Geständnis eines Polizisten: Wenn der Freund und Helfer selbst Freunde und Helfer braucht

6. August 2018 um 21:27 Uhr

Geständnis eines Polizisten: Wenn der Freund und Helfer selbst Freunde und Helfer braucht

“Dank eines Kollegen kann ich zweiten Geburtstag feiern”

“Es gibt Momente im Leben eines Polizisten, bei denen nicht wir Freunde und Helfer sind, sondern selbst diese benötigen – und zwar dringend.

Es ist auf den Tag genau 5 Jahre her, als ich mit meiner Waffe da saß und nicht mehr ein noch aus wusste… Ja ich wollte mir das Leben nehmen.

Mein Privatleben ging den Bach runter und auch im Job lief es alles andere als gut. Da war ich Anfang 20 Jahre alt, das gesamte Leben eigentlich noch vor mir. Aber ich wollte nicht mehr.

Allein schon was im Privaten los war, hätte eigentlich schon gereicht. Nur noch Streit mit meiner Frau (inzwischen Ex-Frau). Meine Mutter schwer krank. Bei meiner Tante eine Diagnose, die uns alle schockiert hat. Freunde und Kollegen verloren, durch Suizid oder Unfälle. Einen Unfall hatte ich live erlebt und mein Kumpel ist in meinen Armen gestorben.

Und dann dazu der Alltag als Polizist… Noch nie hatte ich soviel Todesfälle im Dienst, wie in diesem Jahr. Junge Menschen die sich den goldenen Schuss gesetzt hatten. Auch hier Suizide, Suizidversuche. Schreckliche Unfälle.

Ich konnte es zu dieser Zeit nicht mehr in Schubladen packen… Es war schlichtweg zu viel..

An diesem Tag hatten wir zwei tote Jugendliche und es war unsere Aufgabe den Eltern die schreckliche Nachricht zu übermitteln. Mir liefen die Tränen, als mein älterer Kollege die Todesnachricht übermittelt hatte. Es war so schlimm 🙁

Nach dem Dienst ging ich sofort nach Hause, ohne mich umzuziehen. Ich saß zwei Stunden wie erstarrt auf meinem Bett. Saß da und heulte…

Dann bemerkte ich meine Waffe…

Dann stand plötzlich mein bester Freund und Kollege in meinem Schlafzimmer (meine damalige Frau war nicht da), und nahm mir wortlos die Waffe aus der Hand. Er setzte sich neben mich und legte einfach nur seinen Arm um mich. Kein Wort fiel, über Stunden nicht.

Er nahm sein Handy und schickte mir ein Lied auf mein Handy… Inzwischen bedeutet mir dieses Lied alles… Freundschaft über alles hinaus.

Er hat mir damals das Leben gerettet und mir geholfen wieder ins Leben zu finden. Wieder lachen zu lernen und das Leben auch zu genießen…

Dafür möchte ich mich bei Dir bedanken!!!

Wenn Du das liest, weißt Du wer gemeint ist. Du bist nicht nur mein Freund, mein Kollege… sondern mein Bruder und einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben.

Heute ist mein zweiter Geburtstag, den ich ohne Dich nicht feiern könnte!”

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Der Kollege ist uns bekannt, zu seinem Schutz bleibt er anonym.

Wenn Kollegen wahre Freunde sind, besser gehts nicht. Gut, dass es so gelaufen ist! Wir wünschen Euch beiden das Beste. Passt gut aufeinander auf.