Gedanken eines Polizisten zum Thema Wertschätzung

27. September 2018 um 20:34 Uhr

Gedanken eines Polizisten zum Thema Wertschätzung

“Liebe Mitmenschen,

zu allererst eine kleine Frage:
Glaubt ihr, dass eure Wertschätzung gegenüber den Polizisten die ist, die ihnen zukommen sollte?

Als Polizist sehe ich meine Kollegen und mich tagtäglich als Prellbock der Gesellschaft. Ein großer Teil der Bevölkerung scheint seine Rechte und Pflichten besser zu kennen als die Polizei selbst und das wird gegenüber den Beamten auch offen kommuniziert.
Wird jemand dann in seine Schranken verwiesen und im vorliegenden Rechtsverständnis korrigiert, führt dies oftmals zu sehr viel Unmut.

Was halten Sie davon, die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen und ihnen nicht zu erklären wie gewisse Dinge zu tun sind?
Oder erklären Sie Ihrem Bäcker auch, wie er die Brötchen zu backen hat oder Ihrem Arzt, wie dieser Ihnen zu Gesundheit verhilft?

Wenn Sie mit der Arbeit der Polizei nicht einverstanden sind, was halten Sie dann von der Idee sich selbst die Uniform anzuziehen?

Wir sorgen dafür, dass Sie morgens guten Gewissens aus dem Haus gehen und abends beruhigt schlafen können, ohne ständig darüber nachzudenken, ob Ihr Hab und Gut noch in Ihrer Wohnung ist oder bereits einen neuen Besitzer gefunden hat. Wir arbeiten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr, um Ihnen ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, uns Ihren Sorgen anzunehmen und da zu sein, wenn Sie Geschädigte/r einer Straftat werden.

Wir tun alles was uns möglich ist, um das Leben in Deutschland sicherer zu machen.

All dies machen Polizeibeamte aus Überzeugung.

Schließlich sind wir auch nur Menschen und genau wie Sie ein Teil der Gesellschaft, die neben ihrem Beruf ein zufriedenes und möglichst angstfreies Leben führen möchten.

Ein solches Leben steht auch einem Polizisten zu. In der Uniform steckt immer noch ein Mensch, der Gefühle und auch Ängste hat. Ein Mensch mit einer Familie, einem Partner oder anderen wichtigen Personen zu Hause, die möchten, dass er gesund aus dem Dienst zurückkommt.
Dies scheinen einige allerdings nicht zu verstehen oder zu vergessen.

Wie erklärt man sich sonst, dass Fußball“fans“ die auf die Möglichkeit von Spielabsagen in der Bundesliga, aufgrund von anderen Großveranstaltungen (Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan und der anhaltenden gewalttätigen Proteste im Hambacher Forst) mit einem Banner reagieren, auf dem geschrieben steht: Sagt ihr den Spieltag ab machen wir im Wald die Bullen platt?

Scheinbar hat ein Teil der Gesellschaft, so klein er auch sein mag, vergessen, dass es Wichtigeres gibt als ein aus meiner Sicht belangloses Bundesligaspiel!

Hat ein Polizist deswegen keinen Anspruch auf ein paar wenige freie Stunden oder einen Tag mit der Familie? Wenn dieser nicht bereits aufgrund der anderen Großveranstaltungen gestrichen wurde und der Geburtstag des Elternteils, Partners, Freundes oder eigenen Kindes wieder einmal ohne einen selbst stattfindet.

Anstatt dessen darf dieser in der Uniform im “Hambi” stehen und sich mit Fäkalien bewerfen lassen, oder bei einer Großdemonstration mit Fahnenstangen oder ähnlichem Bekanntschaft machen.

Wenn Sie meinen, dass ein Polizist ein solches Recht nicht hat, so sollten sie dringendst ihre Einstellung überdenken. Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit Floskeln wie Das bringt der Beruf eben mit sich, “Man weiß doch vorher, dass die Polizei am Wochenende arbeiten muss” oder ähnlichem!

All dies wussten wir vorher und trotzdem lieben wir unseren Job, aber welche Ausmaße und großen Einschnitte der Beruf in das Privatleben hat, war vor ein paar Jahren noch nicht absehbar.

Denken Sie einfach einmal darüber nach, ob Sie sich gegenüber Polizisten so verhalten, wie Sie es erwarten würden, wenn Sie selbst einer wären.

Wir möchten keine Danksagungen für unsere Arbeit, aber einen gewissen Respekt und Anerkennung diesbezüglich, dass Menschen ihren Kopf dafür hinhalten, dass Sie sich sicher fühlen fände ich durchaus angebracht.

In der Uniform steckt immer noch ein Mensch!!!

Danke jedoch an alle Mitmenschen, die genau diesen Menschen in der Uniform sehen, die merken, dass auch wir manchmal von unseren Emotionen und den gesehenen Bildern übermannt werden.

Danke dafür, dass wir von Ihnen nicht als Prellbock angesehen werden, sondern als Teil der Gesellschaft, der versucht einen Beitrag dafür zu leisten, dass unsere Welt lebenswert ist und auch bleibt.

Danke, dass sie wissen wie man sich gegenüber einem Mitmenschen verhält, auch wenn dieser einmal eine Entscheidung oder Maßnahme treffen muss, die zum eigenen Nachteil ist!

Menschen wie Sie machen den Job annehmbar und sorgen für die schönen Momente im Dienstleben eines Polizisten, die mir und den meisten meiner Kollegen in Erinnerung bleiben!

Mit freundlichen Grüßen”

———————-

Der Kollege ist uns namentlich bekannt, er möchte anonym bleiben. Diese Zeilen geben die persönliche Meinung des Autors wieder.