Gedanken eines Mitarbeiters im Vollzugsdienst

3. August 2018 um 19:13 Uhr

Gedanken eines Mitarbeiters im Vollzugsdienst

Angestellte im Polizeidienst
‘Billige’ Hilfskräfte oder Entlastung für die Polizeibehörden?

Als angestellter Mitarbeiter im Vollzugsdienst, spezifisch im Bereich des zentralen Objektschutzes, möchte ich nun auch einmal die Gelegenheit und das Wort ergreifen, auch für die Kollegen aus anderen Bundesländern. Mir ist bewusst, dass wir Angestellte seitens der verbeamteten Kollegen gerne einmal, sagen wir mal ‘kritisch beäugt werden’.

Alles in allem ist die Akzeptanz uns gegenüber mit der Zeit schon gestiegen, dennoch gibt es immer wieder mal unschöne Vorkommnisse diesbezüglich. Ich kann hier nur für mich sprechen, denke aber auch, dass ich sicher auch für viele andere (angestellte) Kollegen spreche.

Ich entstamme ursprünglich der privaten Sicherheitswirtschaft und habe in dieser auch einen staatlich anerkannten Berufsabschluss zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit, sowie eine Ausbilderberechtigung erworben. Ich bin sehr dankbar darüber, mich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit in die Polizeifamilie einbringen zu dürfen. Dennoch würde ich mir nicht anmaßen, mich auf eine Stufe mit denjenigen zu stellen, die ein entsprechend 3-jähriges Studium an einer Hochschule absolviert haben.

Dennoch finde es mehr als unangebracht, uns Angestellte ‘von oben herab’ zu betrachten und/oder zu behandeln. Das kommt nicht täglich, aber doch häufiger vor als man es vielleicht zugeben mag. Hier würde ich doch an die verbeamteten Kollegen appellieren, dass auch ihr uns als einen Teil der Polizeifamilie betrachtet, die euch im Rahmen unserer Tätigkeiten unterstützt bzw. euch um niederschwelligere Maßnahmen entlastet, damit ihr euch wieder verstärkt auf euren originären Auftrag konzentrieren könnt. Das ist unser Ziel.

Wir wollen keine ‘Polizei light’ sein oder uns als ‘ungelernte’ Kräfte mit euch auf eine Stufe heben!

Nun ist es mittlerweile so, dass auch wir als Angestellte im Polizeidienst seitens der Behörden immer häufiger auch zu weitergehenden Aufgaben herangezogen werden, für welche wir (ursprünglich) gar nicht vorgesehen waren. Und sei es nur bei unterstützenden Maßnahmen wie der Verkehrsregelung, dem Polizeigewahrsam, Absicherungen, Absperrmaßnahmen, Tatortsicherung etc. …Ob wir selbst immer damit glücklich und/oder einverstanden sind, das steht auf einem anderen Blatt. Aber genau wie ihr, sind wir zur Ausübung der uns durch unseren Dienstherrn übertragenen Aufgaben verpflichtet (selbst wenn wir uns nicht damit identifizieren können).

Was man nicht vergessen darf:

Wir als Angestellte haben in Bezug auf den Polizeidienst in der Regel nur eine sehr kurze ‘Ausbildung’ bzw. Lehrgangsphase genossen. In dieser Zeit wurde der Lehrstoff (Theorie & Praxis) mehr als komprimiert vermittelt, um es mal nett auszudrücken. Aus meiner Sicht als ehemaliger Ausbilder in der Sicherheitswirtschaft, völlig unzureichend, wenn man bedenkt, dass viele Kollegen nicht einmal ansatzweise vorher entsprechende Kenntnisse, geschweige denn Erfahrungen mitbringen.

Hier haben wir selbst leider keinen Einfluss drauf. Auch die behördeninternen Fortbildungsangebote für Angestellte sind mehr als rar gesät, bzw. sinnvolle Angebote sind uns als Angestellten häufig leider nicht zugänglich.

Immer häufiger treffen wir als Angestellte im Rahmen unserer Touren auf Vorfälle, in denen wir zunächst erst einmal intervenieren und die Situation einfrieren müssen, bevor die Situation und die Klärung solcher Ereignisse dann an den ESD übergeben wird / übergeben werden kann. Wir sind nun einmal in Uniform und klar als Behörde für den Bürger erkennbar. Der Bürger unterscheidet hier in solchen Momenten nicht.

Wir müssen unsere Position zwar klarstellen, aber häufig erfordert die Situation zunächst einmal ein zügiges Handeln für das abwenden akuter und potentieller Gefahren. Erschwerend hinzu kommt, dass das Polizeirecht für uns in erster Linie nur für die uns übertragenen Aufgaben genutzt werden kann/darf und wir außerhalb dieser auch ‘nur’ auf die Jedermannrechte zurückgreifen können.

Was ich (und sicher auch viele andere Kollegen) mir von den verbeamteten Kollegen wünschen würden, wäre mehr Akzeptanz uns gegenüber und einer generellen Begegnung auf Augenhöhe! Als Kollegen mit einem eigenem Verantwortungs- und Tätigkeitsbereich. Wir sind mittlerweile soviel mehr als ‘nur’ Objektschützer o.Ä.

Als Angestellte sind wir mitunter im Gewahrsam tätig, besetzen den GefKw, unterstützen bei der Verkehrsregelung, sind in der Leitstelle mit tätig, ergreifen Erstmaßnahmen bei Erste-Hilfe-Leistungen u.v.m. Ich finde auch, dass genau das eine entsprechende Herausforderung für manch eine/n Kollegin/Kollegin ist, da die „Ausbildung“ ja wie schon erwähnt recht kurz war und sich inhaltlich in erster Linie fast ausschließlich auf die uns übertragenen Aufgaben bezog und nicht auf das, was im Rahmen unserer mobilen Schutzmaßnahmen noch so auf uns zukommt/zukommen kann.

Genau hier passieren (natürlich) hin und wieder Fehler. Unter anderem gerade auch hinsichtlich des korrekten taktischen und rechtlichen Handelns seitens mancher Angestellter. Hier sehe ich in erster Linie aber auch die Behörde in der Verantwortung. Es kann nicht sein, dass (auch wenn es keiner offen ausspricht) aufgrund von behördlichen Sparmaßnahmen, keine adäquate ‘Ausbildung’ der Angestellten gewährleistet wird. Auch aus der Sicht als Angestellter selbst, stellt dies mitunter ja auch eine hohe Gefährdung für das nicht ausreichend ausgebildete Personal dar.

Von den verbeamteten Kollegen würde ich mir zudem wünschen, dass diese uns nicht nur auf Augenhöhe begegnen und unsere Tätigkeit und die damit verbundene Entlastung ihrerseits entsprechend wertschätzen, sondern die genannten Aspekte berücksichtigen und uns mit ihrer Fachkompetenz im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen.

Auch wir betrachten uns als Teil dieser großen Familie und freuen uns, im Rahmen unserer Zuständigkeiten diese unterstützen zu dürfen.

Viele Grüße
Ein angestellter Mitarbeiter im Vollzugsdienst”

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Der Autor ist uns namentlich bekannt, er möchte jedoch anonym bleiben.