Mobile Polizeiarbeit: Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit Pilotprojekten

22. Oktober 2018 um 11:29 Uhr

Mobile Polizeiarbeit: Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit PilotprojektenDie Polizeiarbeit auf der Straße hat immer noch viel mit Zettelwirtschaft zu tun. Im Notizblock werden handschriftlich Daten erfasst und später in das Vorgangsbearbeitungssystem auf der Wache eingegeben, Formulare werden per Hand ausgefüllt. Die Liste ließe sich fortführen. Im Norden Deutschlands möchte man nun einen Schritt vorwärts machen (wobei “vorwärts” Definitionssache ist, dazu weiter unten mehr).

In Niedersachsen läuft gerade ein Pilotprojekt zur Aufnahme von Verkehrsdelikten mit dem Smartphone. Egal ob Verkehrsunfall oder Gurtverstoß, die Daten werden mit dem Smartphone erfasst und direkt an die Bußgeldstelle übertragen. Knöllchen können auch direkt mit einem Drucker im Streifenwagen ausgedruckt und an die Verkehrssünder ausgehändigt werden.

Ulrike Lünsmann, Sprecherin der Polizeidirektion Oldenburg: “Auf diesem Wege entfallen die Doppelerfassung bei der Polizei und der Bußgeldstelle und die Fehler, die mitunter durch die schlechte Lesbarkeit aufgrund der handschriftlichen Erfassung entstanden sind.”

Im Juli 2018 startete das Pilotprojekt bei der Polizei Wildeshausen und nur drei Monate später zieht man bereits ein erstes positives Fazit: “Die elektronischen Datenermittlungsbelege erleichtern unsere Arbeit sehr”, heißt vom Straßenverkehrsamt.

Das Rad neu erfunden hat man damit allerdings nicht, kommt die App bereits seit einiger Zeit in den Landkreisen zum Einsatz, um Parkverstöße zu erfassen und das Knöllchen ausdrucken. Man hat das Konzept lediglich auf die Polizei erweitert. Immerhin…

Einen Schritt weiter geht man in Schleswig-Holstein. Dort hatte man ursprünglich den Plan jeden Streifenwagen mit einem Tablet auszustatten. Doch anstatt aus Kostengründen einen Schritt zurück zu gehen, hat man beschlossen, lieber einen Schritt nach vorne zu wagen.

“Die Pläne der Polizei gehen mittlerweile über die ursprünglich einmal angedachte Ausstattung der Streifenwagen mit Tablets hinaus. Nach eingehender Prüfung von Innenministerium und Landespolizei ist die direkte Ausstattung der eingesetzten Polizistinnen und Polizisten mit Smartphones aus heutiger Sicht sinnvoller als die Ausstattung von Streifenwagen mit Tablets”, heißt es von Tim Radtke, Sprecher des Innenministeriums.

Die Ausstattung der Polizisten soll schrittweise erfolgen. Zunächst soll noch in diesem Jahr ein Pilotprojekt mit einigen wenigen Geräten starten. 2019 soll der Pilot um einige hundert Smartphones erweitert werden.

“Es ist in unserer heutigen Zeit zwingend erforderlich, dass wir die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten langfristig mit derartigen Smartphones erleichtern und deutlich verbessern”, sagt Innenminister Hans-Joachim Grote.

Dabei sollen sich die Möglichkeiten nicht auf die bloße Erfassungs- und Übertragungsmöglichkeit von Verkehrsverstößen beschränken. Mit den Smartphones sollen die Polizisten vollen Zugang zum polizeilichen Vorgangsbearbeitungssystem haben, sowie Fahndungsabfragen und Dokumentenechtheitsüberprüfungen abrufen können.

Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Polizei in Deutschland, egal in welchem Bundesland, sich schwer tut im Informationszeitalter anzukommen und den Polizisten die Möglichkeiten an die Hand zu geben, im Einsatz effektiver und schneller an die Informationen zu kommen, die sie benötigen. An der Technik kann es nicht liegen, die gibt es und die Software ebenso.

So berichteten wir bereits 2015 über ein Pilotprojekt in Niedersachsen, dem nun offenbar ein weiteres Pilotprojekt folgt.

2016 berichteten wir aus dem Saarland, welches ebenfalls ein Pilotprojekt startete und hier von Microsoft mit Geräten und Software unterstützt wurde. Was daraus geworden ist entzieht sich unserer Kenntnis.

Auch in Bayern und Rheinland-Pfalz gab es Überlegungen zum Thema Smartphones und polizeiinterne Messenger. Doch längst nicht jeder Polizist kann im Einsatz darauf zurück greifen und ein Möglichkeit zur Fahndungsüberprüfung oder Vorgangserfassung fehlt ebenfalls (zumindest in Rheinland-Pfalz hat man die in Planung).

Und auch in Brandenburg kündigte man groß den interaktiven Streifenwagen an, mit dem es dann so manche Probleme gab.

Doch wenn man sich all die landesspezifischen Insellösungen anschaut (die bei Grenzüberschreitung untereinander inkompatibel sind), ist das immer noch meilenweit davon entfernt, wie man anderswo arbeitet, zum Beispiel in den Niederlanden, worüber wir ebenfalls bereits berichteten