Letzter Einsatz Wiesn: “Für die Leute da draußen”

2. Oktober 2018 um 15:01 Uhr

Polizeihauptkommissar Joachim “Jo” Hötzel wurde am vergangenen Sonntag 60 Jahre alt. Er verbrachte seinen Geburtstag auf der Wiesn, wie all die Jahre zuvor auch schon. 42 Jahre, elf Monate und 27 Tage verbrachte er als Polizisten beim Polizeipräsidium München (Bayern) in der Altstadt und war zur Wiesnzeit eben auch für die Leute auf dem Oktoberfest zur Stelle.

Am 1. Oktober 1975 begann er als Praktikant seinen Dienst beim PP München und eines bewahrte er sich vom Praktikanten bis zum angehenden Pensionär. Ein Credo, ein Motto, eine Lebensauffassung oder, wenn man so möchte, ein Selbstverständnis von Berufs wegen: Ich mache meinen Dienst nicht für die Vorgesetzten oder sonst jemanden, sondern “für die Leute da draußen”.

Das hat Jo auch immer viel Spaß gemacht, auch wenn es neben den schönen auch die schlechten Erlebnisse gab. So nahm er sich für sein letztes Einsatzwochenende auf der Wiesn vor: “Glücklich sein bis zum Schluss…” und setzte sich an das Notruftelefon der Wiesnwache, so wie in den vergangenen zehn Jahren auch schon.

Mit Ruhe und Entschiedenheit soll er diesen Job erledigt haben. So schildern es die Kollegen und alle, die ihn auf der Wiesn über all die Jahre kennen und schätzen gelernt haben. So sieht er sich auch selbst, schließlich macht er den Job nicht erst seit gestern.

Er wünschte sich im letzten Dienst, dass nichts Schlimmes passiert. Doch dann kam dieser Notruf um 22:10 Uhr. Schlägerei im Augustinerzelt, eine Person am Boden, Täter in der Masse untergetaucht. Um kurz vor Mitternacht dann die Rückmeldung, dass der Mann trotz Reanimation verstorben ist. Sein Abschiedswunsch hat sich somit nicht erfüllt.

“Nur wenn man durch Tiefen geht, weiß man, was die Höhen bedeuten”, sagt Jo Hötzel.

Am Sonntag arbeitete er seinen Nachfolger noch in die Aufgabe ein und drehte noch eine Abschlussrunde über das Festgelände, verabschiedet sich von denen, die er in seinen 22 Jahren Wiesn-Einsatz kennen gelernt hat. Von Standbetreibern, Ansprechpartnern in den Festzelten, den Leuten von Rettungsdienst und Feuerwehr.

Jo Hötzel ist nun Pensionär. Er hätte zwar verlängern können, doch er hat noch viel vor. Auch wenn er es kaum fassen kann, dass sein aktiver Polizeidienst vorbei ist, ist nun Schluss mit “für die Leute da draußen”. Er kümmert sich nun um Ehefrau, Enkel, Hobbys und engagiert sich weiter im Roten Kreuz. Er ist nämlich auch ausgebildeter Rettungssanitäter.

“Nutze die Zeit” ersetzt nun “für die Leute da draußen”. Nach über 42 Jahren im Dienst für die Allgemeinheit ein durchaus nachvollziehbarer Schritt.

Lieber Jo, wir wünschen dir noch einen möglichst schönen, langen und gesunden Unruhestand! Genieß die Zeit ohne Schichtdienst und mit deinen Liebsten. Danke für die vielen Jahre Dienst “für die Leute da draußen”.