Mit den Kollegen auf Streife: Mobbing an der Schule – Ein Einsatz, der mir unter die Haut ging

20. Oktober 2018 um 19:59 Uhr

Mit den Kollegen auf Streife: Mobbing an der Schule - Ein Einsatz, der mir unter die Haut ging

“Wir wurden zu einem Einsatz geschickt, der mich lange beschäftigt hat und es immer noch tut.

Es geht um den Hilferuf eines kleinen Jungen. Ich weiß gerade gar nicht wie ich es schreiben soll, ohne vor Wut die falschen Worte zu schreiben. Obwohl, gibt es überhaupt falsche Worte zu diesem Sachverhalt? Bildet euch selbst ein Urteil darüber…

Es ist Montagmorgen, eine Frau setzt einen Notruf ab, weil sie beim Gassi gegen mit ihren Hund einen kleinen Jungen im Park angetroffen hat. Dieser brachte jedoch vor lauter Tränen kein einziges Wort heraus.

Als mein Kollege und ich im Park ankamen, kam uns die Frau entgegen und erzählte uns, dass sie versucht hatte herauszufinden, wie der kleine Mann heißt und warum er so weint. Doch nichts, nur ein tiefes Schluchzen kam über seine Lippen.

Wir dankten der Dame, dass die uns informiert hatte und ließen sie ihres Weges ziehen. Nun war viel Geschick erforderlich um aus dem Jungen etwas heraus zu bekommen.

Wir setzten uns neben ihn auf die Bank und stellten Fragen, doch keine Antwort. Ich legte meinen Arm um ihn und er drückte sich an mich und weinte bitterlich. Mir zeriss es fast das Herz, so sehr tat mir der kleine Mann leid. Es muss ja was schlimmes passiert sein, umsonst weint ein Kind nicht so.

Also nächste Idee. Wir redeten ganz ruhig mit ihm und fragten ihn, ob er mal einen Streifenwagen von innen sehen möchte. Er nickte nur, während weiter die Tränen liefen

Als wir am Streifenwagen angekommen waren und der kleine Racker Platz nehmen durfte, versiegten langsam die Tränen. Wir erlaubten ihm kurz das Blaulicht und das Martinshorn einzuschalten. Plötzlich fing er wieder zu strahlen an. Uns fiel ehrlich gesagt ein Stein vom Herzen, dass er endlich aufgehört hatte zu weinen.

Wir fragten ihn, ob er mal eine Dienststelle von innen sehen möchte und wie aus der Pistole geschossen kam: “Au jaaaaa!”. Also ab zur Wache.

Während der Fahrt saß ich hinten bei dem jungen Mann und im Gespräch kam heraus, dass er Pascal (Name geändert) hieß, acht Jahre alt war und eigentlich in der Schule hätte sein müssen. Er nannte uns seinen Nachnamen und seine Adresse.

Auf der Wache angekommen, machten wir erst einen Rundgang mit ihm. In der Zwischenzeit informierten die Kollegen die Eltern von Pascal, dass er bei uns auf der Dienststelle war.

Nun setzten wir uns mit dem jungen Mann zusammen und redeten. Plötzlich sprudelte es aus ihm heraus und dabei liefen auch wieder die Tränen. Er wurde gemobbt. Seine Mitschüler drangsalierten ihn wo sie nur konnten.

Auch an diesem Morgen ging es schon wieder auf dem Weg zur Schule los. Sie rissen ihm seinen Schulranzen vom Rücken, schmissen seine Hefte und Bücher auf die Straße. Wir informierten eine Streife, dass sie nach dem Ranzen Ausschau halten sollten, die ihn schließlich auch fand.

Seit über einem Jahr musste der kleine Mann jeden Tag nur einstecken. Er wurde geschlagen, sein Pausenbrot geklaut, sein Kopf wurde in die Toilette getaucht und vieles mehr musste Pascal ertragen. Er hatte sich nicht getraut etwas zu seiner Lehrerin oder zu seinen Eltern zu sagen.

Wir suchten noch das Gespräch mit den Eltern und fuhren danach auch noch in die Schule. Dort redeten wir mit dem Rektor und den Lehrern.
Aber auch die Klasse selbst blieb nicht verschont. Wir hofften die deutlichen Worte, die wir gefunden hatten, zeigten Wirkung.

Zum Abschluss sagten wir Pascal, dass er jederzeit bei uns auf der Wache willkommen ist und wenn er wieder zum Opfer von den Attacken wird, uns auch jederzeit wieder rufen kann. Er umarmte uns und sagte: “Danke, dass war so ein toller Tag, den ich nie vergessen werde!”

Kurz danach haben wir erfahren, dass die Eltern ihren Sohn von dieser Schule genommen haben, weil es erneut zu Mobbingattacken kam. Er geht nun auf eine andere Schule.

Wir wünschen Pascal alles erdenklich Gute und ich möchte einfach nur sagen: Schaut nicht weg und an alle die meinen andere drangsalieren zu müssen… Ihr seid erbärmlich!

Lieber Pascal, ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder. Ich jedenfalls möchte wissen wie es dir auf der neuen Schule ergeht.”

——————-

Der Kollege ist uns persönlich bekannt, er möchte anonym bleiben. Auch Pascals Name wurde zu seinem Schutz geändert.

ℹ️ Ihr werdet an der Schule ebenfalls gemobbt?

Vertraut Euch euren Lehrern, Schulpsychologen und Eltern an. Sie sollten es wissen, damit sie Euch helfen können. Wenn Ihr euch nicht traut, dann könnt Ihr auch zur Polizei kommen und anonym bei einer kostenlosen Hotline anrufen:

116111 (Nummer gegen Kummer, Deutschland)
147 (Pro Juventute, Schweiz)
147 (Rat auf Draht, Österreich)