Ein Polizist berichtet: Mein Einsatz im Hambi und wie ich ihn sehe

23. September 2018 um 20:40 Uhr

“Man mag über die Abholzung denken was man möchte, ob es nun Recht oder Unrecht ist. Für mich zumindest muss ich ganz ehrlich sagen, gibt es weitaus größere Probleme, denen wir uns mit voller Inbrunst widmen sollten.

Natürlich ist unsere Umwelt wichtig, dies möchte ich auch nicht bestreiten. Aber mal ehrlich, 100 Hektar Wald, um die es jetzt noch geht, werden unser Klima nicht beeinflussen. Ich möchte auch nicht für einen Konzern sprechen, aber was hier im Gegenzug geschaffen wurde, darf man nicht vergessen.

Nun ja, nun aber zum eigentlichen Thema…

Seit einigen Tagen bin ich nun im Hambi eingesetzt und ich muss sagen, dass man hier eigentlich alles erlebt… Von Verständnis für uns, aber eben auch tiefste Ablehnung und Hass. Es gibt hier die, die protestieren und friedlich dabei sind. Die hören, wenn wir Ansagen machen und diesen auch Folge leisten.

Doch dann gibt es auch diejenigen, die mit Fäkalien auf uns werfen, die uns Mord an dem Verunfallten jungen Mann vorwerfen, die uns beschimpfen, beleidigen. Steine und Flaschen fliegen. Stahlkugeln werden mit Zwillen auf uns geschossen. Wir kennen dies ja schon, naja bis auf die Fäkalien, und können damit umgehen.

Kot und Urin werden in Eimern gesammelt und auf uns gekippt. Dies ist schon seit Tagen immer wieder so. Mal mehr, mal weniger. Man muss auch dazu sagen, dass diese sogenannten Aktivisten genau wissen was sie zu sich nehmen müssen, dass der Kot eher flüssig ist und ehrlich gesagt auch erbärmlich stinkt. Pfefferminzöl und Desinfektionsmittel sind derzeit meine ständigen Begleiter. Vielleicht sind dies gerade Informationen die ihr nicht lesen wollt, aber ihr solltet es wissen.

Des Weiteren habe ich gesehen wie der Wald teilweise zugemüllt wurde.. Sorry, aber auf der einen Seite sich für die Umwelt einsetzen wollen und dann den Müll liegen lassen, passt nicht zusammen.

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An dem Tag, als der junge Mann abgestürzt ist, war ich zwar nicht in der Nähe, aber auch nicht so weit entfernt um die Parolen, die gerufen wurden, zu überhören. Es war blanker Hass der gegenüber uns aus dem Gerufenen heraus zu hören war. Es war ein bedauerlicher und sehr tragischer Unfall, der auch uns zutiefst geschockt hat. Auch an uns geht dies nicht spurlos vorbei.

Des Weiteren werden wir kritisiert, dass wir Spaziergänger nicht in den Wald lassen. Man muss dabei aber sehen, dass der Hambacher Forst als gefährlicher Ort eingestuft wurde, wegen oben genannter Angriffe. Kollegen wurden hier verletzt, Angriffe auf RWE Mitarbeiter gestartet.

Polizeigewalt wird gerufen, wenn wir unmittelbaren Zwang anwenden müssen, weil Personen sich unseren Anweisungen widersetzen. Die Besetzung ist illegal und das ist Fakt. Gerichte haben für die Räumung entschieden und es ist Aufgabe von uns, der Exekutive, dies auch um- und durchzusetzen. Es wurden immer wieder Ansagen gemacht, dass, wenn unseren Anweisungen nicht Folge geleistet wird, Aktionen von uns gestartet werden. Wer sich dann sperrt, meint eine Polizeikette durchbrechen zu müssen oder uns angreift, muss mit den Folgen leben.

Ich denke, Kollegen die hier länger eingesetzt sind können noch weitaus mehr erzählen als ich. Vielleicht gehen sie ja auch diesen Weg und erzählen ihre ekligen oder auch schönen Geschichten aus dem Hambi.

Dieser Einsatz wird uns noch Wochen beschäftigen, sei es hier vor Ort oder wenn wir wieder zuhause sind. Neue Kollegen werden nachrücken für die, die nach Hause zu ihren Familien dürfen.

Wir hoffen hier alle, dass die Lage nicht weiter eskaliert. Es ist genug passiert…

Ich weiß, ich werde für meinen Text nicht nur positive Kommentare ernten, aber es ist wie im Dienst. Ich kann sehr gut damit leben.”

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Der Kollege ist uns persönlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.

Die Bilder zeigen Müll und Unrat, den die gewaltbereiten “Aktivisten” in dem Wald hinterlassen, den sie eigentlich schützen wollen. Das letzte Bild zeigt den renaturierten Bereich, den RWE für die Abrodung des Hambacher Forsts erstellen musste.