Fehlplanung und Großkonkurrenten: Wenn die Uniformteile knapp werden

9. August 2018 um 15:55 Uhr

Fehlplanung und Großkonkurrenten: Wenn die Uniformteile knapp werdenVor einigen Jahren mussten sich Polizisten keine Sorgen machen, dass sie Uniformteile, die im Einsatz kaputt gehen, ersetzt bekommen. Dies sieht jedoch seit einiger Zeit, und zwar seit der Umstellung auf Blau, anders aus. Dies ist nicht nur in Thüringen, unserem Beispiel, so, sondern in vielen Bundesländern gibt es teils Engpässe und lange Lieferzeiten.

Früher war es kein Problem eine Hose, die kaputt gegangen ist oder einfach zerschlissen war, ersetzt zu bekommen. Man ging einfach zum Bekleidungslager und holte sich die neuen Uniformteile. Und gerade in der heutigen Zeit, wenn es mal wieder einen Nahkampf gab oder ein Tier aus dem Gestrüpp gerettet werden musste, dann kann schnell mal etwas kaputt gehen. Und welcher Chef sieht seine Beamten schon gerne mit zerrissenen Uniformteilen herumlaufen…?

Doch seit 3 Jahren, also ein paar Jahre nach nach der Umstellung auf Blau, sieht das völlig anders aus. Wenn die Kollege ein neues Hemd oder eine neue Hose brauchen, dann besuchen sie den Onlineshop der Beschaffungsstelle. Doch dort heißt es meist “Ausverkauft”.

Da aber die Uniformteile ersetzt werden müssen, kaufen sich viele Kollegen diese auf dem freien Markt für viel Geld auf eigene Kosten. So hat der Chef nichts zu meckern und der Bekleidungsvorschrift wird ebenfalls Genüge getan.

Auch die Beamten der Bereitschaftspolizei stehen vor demselben Problem. Wenn es dann doch mal etwas gibt, dann müssen die Kollegen Monate darauf warten. So müssen die Polizisten auch hier auf privat getätigte Käufe zurückgreifen. So kommt es vor, dass Thüringer Kollegen die Einsatzanzüge den Beamten aus Sachsen abkaufen.

Nun hat auch endlich die Polizeiführung in Thüringen das Problem erkannt und plant einen Befreiungsschlag aus dieser Misere, an der sie selbst die Mitschuld trägt. Vor zehn Jahren wurde eine eigene Kollektion für die Beamten entworfen, die sich an die Uniformen in Hessen und Baden-Württemberg angelehnt hatte. Da klappte auch noch alles mit der Belieferung.

Im Zuge neuer Rationalisierungen wurden dann 2013 die Bestände der Lager drastisch reduziert, so dass jedes Uniformteil nur maximal zweimal für jeden Beamten vorrätig war. Dies ging auch einige Jahre gut, bis Personal bei den größeren Landespolizeien (Baden-Württemberg 23.000 Polizisten, Hessen 15.000 und Bayern 33.000) aufgestockt wurde.

Die Uniformhersteller bekamen plötzlich Großaufträge und so mussten alle anderen (Beispiel Thüringen hat 6.300 Polizisten) hinten anstehen. Aber wie gesagt, dieses Problem mit den Uniformteilen haben viele Bundesländer. Es gibt überall Kollegen, die Monate auf ein neues Hemd, eine neue Hose oder neue Stiefel warten müssen.

Nun soll für Thüringen eine Lösung her und die heißt “Nordverbund der Polizei”. Was verbirgt sich dahinter? Nun, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hatten sich auf ein Grunddesign bei der Uniform geeinigt. Nur kleine Teile weichen ab. Damit sind diese Länder Großauftraggeber und sitzen in der ersten Reihe bei den Herstellern.

Um ihr Problem zu lösen möchte Thüringen nun diesem Nordverbund beitreten, aber erst einmal muss geprüft werden, ob dies möglich ist. Wenn es zu dem Beitritt kommt, heißt dies, dass die bisherigen Uniformen in das dunkelblaue Modell komplett ausgetauscht werden müssen.

Am Montag fand eine “Modenschau” im Uniformlager vor Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) statt. Dort ließ er sich die Kollektion der Uniformen des Nordverbundes zeigen. Was jedoch die Umstellung kosten würde und wie der Wechsel organisiert wird, ist bisher noch unklar.

Der Wechsel von Grün auf Blau kostete 4 Millionen Euro und aus Polizeikreisen heißt es, dass die Umstellung auf den Nordverbund ca. 5 Millionen kosten würde.

Finanziert werden soll dies unter anderem dadurch, dass man den Kollegen das jährliche Bekleidungsgeld von 246 Euro für zwei Jahre einfriert.
Bis es vielleicht zum Wechsel kommt, der dann 2020 erfolgen könnte, müssen die Beamten auf ihre Uniform gut aufpassen, denn Nachschub gibt es weiterhin zu wenig.