Gedanken eines Polizisten: Was geschieht da gerade in Chemnitz?

28. August 2018 um 20:05 Uhr

Gedanken eines Polizisten: Was geschieht da gerade in Chemnitz?

“Wenn der gewaltsame Tod eines Menschen zum Instrument verkommt.

Ein Mann, ein junger Mann, wird getötet.
Zwei Männer sind Tatverdächtige, ein Syrer und ein Iraker.
Sie sitzen in U-Haft und die Ermittlungen sind aufgenommen.

Was wäre jetzt, würde man “normal” denken und fühlen, die Folge?

TRAUER!

Aber würde ich auf die Straße gehen und meine Trauer zeigen indem ich den Hitlergruß zeige?

Würde ich meine Trauer zeigen indem ich schreie “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus”?

Würde ich meine Trauer zeigen indem ich Flaschen und Steine auf Polizisten werfe?

Würde ich meine Trauer zeigen indem ich auf die Straße gehe, skandiere, dass ich Angst habe und gleichzeitig durch Aufrufe zu Gewalt, durch Gewaltanwendung und durch verbale Verbreitung von Hass andere in Angst und Schrecken versetze?

Definiert man das unter Trauer?

Ist Trauer nicht eher das Innehalten?
Ist Trauer nicht Stille und Gedankenverlorenheit?
Ist Trauer nicht Tränen und Verzweiflung?
Ist Trauer nicht allein mit sich sein?
Ist Trauer nicht das Gebet?
Ist Trauer nicht Leere?
Ist Trauer nicht der stille Abschied?
Ist Trauer nicht Gedenken?

Die Menschen die dort in Chemnitz auf die Straße gehen sind keine Trauernden. Sie sind auch keine verängstigten Bürger.

Sie sind falsch, sie sind empathielos und sie sind Heuchler.
Mehr kann man den Tod eines Menschen nicht ausschlachten für seine niederen Beweggründe. Mehr kann man den Tod eines Menschen nicht instrumentalisieren, um seinen Hass zu rechtfertigen. Mehr kann man den Tod eines Menschen nicht verhöhnen.

Was da passiert ist eine Farce und zerstört das Gedenken der Angehörigen, denn sie werden immer in ihrem weiteren Leben den Tod des geliebten Menschen mit den Bildern der letzten Tage verbinden. Sie werden immer daran erinnert werden, dass der Tod des Sohnes, des Vaters, des Mannes, des Enkels, des Neffen, des Freundes, mit Flaschenwürfen, mit Hassreden und mit stumpfer Gewalt in Verbindung gebracht werden wird.

Die Menschen, die da in Chemnitz nun den Hass auf die Straße tragen zerstören das Andenken des Toten und beschädigen die Trauer seiner Angehörigen und Freunde.

Ich schäme mich für diese Menschen.”

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Der Kollege ist uns persönlich bekannt, er möchte anonym bleiben. Diese Zeilen geben die persönliche Meinung des Autors wieder.