Gedanken eines Reservisten: Die Ablehnung der Uniform in Deutschland – ist es Angst? Aber wovor?

4. August 2018 um 16:13 Uhr

Gedanken eines Reservisten: Die Ablehnung der Uniform in Deutschland - ist es Angst? Aber wovor?

“Ich schreibe diese Zeilen als ehemaliger Soldat und Partnerin eines Polizisten!

Ich könnte es ja noch verstehen, wenn es zwei Generationen vor uns beträfe, aber die sind komischerweise positiv eingestellt. Die jüngere Generation hat offenbar, trotz des medialen Überflusses und der Möglichkeit der Informationen, keine Vorstellung der eigentlichen Aufgaben der Exekutiven.
Kann auch sein, dass sie es einfach nicht wissen wollen.

Kurz zu mir und warum ich mir diese Frage stelle:

Ich war jahrelang bei der Bundeswehr und das mit Stolz. Ja genau mit Stolz!!! Und nein… wir haben nicht nur gefeiert, gesoffen, getötet und ‘Steuergelder’ verschwendet (auch wir haben Steuern bezahlt und das klassische ‘Blöd Zeitung’- Denken würde bei genauer Recherche auch wegfallen).

Ich war bei einer ‘fliegenden’ Einheit der Luftwaffe und wir haben nicht nur verwundete Kameraden aus dem Einsatz geholt, sondern auch Zivilisten aus dem Ausland. Ebenso waren wir im Bereich des Katastropheneinsatzes im Inland und auch im Ausland aktiv.

Ich war davon überzeugt (und bin es heute noch), dass wir das Richtige und Gute getan haben und es immer noch machen. Und aufgrund dessen bin ich auch in Uniform zur Arbeit und auch wieder zurück. Warum sollte ich mich dafür schämen? Die Reaktionen waren allerdings recht vielfältig. Von Interesse und Fragen bis hin zu Anfeindungen (du Mörder) war alles dabei.

Seit einigen Jahren bin ich wieder im zivilen Bereich beruflich tätig und mit einem Polizisten zusammen.

Tja, was soll ich sagen….

Die Reaktionen sind auch dort vielfältig und kaum zu begreifen. Früher habe ich öffentlich zur Uniform gestanden – ich habe es reduziert, nachdem ich mich im Zivilen beworben hatte und Aussagen erfahren durfte: ‘Ihre Qualifikation ist gut – aber Bundeswehr?? Das passt nicht zu uns’. Seitdem habe ich einen persönlichen Dämpfer erhalten.

Dieses Land will offenbar nicht, dass man sich für die Demokratie und Gesetze einsetzt. Aber funktionieren soll trotzdem alles???

Man setzt sich also trotzdem für dieses Land, für die Bürger im hohen Maße ein und am Ende ist man … nicht geeignet aufgrund dessen??? Was stimmt hier nicht?

Im Laufe der Jahre hat sich das eingebrannt… und dennoch würde ich ‘Idiot’ es jederzeit wieder machen und auch als Reservist einspringen. Ich stehe zu meiner Vergangenheit und auch zu dem Beruf des Polizisten meines Partners.
Naja, nun habe ich im zivilen Fuß gefasst und dann kommt natürlich irgendwann die Frage, was wir am Wochenende machen.

Mit den Jahren bin ich vorsichtig geworden und sage nur: ‘Ach, dieses WE ist es nicht viel, weil mein Mann Schichtdienst hat und nicht da ist.’ Dafür beiße ich mir selber in den A. – warum nicht gleich sagen, was er beruflich macht? Naja, meine Erfahrung als Soldat prägt!! Aber irgendwann kann man es nicht mehr ‘verheimlichen’ – ja er ist Polizist.

Reaktionen von ‘Oh ok, interessant“ bis „Oh Gott, echt? Ne oder? Mit nem Bullen zusammen?’ Ich bekomme allmählich ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln.

Meine konkreten Fragen lauten hier und jetzt:

  1. Was haben die Menschen der jüngeren Generation dieses Landes so Furchtbares erlebt, dass sie eine derartige Abneigung gegen eine Uniform haben (und wie gesagt: die Generation, die diese Angst haben dürfte, hat sie nicht – ganz im Gegenteil!!!!)?
  2. Ich rede auch nicht von den unter 1% der ‘ich bin eh gegen alles Typen’. (Berufsnörgler ohne Fachwissen)
  3. Was haben ‘Normalbürger’ für ein Problem damit? Ist es der klassische Fall von: ‘Wenn gewisse Medien etwas schreiben, dann ist es so?’
  4. Oder sind wir alle derart konditioniert, dass wir alle gar nicht mehr anders können, als alles und jeden ins schlechte Licht zu rücken, der eine klare Linie fährt??

Eines kann ich Euch allen sagen: Uns hier in Deutschland geht es verdammt gut!

Bei der Suche nach Fehlern kann man natürlich ständig die Schuld bei anderen suchen. Aber in erster Linie sind wir alle für uns selbst verantwortlich. Weder die Exekutive, die Judikative und auch nicht die Legislative sind der Sündenbock für alles und jeden bzw. für das eigene Fehlverhalten.

Demokratie funktioniert halt nur mit drei Gewalten, aber das ist definitiv nicht alles:

Selbstreflexion, Eigenverantwortung, Empathie, Respekt und Einsicht sind nicht nur Worte, sondern Bestandteil einer funktionierenden Gesellschaft.

Menschen in Uniform sind einfach notwendig, um die Ordnung aufrecht zu halten. Seid froh darüber, denn ohne würde alles im Chaos versinken und DAS will keiner hier erleben!

Ich persönlich ziehe meinen Hut vor jedem, der in der heutigen Zeit den Dienst am Bürger leistet, ob mit oder ohne Uniform, denn das wird nur noch wenig geschätzt und gewürdigt!!!!

Ich war Soldat (das “Soldatin” spare ich ganz bewusst, denn Soldat ist Soldat), bin Reservist und mein Partner ist Polizist. Und dafür braucht man sich garantiert nicht schämen.”

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Die Autorin ist uns persönlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben. Der Leserbrief gibt die persönliche Meinung der Autorin wieder.