Polizistin verliebt sich in Gewohnheitsstraftäter: Trennung und Disziplinarstrafe

21. September 2018 um 11:14 Uhr

Polizistin verliebt sich in Gewohnheitsstraftäter: Trennung und DisziplinarstrafeWo die Liebe hin fällt, kann man kaum beeinflussen. Und wenn es dann erst einmal um einen geschehen ist, kann man unter Umständen völlig ausblenden, in was für einen Menschen man sich da verguckt hat. Einer Polizistin in Österreich ist das passiert und sie muss nun für die Folgen gerade stehen.

Es war Anfang 2017, als sich die Polizistin in den Mann verliebte. Dabei hatte sie bereits dienstlich mit ihm zu tun. Der Gewohnheitsstraftäter, der bereits seit 15 Jahren polizeibekannt ist – unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung, Drogendelikten und Widerstand gegen die Staatsgewalt – lebt im Nachbarort der Dienststelle, wo sie ihren Dienst versah.

Auch Wegweisungen (Platzverweise) der Polizisten missachtete er mehrfach. Man kann also nicht behaupten, dass er Respekt vor der Polizei hat. Durch die räumliche Nähe wurde die Revierinspektorin öfter zur Verstärkung gerufen und hatte den Mann selbst schon festnehmen müssen.

Sie wusste also um seinen Charakter und seinen Lebenslauf und dennoch verliebte sie sich in ihn. Mehrere Monate hatten die beiden eine Beziehung. Sie musste einen Abschlussbericht zu einem Strafverfahren gegen ihn schreiben und beschrieb seine Charakterzüge mit “bekannte Aggressivität und Gewaltbereitschaft”.

Ob der Gewohnheitstäter auch die Polizistin schlug ist nicht bekannt, eine der Anzeigen wegen Körperverletzung hatte er sich jedenfalls eingehandelt, als er seine eigene Mutter attackiert hatte. Keine guten Voraussetzungen für eine Beziehung der beiden, doch trotzdem hatte es “zoom” gemacht.

Doch die Beziehung blieb nicht verborgen und war bald Gesprächsthema Nr. 1 auf der Dienststelle. Auch der Chef der Polizeiinspektion erfuhr davon. Als der Mann dann abermals Widerstand gegen einen Polizisten leistete und dabei verletzte, griff der Dienststellenleiter durch. Er nahm der Beamtin die Schlüssel zur Dienststelle ab, um zu verhindern, dass der Straftäter Zutritt zur Wache bekommen könnte.

Die Reißleine gezogen wurde, als der Straftäter bei einer Einvernahme (Vernehmung) gegenüber den Polizisten mit der Beziehung zu der Beamtin prahlte. Er wisse wie das bei der Polizei laufe, sagte er den verdutzten Beamten und zeigte, wie zum Beweis, seine Kontakte im Mobiltelefon, wo er die Polizistin unter “Schatzi” gespeichert hatte.

Selbst, als er am nächsten Tag zur Untersuchungshaft in die Justizanstalt eingeliefert wurde, gab er noch mit seiner Beziehung zu einer Polizistin an. Während seiner Zeit hinter Gittern wurde er fünf Mal von ihr besucht und als er Ende 2017 entlassen wurde, holte ihn die Beamtin ab.

Es wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, welches im August 2018 entschieden wurde. Mittlerweile hatte sich die Polizistin von dem Straftäter getrennt und per Anwaltsschreiben sogar aufgefordert, jeglichen Kontakt zu unterlassen. Auch hatte sie um eine Versetzung auf eine andere Dienststelle geben, damit es auch dienstlich keinen möglichen Kontakt mehr geben konnte.

In der Disziplinarverhandlung zeigte sich die Polizistin einsichtig und geständig. Ihr war bewusst geworden, dass sie das “Vertrauen der Allgemeinheit in die sachliche Wahrnehmung” und damit in das Amt der Polizistin beschädigt hatte. Der Disziplinaranwalt wollte ein Exempel statuieren und forderte eine Geldstrafe zwischen 7.000 und 10.000 Euro.

Bei der Urteilsfindung spielten jedoch auch die Milderungsgründe eine Rolle. Das Geständnis, ihre positive Zukunftsprognose und die Tatsache, dass sie sich bisher nichts hat zuschulden kommen lassen, wurden zu ihren Gunsten gewertet, die Beziehungsdauer zu ihren Lasten.

Die Polizistin muss nun eine Geldstrafe von 2.200 Euro entrichten.