Gastbeitrag von Kollege Dominik: Was bedeutet es schon noch “Schutzmann” zu sein? Freund und Helfer.

17. August 2018 um 20:36 Uhr

Gastbeitrag von Kollege Dominik: Was bedeutet es schon noch "Schutzmann" zu sein? Freund und Helfer.

Alles was inzwischen zu zählen scheint ist doch nur, ob man Kommissar ist oder “nur” Meister.
Ob man studiert hat oder nicht.
Wie oft und schnell man befördert wurde… oder eben nicht.
Ob man bei Spezialkräften arbeitet oder einfach “nur” Streife fährt.
Ob man Führungskraft ist und ob man auch ja so viele Leute wie nur irgendwie möglich “unter” sich hat.
Ob man Fallzahlen bringt,… ja und Amen sagt,… nichts hinterfragt,… nie remonstriert…

Was bedeutet es da schon noch… Schutzmann zu sein?
Freund und Helfer.

Was bedeutet es… einfach seine Sache gut zu machen?
Und wer entscheidet überhaupt was gut ist… und was nicht?
Was ist… wenn jemand DEINE Sache nicht gut findet?
Deine Sache nicht versteht? Dich nicht versteht?

Wer weis schon was richtig ist und was nicht?
Wer weiss schon was DIR wichtig ist? Außer DIR?

Niemand.
Nur du. Allein.
Am Ende bist du ohnehin allein.
Niemand steht neben dir, bei dir, unter dir… und auch niemand über dir.
Niemand lobt dich, niemand fördert dich, niemand gönnt dir, niemand dankt dir.
Im Gegenteil. Du wirst beurteilt. Du wirst abgestempelt. Du wirst ausgebremst. Du wirst demotiviert. Du wirst verleumdet. Du wirst zermalmt und zerbrochen.

Doch am Ende der Schicht, am Ende des Tages bist du allein mit dir selbst.
Allein mit deinen Entscheidungen, allein mit deinen Taten.
Allein verantwortlich. Nur du selbst für dich selbst.
Dann siehst du in den Spiegel und bist stolz dir treu zu sein, oder traurig, weil du dich Tag für Tag selbst belügst.

Für manchen resignierten und leidenschaftslosen “Kollegen” bist du vielleicht ein Pedant.
Für manchen basis- und realitätsfernen Chef bist du vielleicht ein Querulant.

Doch was interessiert es dich, was andere über dich denken oder sprechen?
Wer nichts besseres zu tun hat, als ständig nur über andere zu reden, der hat vielleicht einfach nur selbst nicht genug zu sagen oder zu erzählen.

Kümmere dich nicht über andere. Kümmere dich um dich selbst. Geh offen durchs Leben, entdecke, lerne, reflektiere, teile.

Für die Menschen bist du entweder der “Bulle”… oder der “Freund und Helfer”.
Aber was wärst du eigentlich selbst gerne?

Manche von uns machen einfach nur einen “Job”.
Manche sind Bullen.
Manche sind Cops.
Manche sind Schutzmänner.
Freunde und Helfer.

Ich habe manchen jugendlichen und naiven Schulabgänger, gescheiterten Bewerber, oder Auszubildenden erlebt, der mehr “Polizist”, mehr “Schutzmann”, mehr “Freund und Helfer” war, als manche “alt eingesessenen Bullen” es vermutlich jemals sein werden oder überhaupt erst sein wollen.

Vielleicht werden manche in ihren letzten Atemzügen darüber nachdenken…

“Warum bin ich eigentlich Polizist geworden”…
“Warum war ich mir nicht selbst treu”…
“Warum habe ich nur…”
“Warum habe ich nicht…”

Und viele werden vielleicht auch garnicht darüber nachdenken…

Was bedeutet es da schon noch… Schutzmann zu sein?
Freund und Helfer.

Heutzutage wollen viel zu viele doch nur irgendeinen Titel, wollen irgendeine Position, irgendein Gefühl, irgendeine Macht, um irgendjemandem irgendetwas zu sagen zu haben…

Wer will schon wirklich etwas sein?
Wer will schon wirklich etwas bewegen?
Wer weis überhaupt noch was er bei seiner Vereidigung geschworen hat?
Wer kennt überhaupt das Leitbild seiner Polizei.

~ Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt.
~ Recht und Gesetz bestimmen unser Handeln.
~ Nur Gemeinsam erreichen wir unsere Ziele.
~ Bürgernähe führt uns zum Erfolg.
~ Unser Dienst erfordert den ganzen Menschen.
~ Die Zukunft mitgestalten – Unser Weg.

Das Meiste… im Dienstalltag… leere Phrasen… bedeutungslose Tinte auf altem vergilbtem Papier, einer gelb-grünen Broschüre, nach der Polizeireform noch nicht einmal in blau neu aufgeflegt… zur Einstellung an alle Beamten verteilt, irgendwo im Schrank, vergammelt, wenn nicht längst verloren oder entsorgt.

Was bedeutet es da schon noch… Schutzmann zu sein?
Freund und Helfer.

Nachdenklich, euer Dominik