Gedanken eines Polizisten: Die Einstellung einiger Mitbürger zur Polizei ist erschreckend, denn auch wir sind Menschen

12. Oktober 2018 um 19:04 Uhr

Gedanken eines Polizisten: Die Einstellung einiger Mitbürger zur Polizei ist erschreckend, denn auch wir sind MenschenEnde September veröffentlichen wir die Gedanken eines Kollegen zum Thema Wertschätzung. Der Autor hat die Kommentare auf seine Zeilen verfolgt und sich noch einmal an die Tastatur gesetzt und uns wissen lassen, was er davon hält.

Bei der Lektüre seiner Zeilen möchten wir zu bedenken geben, dass sie geschrieben wurden, als der Einsatz im Hambacher Forst noch in vollem Gange und eine Ende nicht abzusehen war.

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Die Polizei als Prügelknabe für Politik und Justiz!

Nach meinem letzten verfassten Leserbrief zum Thema Wertschätzung gab es einige Reaktionen die mich sehr stutzig gemacht haben.

Es gab in den Kommentaren Beschwerden über Polizisten in angsteinflößender Montur, über enormes Gewaltpotenzial bei Polizeieinsätzen und über die Polizei als Handlanger von großen Konzernen.

Glauben Sie wir Polizisten wünschen uns, dass wir in voller Montur und mit Maschinenpistolen über einen Weihnachtsmarkt laufen oder in einen Wald zu müssen, der von Aktivisten als das „Hamburg 2.0“ ausgerufen wurde?

Optisch wirkt dies für Sie vielleicht angsteinflößend, aber all diese Maßnahmen werden getroffen, damit die Polizei bei ihren Einsätzen innerhalb von Sekunden vor Ort und einsatzbereit ist. Zudem dient sie uns als Schutz vor Angriffen.

Die Ausstattung, die uns aufgrund von politischen Sparkonzepten zukommt ist sowieso eher schlecht als Recht. Sie soll uns einzig dazu dienen, dass wir nicht von den Schüssen durchlöchert werden (auch wenn ich bezweifle, dass die Uniformausstattung auch nur ansatzweise dazu geeignet ist).

Die Einstellung einiger Mitbürger ist erschreckend. Ich kann absolut verstehen, dass es nicht schön ist, dass schwerbewaffnete Polizisten über einen Weihnachtsmarkt patrouillieren müssen, aber es ist leider heutzutage unumgänglich.
Sie denken hierbei viel zu engstirnig und vor allem veraltet! Die Welt ist nicht mehr so „schön“ wie vor 20 Jahren. Terroranschläge sind weltweit ein Thema und auch die Kriminalität ist gestiegen.

Wir möchten nicht, dass ihr Sicherheitsgefühl zerstört wird, sondern dass wir dieses stärken.

Sie sollen alle Volksfeste, Großveranstaltungen und Märkte genießen können, ohne Angst vor terroristischen Anschlägen oder anderen Gewalttaten haben zu müssen.
Aber vertrauen Sie doch zumindest in diesem Aspekt der Polizei, sowie dem Landes- und Bundeskriminalamt, die dafür gesorgt haben, dass in der Vergangenheit bereits viele Anschläge vereitelt wurden, auch wenn dies medial oft nicht bis an Sie herangetragen wurden.

Haben Sie vor allem keine Scheu die Kollegen vor Ort anzusprechen. Hinter der schweren Ausrüstung steckt ein Mensch wie Sie, mit einem Herz!
Wir sind auch heute noch Ihr Freund und Helfer, auch wenn dieser 20 Kilogramm Schutzausrüstung zusätzlich tragen muss, um im Ernstfall nicht als erstes vor die Hunde zu gehen.

Die Aussage, dass wir für die Falschen, insbesondere für Großkonzerne einstehen, nagt am meisten an mir.
Diese Meinung kann und will ich nicht mit Ihnen teilen!

Der Hambacher Forst zeigt zum einen, dass man diesen nur unter voller Montur und mit enormem Gefahrenrisiko als Polizist betreten kann und zum Anderen ist das Vorgehen der Kollegen im Hambacher Forst nur mit unumgänglicher Konsequenz und Härte zum eigenen Schutz vollziehbar. Dies wird aufgrund von einseitigen Videos und Berichterstattungen von vielen jedoch als übertrieben und unverhältnismäßig angesehen.

Machen Sie sich doch bitte mal klar mit wem die Polizei tagtäglich in Kontakt tritt. Eins kann ich Ihnen sagen, nett und zuvorkommend sind die Wenigsten und Gutes wollen die meisten uns auch nicht.
Aber dafür haben wir ein Gespür entwickelt und merken, wann die Situation zu eskalieren scheint.

Die Polizei ist die „ausführende Gewalt“, wobei wir uns nicht über das Wort „Gewalt“ definieren, sondern viel mehr über „ausführend“. Wir setzen geltendes Recht durch und das tun wir in jeder Situation. Die Gesetze sagen nun mal, dass die Polizei gewisse Dinge mit Zwang durchsetzen kann und muss.

Dieser Zwang beinhaltet Pfefferspray, einfache körperliche Gewalt, zum Beispiel in Form eines Faustschlages oder einer Festnahmetechnik, den Schlagstock und als letztes Mittel auch die Schusswaffe.
In unserem Beruf geht es nicht um private Einstellungen, sondern einzig und allein um Gesetze und Rechtssprechungen.

Natürlich gibt es auch in unseren Reihen Kollegen, die über das Ziel hinausschießen, aber auch diese müssen sich straf- und disziplinarrrechtlich für ihr Fehlverhalten verantworten wie jeder andere Bürger auch.

Werfen Sie mal einen Blick nach Berlin, wo die Kollegen von Unbeteiligten angegriffen und verletzt werden oder nach NRW in den Hambacher Forst. Dort werden Kollegen mit Molotowcocktails und Fäkalien willkommen geheißen.

Steht dies in irgendeiner Relation zum Vorgehen der Polizei oder lässt sich gesellschaftlich und moralisch rechtfertigen?

Diese Beispiele sind nur die Extreme! Tagtäglich kommt es zu etlichen Angriffen auf Polizeibeamte, bei denen oftmals Kollegen und Kolleginnen körperlich verletzt werden. Von den Anfeindungen und Bedrohungen gegen den Polizisten als Privatperson mal ganz zu schweigen.

Ihre private und politische Einstellung in allen Ehren, aber erachten Sie es als gerechtfertigt und moralisch vertretbar einen Polizisten anzugreifen, weil er auf der Grundlage eines Gerichtsbeschlusses den Hambacher Forst räumt?

Einige Bürger maßen sich sogar an zu behaupten, dass wir Unterstützer von großen Unternehmen seien und ausführen ohne nachzudenken und uns quer zu stellen.
Glauben Sie wirklich, dass all jene Kollegen und Kolleginnen im Hambacher Forst mit der Rodung einverstanden sind?

Wenn ja, haben Sie sich mächtig geschnitten. Es ist nun mal unser Job Gesetze durchzusetzen, egal ob diese mit unseren privaten Einstellungen kollidieren oder nicht.
Trotz des inneren Konfliktes muss ich bedenken:
Es ist und bleibt mein Job, durch den ich meinen Lebensunterhalt bestreite!

Hören Sie gefälligst auf die Polizei für ihr Handeln und das Durchsetzen des „Rechts“ verantwortlich zu machen.

Beschweren Sie sich doch einfach beim zuständigen Gericht, das dieses Urteil zur Rodung getroffen hat. Demonstrieren Sie tagtäglich vor dem Gerichtsgebäude oder dem Landtag und zeigen Sie den Personen, die diese Entscheidung getroffen haben, dass Sie und wir mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sind.

Die ungeschönte Wahrheit über den Hambacher Forst und die gerichtlich bestätigte Rodung wird erst in ein paar Jahren ans Tageslicht kommen.
Wahrscheinlich ein paar Jahre zu spät!

Aber das heißt in keinem Fall, dass die Polizei das Gerichtsurteil unterstützt, aber sie setzt es durch, wenn auch schweren Herzens, da es zum jetzigen Zeitpunkt das geltende „Recht“ ist.

Meinen Sie wirklich wir sind mit allen Urteilen der Gerichte einverstanden?

Gerichte treffen sehr oft Urteile, die die Arbeit der Polizei nichtig machen oder erschweren. Aber auch wir sind an diesem Punkt machtlos und dürfen dabei zusehen, wie diese Urteile gefällt werden.
Oder glauben Sie ich bin damit einverstanden, dass jemand 500€ für die Einstellung des Strafverfahrens zahlt, nachdem er sich jeglicher rechtmäßiger Maßnahme der Polizei vehement verweigert hat und im Anschluss versuchte mich und meinen Kollegen zu schlagen und nur unter enormem Kräfteaufwand und dem Einsatz von Pfefferspray gefesselt werden konnte?

Oder dass wir bei einer Festnahme von Unbeteiligten angegriffen, getreten und bespuckt werden?

Nein, aber willkommen in einer Gewaltenteilung! Jeder trägt sein Laster und hat damit klar zu kommen oder er kann FRIEDLICH dagegen vorgehen.

Dazu gehört nicht, Schrottautos in einen Wald zu verbringen, an die man sich mittels Lock-On Vorrichtungen befestigt, geschweige denn Sprengstoffattrappen zu fertigen oder Molotowcocktails, Urin und Kot auf die Kollegen zu werfen.

Bei diesen Menschen handelt es sich auch nicht um Umweltprotestler. Diese Menschen sind einzig und alleine Krawalltouristen, die teilweise seit mehreren Jahren das Waldgebiet besetzen, verwüsten und vermüllen und Baumhäuser aus nicht ökologisch abbaubaren Stoffen bauen.

Die Tierarten im Bodenreich, die Tierschützer aufgrund der Rodung in Gefahr sehen, haben ihren Lebensraum sehr wahrscheinlich wegen der Krawallmacher bereits verlagert.

Die Menschen, die im Wald hausen, sind keine friedlichen Aktivisten, sondern sind einzig und alleine darauf bedacht, ihren Hass gegen die Demokratie, unser Wirtschaftssystem, gegen den Staat und insbesondere gegen die Polizisten zum Ausdruck zu bringen!
Wer so handelt gehört dafür zur Rechenschaft gezogen und ist auf keinste Weise ein friedlicher Aktivist.

Friedlicher Protest ist gewollt und mit den friedlichen Aktivisten kann man auch als Polizei das Gespräch suchen. Nachdem man Ihnen erklärt hat inwiefern ihr aktueller Protest aussichtslos ist, da dort das „Recht“ durchgesetzt wird, kann man sie sogar teilweise freiwillig zum Verlassen des Waldes überreden.

Aber leider ist ein Großteil der „Bewohner“ des Hambacher Forstes aus genau einem Grund angereist und das sind sie bereits im letzten Jahr in Hamburg beim G20-Gipfel und dieser ist GEWALTTOURISMUS.

Also durchdenken Sie nochmal inwieweit das gesprochene „Recht“ in Verbindung mit der Polizei steht.

Eine Rodung des Hambacher Forstes ist für fast alle ein großes Problem, aber wir machen nur unseren Job! Wenn wir dann mit Molotowcocktails, Urin und Kot beworfen werden hört es auf.

Auch wir wollen abends gesund nach Hause kommen. Wir haben weder Lust auf Verletzungen noch auf irgendwelche Krankheiten, denn auch wir sind MENSCHEN!!!”

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Der Kollege ist uns namentlich bekannt, er möchte auch diesmal anonym bleiben. Diese Zeilen geben die persönliche Meinung des Autors wieder.