Berliner Schießstand-Affäre: Tod eines Schießtrainers und Anzeige gegen Innensenator wegen Rechtsbeugung

7. September 2018 um 14:28 Uhr

Berliner Schießstand-Affäre: Tod eines Schießtrainers und Anzeige gegen Innensenator wegen RechtsbeugungVor einer Woche berichteten wir mal wieder über die Berliner Schießstand-Affäre, bei der bekannt wurde, dass der Innensenator Andreas Geisel wohl schützend seine Hand über die ehemalige Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers hielt, damit diese Generalstaatsanwältin werden konnte.

Es steht der Verdacht im Raum, dass sie seit 2011 über die mangelhafte Entlüftung der Berliner Schießstände Bescheid wusste und nichts unternahm und deswegen in Kauf nahm, dass viele ihrer Mitarbeiter durch die giftigen Pulverdämpfe gesundheitlichen Schaden erlitten haben. Betroffen sind davon immerhin 1.600 Polizisten Berlins. Deswegen wird gegen sie wegen Körperverletzung im Amt ermittelt.

Das hinderte sie jedoch nicht daran, ihre Karriere fortzuführen und Anfang dieses Jahres Generalstaatsanwältin zu werden. Wie es heißt, hatte der Innensenator ein Disziplinarverfahren gegen sie verhindert, was ihrem Karrieresprung zugute kommen sollte.

Nun, eine Woche später, gibt es eine weitere Entwicklung in diesem Fall. Gerhard M., einer der Schießtrainer, erkrankte an Krebs und ist vergangene Woche verstorben. Es wird vermutet, dass die mangelhafte Entlüftung und die ständige Anwesenheit in den Schießständen diese Erkrankung und damit den Tod verursacht haben könnte.

Gerhard M. hätte demnächst eigentlich aus dem gegründeten Entschädigungsfonds für Opfer dieses Skandals 50.000 Euro erhalten sollen. Vorgesehen sind Zahlungen in Höhe von 2.000 bis 80.000 Euro, je nach Erkrankung und Dauer des Aufenthalts in den maroden Schießständen. Knapp 800 Polizisten haben bereits einen Antrag gestellt.

Ob die Witwe nun die Entschädigung erhält oder ob sie leer ausgeht, ist nicht bekannt. Im Zusammenhang mit dem Tod des Polizisten wurde ebenfalls bekannt, dass der zuständige Arzt, der nach dem Tod zunächst einen natürlich Tod (da mit dem Krankheitsbild übereinstimmend) festgestellt hatte, nach Bekanntwerden eines möglichen Zusammenhangs mit der Schießstand-Affäre den Totenschein korrigiert hat und auf unnatürlichen Tod erkannte.

Die Leiche des Verstorbenen wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und im Rahmen des Todesermittlungsverfahren soll heraus gefunden werden, was die Todesursache war. Der Verein Biss (Berliner Interessengemeinschaft Solidarischer Staatsbedienstete), der die Polizisten in der Affäre vertritt, geht davon aus, dass mittlerweile schon zwölf Polizisten wegen der maroden Schießstände sterben mussten.

Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe hat zwischenzeitlich Strafanzeige gegen Andreas Geisel bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Er geht davon aus, dass der Innensenator zwingend ein Disziplinarverfahren gegen Margarete Koppers hätte einleiten müssen und da er das laut Berliner Disziplinargesetz nicht getan habe, bestehe der Verdacht der Rechtsbeugung.

Es ist traurig, welche Ausmaße diese Affäre, ja der Skandal, mittlerweile annimmt und keiner will Verantwortung übernehmen. Kein öffentliches Wort des Bedauerns, der Anteilnahme, der Schuld. Stattdessen wird über Zahlen und Ursachen gestritten, während die Schießtrainer nur so wegsterben.

Wir möchten an dieser Stelle der Witwe von Gerhard M. und seinen unmittelbaren Kollegen unser Mitgefühl ausdrücken und ihnen viel Kraft in der kommenden Zeit wünschen!