Der Liebe folgend den Berufswunsch erfüllt: Deutscher zieht nach Amerika und kann dort Polizist werden

23. September 2018 um 15:06 Uhr

Viele Bewerber bei einer der deutschen Polizeien können aus verschiedenen Gründen nicht eingestellt werden. Das kann verschiedene Gründe haben, doch meist sind es gesundheitliche. So war es auch bei Jürgen Petzl, der sich wegen seiner Diabetes nicht hätte zu bewerben brauchen. Dennoch konnte er seinen Traumberuf ergreifen, wenn auch nicht hierzulande.

Angefangen hatte das Ganze vor rund 15 Jahren, als Jürgens jetzige Ehefrau Molly als Au-Pair von Amerika nach Deutschland kam. Sie wohnte im Nachbarort Heidenheim (Baden-Württemberg) und die beiden lernten sich kennen. Jürgen arbeitete damals bei der Sparkasse als “Mädchen für alles”.

Molly kehrte zunächst in die USA zurück und aus Sehnsucht wurde Liebe. Die beiden heirateten und wohnten zunächst gemeinsam in Deutschland. 2008 zogen beide nach Colorado Springs.

Jürgen hatte ein Ziel: Er wollte Polizist werden. In den USA gibt es allerdings viele Bewerber auf offene Stellen und um seine Erfolgsaussichten zu verbessern, lernte er etwas, was ihn im Einstellungsverfahren voran bringen sollte. Er absolvierte erfolgreich ein Studium als Rettungssanitäter und arbeite dann eine Zeit lang bei der Feuerwehr.

Dann bewarb er sich bei der Polizei, seine Diabetes war hier kein Ausschlusskriterium. Nach anderthalb Jahren war es soweit, er bekam die Zusage vom Colorado Springs Police Department. Ein halbes Jahr dauerte die Ausbildung zum Polizisten und anders wie hierzulande bestand die Ausbildung auch aus “Lernen durch Schmerz”.

Neben der Ausbildung in Selbstverteidigung und an verschiedenen Waffen mussten die Anwärter auch lernen wie es ist, getasert zu werden oder Pfefferspray abzubekommen. Nach erfolgreicher Ausbildung ist Jürgen nun seit April 2013 in Colorado Springs als Streifenpolizist unterwegs.

Auch wenn sich der Dienst in den USA von dem in Deutschland teils stark unterscheidet, eines haben die Polizisten hüben wie drüben gemeinsam: “Leider lässt mein Beruf nicht allzu viel Zeit für ein normales Privatleben. Die aufregenden Dinge passieren meist bei der Arbeit”, so Jürgen Petzl.

Eines allerdings unterscheidet sich vom hiesigen Dienst ganz massiv, die Verfügbarkeit von Waffen in der Bevölkerung. Und so blieb Jürgen auch nicht erspart Kollegen im Kampf zu verlieren. Im November 2015 erschoss ein psychisch kranker Mann drei Menschen, darunter einen von Petzls Kollegen, und verletzte neun weitere. Seit diesem Vorfall werden die dortigen Polizisten als Scharfschützen ausgebildet.

Doch auch Erfolge kann Jürgen vorweisen. So konnte er einen Mann, der seine Frau mit einer Schrotflinte erschießen wollte, erfolgreich entwaffnen und festnehmen. Dafür erhält er im November die Tapferkeitsmedaille. Zudem mittlerweile im Rang eines Corporal verantwortete er auch das Drohnenprogramm der Polizei in Colorado Springs.

Ob Jürgen Deutschland vermisst? Ja, das tut er. Besonders schwer sei es ihm gefallen seine Freunde in Deutschland zurück zu lassen. Zwar habe er in den USA einen neuen Freundeskreis aufbauen können, doch die Menschen dort seien anders. Sie seien dort unglaublich egoistisch. Rechthaberei und gegenseitige Schuldzuweisungen seien an der Tagesordnung, ob berechtigt oder nicht.

“Manchen mangelt es an gesundem Menschenverstand”, so Jürgen, der zum Thema Trump lieber nichts sagen möchte. Doch letzten Endes sei er mit seiner Lebenssituation zufrieden. Er habe sich den amerikanischen Traum erfüllt und zudem seinen Traumberuf ergreifen können.