Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Nach anfänglicher Verfahrenseinstellung erhält rüpelhafte Autofahrerin nun Strafbefehl und Fahrverbot

2. September 2018 um 10:00 Uhr

Man mag vom Verkehr in Berlin halten was man möchte, wo Grenzen überschritten werden müssen Sanktionen folgen. Dies sah die Staatsanwaltschaft in Berlin nach einem Vorfall Ende letzten Jahres ganz anders und stellte das Verfahren zunächst. Nachdem der Fall öffentlich bekannt wurde, fand nun die Gerichtsverhandlung statt.

Kurzer Rückblick

Kollegin Nadine Hartung ist seit über 20 Jahren bei der Berliner Polizei und seit drei Jahren bei der Fahrradstaffel. Sie kennt die Berliner Straßenverhältnisse und auch das Verhalten mancher Bürger. Doch das, was sie im November 2017 erleben musste, war dann doch ein hartes Stück.

Sie war auf dem Weg zu Dienst und fuhr ihr Fahrrad, da sie durchtrainiert ist, nicht gerade langsam durch den Berliner Verkehr. In der Blankenburger Chaussee fuhr sie auf der Fahrbahn, weil der kaputte Radweg mit den vielen Ausfahrten zu gefährlich für sie war.

Hier wurde sie von einer Autofahrerin rüpelhaft darauf aufmerksam gemacht, dass sie gefälligst den Radweg benutzen solle. Im Anschluss wurde Nadine Hartung geschnitten, so dass sie hart abbremsen musste. Bei einer anschließenden Kontrolle zeigte sich die Autofahrerin, trotz Vorzeigen des Dienstausweises, stur. Ein Gespräch war kaum möglich.

Und auch obwohl Feuerwehrkameraden zufällig hinzu kamen und mit der Frau reden wollten, zeigte sie sich uneinsichtig. In der Folge fuhr die Autofahrerin gegen Nadines Schienbeine, schob sie ein Stück zurück und brauste dann davon. Alarmierte Kollegen nahmen die Anzeige auf: Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Wir berichteten.

Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte das Verfahren dann eingestellt und die Begründung dürfte vielen Kollegen bekannt vorkommen: “geringe Schuld”, “kein öffentliches Interesse” und “durch das Verfahren bereits ausreichend gewarnt” waren die Begründungen.

Wie es weiter ging

Nachdem der Tagesspiegel über den Vorfall berichtet hatte, ließ sich Justizsenator Dirk Behrendt die Akte zusenden. Und oh Wunder, plötzlich hatte die Staatsanwaltschaft die Einstellung zurück genommen und kam zu der Erkenntnis, den Vorfall mit einem Strafbefehl über 60 Tagessätze zu je 30 Euro und einem Fahrverbot von 2 Monaten zu ahnden.

Doch die Autofahrerin zeigte sich auch hier genauso stur wie zuvor. Sie war damit nicht einverstanden und so landete das Verfahren vor dem Amtsgericht. Die 72-jährige Frau auf der Anklagebank musste dann auch mehrfach dem Gericht erklären, dass sie sich “wie eine Täterin” vorgekommen sei. Nun, das war sie ja auch.

Den Weisungen der Polizeikommissarin Hartung hatte sie keine Beachtung geschenkt, da sie nicht uniformiert war und demnach nicht echt gewesen sein könne, so die Begründung der Autofahrerin. Die Rettungsdienstler hätten auch nur mit Hartung gesprochen, aber nicht mit ihr. Dabei hatten eine neutrale Zeugin, die der Kollegin noch zu Hilfe geeilt war, das Gegenteil ausgesagt.

Das Urteil

Das Gericht wollte das Verfahren gegen eine Zahlung von 1.000 Euro einstellen. Damit erklärte sich die Staatsanwaltschaft nicht einverstanden. Mit dem Vorschlag des Gerichts, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen, war die Autofahrerin nicht zufrieden.

Nach einer kurzen, vom Gericht empfohlenen, Beratung mit ihrem Anwalt wurde der Einspruch dann doch zurückgezogen und damit ist obiger Strafbefehl wieder in Vollzug. “Eine Gemeinheit vor dem Herrn”, war dann der halblaute Kommentar der Autofahrerin. Reue sieht anders aus!