wesentlich schwerer und ließ den Polizisten bis zum Oktober 2017 dienstunfähig sein.

Das Gericht sprach von viel Glück, welches bei diesem Vorfall im Spiel gewesen sei. Glück für den Angeklagten, dass nichts schlimmeres passiert sei, Glück für den angefahren Polizisten, dass er zumindest noch etwas ausweichen konnte. Von diesem Glück sei abhängig gewesen, ob der Beamte verletzt oder getötet wurde.

Staatsanwältin Ulrike Eckert forderte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Sie ging von einem versuchten Tötungsdelikt aus.

Das Urteil

Das Gericht war überzeugt, dass sich der Autofahrer wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, einer Trunkenheitsfahrt und der gefährliche Körperverletzung schuldig gemacht hatte. Einen Tötungsvorsatz konnte man nicht nachweisen.

Die 2. Strafkammer verurteilte den 37-Jährigen am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zu den Bewährungsauflagen gehören regelmäßige Blut- und Urinkontrollen und er muss 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Außerdem hat der nun Verurteilte einer Zahlung von 10.000 Euro Schmerzensgeld an den verletzten Polizisten zugestimmt.

Es sei wohl “ein mildes Urteil, das der Kammer nicht leicht gefallen” sei, gab der vorsitzende Richter Jürgen Bonk zu und befand das eigene Urteil als “gerade noch vertretbar”.


Da stellt sich die Frage, warum das Gericht nicht zu einem Urteil finden konnte, das aus eigener Sichtweise vertretbarer gewesen wäre…

Wir hoffen für den Kollegen, dass er irgendwann das Kopfkino, welches ihn noch immer quält, irgendwann vollständig überwinden kann!