Zahl des Tages: Gewalt gegen Polizisten nahm in vier Jahren um 22 Prozent zu

30. August 2018 um 21:29 Uhr

Zahl des Tages: Gewalt gegen Polizisten nahm in vier Jahren um 22 Prozent zuSo ziemlich jeder Polizist kann wohl ein Lied davon singen. Die Respektlosigkeit nimmt täglich zu und dies ist mehr als besorgniserregend. Wir, die helfen wollen, aber natürlich auch Fehler von Menschen ahnden müssen, geraten immer mehr in den Fokus und werden schon wegen Kleinigkeiten angegriffen.

Im Mai dieses Jahr noch hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer zufriedenstellend verkünden können, dass Deutschland sicherer geworden sei. So konnte bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2017 festgestellt werden, dass die Gewaltkriminalität rückläufig ist und um 2,4 Prozent gesunken war.

Ganz anders sieht es bei der Gewalt gegen Polizisten aus. Innerhalb von vier Jahren stieg die Zahl der Gewaltdelikte um 22 Prozent. 2017 wurden bundesweit 4.527 Polizisten Opfer von Gewalt. Im Jahr 2013 waren 3.710 Einsatzkräfte Attacken ausgesetzt.

In der Statistik sind jedoch die Angriffe auf Feuerwehr- und Rettungskräfte nicht enthalten, da diese nicht in der PKS erfasst werden. Laut Bundeskriminalamt wurden in gesonderter Statistik 2014 noch 222 Kräfte angegriffen. In den folgenden Jahren wurden jeweils 280 ehrenamtliche und hauptamtliche Retter und Helfer attackiert.

Im Frühjahr 2017 wurde der neue Straftatbestand “Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte” beschlossen, der unserem Schutz dienen sollte. Jedoch wird dieser neue Paragraph von der Judikative unterschiedlich angewandt. So jedenfalls unser Empfinden.

Was auch in dieser Statistik fehlt, sind die Zahlen über einfache Körperverletzungen, die Polizisten im Dienst erleiden. Das liegt daran, das die Körperverletzung, begangen ohne Angriff und ohne Widerstandshandlung als allgemeine Gewaltkriminalität gilt und dort erfasst wird.

Interessant sind auch die Auswertungen, wer in welchem Zustand Polizisten angreift. Zwischen 41 und 49 Prozent der Angreifer standen demnach unter Alkoholeinfluss. Nur 13 Prozent der Angreifer waren weiblich.

Beim Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte stieg die Zahl laut PKS in 2017 um 7,6 Prozent bei den nicht deutschen Tatverdächtigen. Bei deutschen Verdächtigen sank die Zahl dagegen um 1,8 Prozent.

Ein Grund mitunter für die steigenden Zahlen bei Gewalt gegen Polizeibeamte ist nach Ansicht des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, eine “zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Menschen in Uniform und Mitarbeitern von Rettungsdiensten”. Im Alltag erlebten die Kollegen oft: “Ich frage nach dem Ausweis, und ich bekomme die Faust”.

“Wir haben auch einen Anstieg von Fehlzeiten im Dienst als Folge von schwerer Körperverletzung”, erklärt Radek weiter. Der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser ist fassungslos: “Erschreckend ist auch, mit welcher Brutalität gegen unsere Sicherheitskräfte vorgegangen wird, wenn Hieb- und Stichwaffen, Reizstoffe, Brand- und Pyrotechnik oder sogar Kraftfahrzeuge als Tatwaffen eingesetzt werden.”

Elf Mal wurden im letzten Jahr Bundespolizisten zum Beispiel mit Hieb – und Stichwaffen angegriffen. Dies erleben auch die Kollegen der Landespolizei immer öfter. Nur liegen hierzu leider keine Zahlen vor.

Immer mehr muss auch die Ausbildung an die aktuelle Entwicklung angepasst werden. Angriffe auf Polizisten gab es schon immer, aber nicht in diesem Ausmaß und mit dieser (fast schon) “Selbstverständlichkeit”. Aber auch die Länder sind hier gefragt.

Die Innenminister müssen alle Möglichkeiten ergreifen um gerade THW, Feuerwehr, Rettungskräfte, aber auch uns Polizisten zu schützen. Es reicht nicht einfach nur Betroffenheit zu zeigen und zum Alltag zurück zu kehren. Für manche angegriffene Kollegen gibt es nach einem solchen Angriff meist den Alltag nicht mehr, den sie zuvor noch kannten!